KSK-Training (Archivbild) | dpa
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Bundeswehr MAD enttarnt Islamisten im KSK

Stand: 17.06.2020 13:10 Uhr

In der Bundeswehr-Spezialeinheit KSK wurden nicht nur Rechtsextremisten enttarnt: Nach Recherchen von WDR und SZ diente dort bis vor Kurzem auch ein Islamist.

Von Florian Flade, WDR

Deutschlands Elitesoldaten sind unter Druck. Nach mehreren rechtsextremistischen Vorfällen im Kommando Spezialkräfte (KSK) hat Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer eine umfassende Untersuchung zur Situation in der Einheit angekündigt. Bei einem KSK-Soldaten in Sachsen war jüngst ein privates Waffenversteck samt Kalaschnikow und Sprengstoff entdeckt worden. Zuletzt schrieb ein Hauptmann aus der Truppe einen zwölfseitigen Brandbrief an die Ministerin und warnte vor rechtsextremen Umtrieben im KSK,  die "kollektiv ignoriert oder gar toleriert" würden.

Florian Flade

Nach Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat die Eliteeinheit der Bundeswehr, die etwa in Afghanistan an Anti-Terror-Einsätzen oder Geisel-Befreiungen beteiligt ist, offenbar nicht nur ein Problem mit Rechtsextremisten in den eigenen Reihen. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) hat demnach vor kurzem auch einen Islamisten im KSK enttarnt.

Kategorie "Rot"

Der Mann war im vergangenen Jahr durch Äußerungen und Verhalten aufgefallen und dem MAD gemeldet worden war, heißt es aus Sicherheitskreisen. Es folgten Ermittlungen, die zur Einstufung des Elitesoldaten in die Kategorie "Rot" (erkannter Extremist) führten. Im Frühjahr dieses Jahres wurde der KSK-Mann schließlich aus der Bundeswehr entlassen.

Das Bundesverteidigungsministerium teilte auf Anfrage mit, man dürfe sich nicht zu Einzelpersonalangelegenheiten äußern. Extremisten jeglicher Art hätten in der Bundeswehr allerdings keinen Platz, betonte ein Sprecher des Ministeriums.

MAD - mit extremistischen Verdachtsfällen

Im seinem Jahresbericht 2019, der im Mai erstmals veröffentlicht wurde, stellte der MAD eine Zunahme extremistischer Verdachtsfälle in der Bundeswehr insgesamt fest. Demnach wurden im vergangenen Jahr 14 Extremisten, darunter acht Rechtsextremisten, vier Islamisten und zwei sogenannte Reichsbürger enttarnt. Sie wurden in die Kategorie "Rot" eingestuft.

Bei weiteren 38 Bundeswehr-Angehörigen stellte der MAD eine "fehlende Verfassungstreue" - Kategorie "Orange" - fest. Unter diesen Personen waren 27 Rechtsextremisten, vier Islamisten, drei Reichsbürger, ein Linksextremist, und drei Personen aus dem Bereich des Ausländerextremismus.

Annegret Kramp-Karrenbauer | HENNING SCHACHT/POOL/EPA-EFE/Shu

Arbeitsgruppe soll der Ministerin Empfehlungen zum Umgang mit Extremismus beim KSK liefern. Bild: HENNING SCHACHT/POOL/EPA-EFE/Shu

Nach einer Häufung rechtsextremistischer Fälle innerhalb des KSK hatte der MAD die Eliteeinheit zu einem "Arbeitsschwerpunkt" in der Extremismus-Bearbeitung gemacht. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat zudem inzwischen eine Arbeitsgruppe zum KSK eingesetzt, die eine "Strukturanalyse" und  Handlungsempfehlungen erarbeiten soll.

Zur Task Force gehören der KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr, Generalinspekteur Eberhard Zorn, Staatssekretär Gerd Hoofe und die neue Wehrbeauftragte Eva Högl. Bis Ende Juni soll die Arbeitsgruppe einen ersten Bericht vorlegen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2020 um 13:00 Uhr.