Das Logo der Deutschen Bank spiegelt sich in einer Hochhausfassade in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Cum-Ex-Skandal Ermittlungen gegen Deutsche-Bank-Vize

Stand: 07.06.2019 12:29 Uhr

Wegen möglicher Beteiligung an "Cum-Ex"-Geschäften sind nach Recherchen von WDR, NDR und SZ der Vize-Chef und Ex-Vorstände der Deutschen Bank im Visier der Strafverfolger. Die Bank bestreitet jegliches gesetzwidriges Verhalten.

Von Massimo Bognanni, WDR und Georg Mascolo, WDR/NDR

Im größten Steuerskandal der Bundesgeschichte hat die Staatsanwaltschaft Köln ihre Ermittlungen deutlich ausgeweitet. Betroffen hiervon ist unter anderem die Deutsche Bank.

Nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" haben die Strafverfolger gegen rund 70 heutige und frühere Mitarbeiter der größten deutschen Bank Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Zu den Beschuldigten zählt auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Garth Ritchie sowie mindestens zwei ehemalige Vorstände, darunter Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der ehemalige Co-Vorstandschef Anshu Jain. Beide waren auf Anfrage nicht zu einer Stellungnahme bereit. Die Deutsche Bank äußerte sich nicht zu Ritchie.

Deutsche Bank spricht von "üblichem Verfahren"

Ein Sprecher der Bank bestätigte auf Anfrage die Ausweitung der Ermittlungen gegen "weitere ehemalige und aktuelle Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder", äußerte sich jedoch nicht zu einzelnen Personen. Mit dem Vorgehen habe die Staatsanwaltschaft zudem nur die Verjährung möglicher Straftaten unterbrechen wollen.

"Das ist ein übliches Vorgehen und die Staatsanwaltschaft ist so auch bei anderen Banken verfahren. Die Bank geht nicht davon aus, dass diese prozessuale Maßnahme auf einer geänderten Einschätzung durch die Staatsanwaltschaft beruht", so der Sprecher. Die Staatsanwaltschaft in Köln wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Tatsächlich drohen in diesem Sommer zahlreiche mögliche Cum-Ex-Vergehen zu verjähren.

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So funktionierten die "Cum-Ex"-Geschäfte

Grafik: Cum-Ex-Geschäft 1 von 6

Investor A ist Anteilseigner eines Großkonzerns. Er besitzt Aktien im Wert von 15 Millionen Euro.

Staat um Milliarden betrogen

Hinter Cum-Ex verbergen sich Aktiengeschäfte, die einem Verwirrspiel gleichen. Aktien mit und ohne Dividendenansprüche wurden trickreich hin- und hergeschoben, um sich eine lediglich einmal gezahlte Steuer auf Dividendenerlöse mehrmals erstatten zu lassen.

Der Staat soll auf diese Weise um einen zweistelligen Milliardenbetrag betrogen worden sein. Im Sommer 2009 war eine Hochphase von Cum-Ex-Geschäften. Der Fiskus erstattete allein in diesem Jahr mehr als eine Milliarde Euro an Kapitalertragssteuern. Da die Verjährungsfrist bei einer schweren Steuerhinterziehung zehn Jahre beträgt, sind in diesen Tagen zahlreiche mögliche Taten von Verjährung bedroht.

Die Hochhäuser der Deutschen Bank in Frankfurt | Bildquelle: AP
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Die Deutsche Bank bestreitet, gesetzwidrig gehandelt zu haben.

Auch Dienstleister für Geschäfte im Visier

Die Deutsche Bank betont, keine Gesetze gebrochen zu haben. "Die Deutsche Bank hat an einem organisierten Cum/Ex-Markt weder als Leerverkäuferin noch als Cum/Ex-Erwerberin teilgenommen", heißt es aus dem Geldhaus.

Ins Visier der Ermittler sind inzwischen jedoch auch jene Banken geraten, die solche Aktiendeals nicht selbst betrieben haben, die aber als Dienstleister gebraucht wurden, um diese Geschäfte abwickeln und die Gewinne verteilen zu können. Das gilt möglicherweise auch für die Deutsche Bank.

"Cum-Ex": Weitere Ermittlungen gegen Deutsche Bank Mitarbeiter eingeleitet
Jutta Hammann, WDR
06.06.2019 19:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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Georg Mascolo, NDR/WDR

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