Deutsche Bank Zentrale in Frankfurt am Main. | dpa
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Cum-Ex-Geschäfte Razzia bei der Deutschen Bank

Stand: 18.10.2022 16:27 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Köln hat nach Informationen von WDR und SZ die Frankfurter Büros des größten deutschen Geldhauses durchsucht. Einmal mehr geht es um die Verwicklung der Bank in Cum-Ex-Geschäfte.

Von Massimo Bognanni, WDR

Die Fahnder rückten am Vormittag in der Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank an. Nach Informationen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) suchen die Ermittler nach Beweismitteln im Cum-Ex-Steuerskandal.

Massimo Bognanni

Mehr als 100 Polizisten aus NRW, hessische und nordrhein-westfälische Steuerfahnder sowie Beamte des Bundeszentralamtes für Steuern durchforsten die Büros nach E-Mails und sonstiger relevanter Kommunikation. Ins Visier der Ermittler sind auch weitere Konzerngesellschaften sowie Privatwohnungen von zehn Beschuldigten geraten.

Bank bestätigt Maßnahme

Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte auf Anfrage, Durchsuchungsbeschlüsse gegen ein "Bankinstitut in Frankfurt am Main" zu vollstrecken, nannte aber keine Namen. Die Deutsche Bank erklärte gegenüber WDR und SZ: "Wir bestätigen, dass im Rahmen der seit 2017 laufenden Ermittlungen gegen die Bank in Sachen Cum-Ex die Staatsanwaltschaft Köln an unserem Standort in Frankfurt zurzeit eine behördliche Maßnahme durchführt. Wie bereits seit Beginn der Ermittlungen 2017 kooperiert die Bank weiterhin vollumfänglich mit der ermittelnden Behörde. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns aufgrund des laufenden Verfahrens nicht weiter äußern."

Jahrelange Ermittlungen

Seit mehr als fünf Jahren ermitteln Fahnder aus NRW gegen teils aktive, teils ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bank im größten deutschen Steuerskandal. Die Verfahren richten sich nach Informationen von WDR und SZ inzwischen gegen rund 100 aktive und ehemalige Mitarbeiter des Geldhauses oder ihm verbundenen Unternehmen, unter ihnen mehrere Vorstände.

Nach ersten Erkenntnissen der Fahnder soll die Bank an mehreren Stellen in die Cum-Ex-Geschäfte involviert gewesen sein, bei denen sich Banker, Berater und Aktienhändler Steuern erstatten ließen, die nie jemand gezahlt hatte. Dem Staat ist so ein Milliardenschaden entstanden. Die Deutsche Bank soll Zeugen zufolge Kredite in Milliardenhöhe gegeben haben, die für die Cum-Ex-Geschäfte nötig waren. An anderer Stelle sollen sie auch als Depotbank aufgetreten sein.

Erste Bedenken bereits vor mehr als 15 Jahren

Die Ermittlungen brachten bereits zutage, wie offen hinter den gläsernen Fassaden des Bankhauses offenbar frühzeitig über die fragwürdigen Geschäfte gesprochen wurde. Laut einem internen Mailwechsel soll ein Steuerexperte der Bank bereits 2005 und 2007 die Geschäfte geprüft haben. Der Experte habe demnach verstanden, das die Deals dazu führten, dass Steuern vom deutschen Staat verlangt würden, die niemals gezahlt worden seien. Es gehe um erhebliche Beträge.

Die Deutsche Bank bestätigte, dass Kontrolleure bereits frühzeitig den Finger gehoben hätten. "Deshalb hat die Deutsche Bank bei Cum-Ex-Transkationen einen zurückhaltenden Geschäftsansatz verfolgt und hat im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern keine eigenen Cum-Ex-Geschäfte getätigt. Dass die Deutsche Bank aus heutiger Sicht hier zu kurz gesprungen ist und Dienstleistungen für Kunden im Zusammenhang mit Cum-Ex erbracht hat, sieht die Bank kritisch", heißt es in einer früheren Stellungnahme.

Wie kritisch die Rolle der größten deutschen Bank im Cum-Ex-Skandal war, dem gehen die Fahnder nun mit ihrer Razzia nach, auf der Suche nach weiteren Puzzlesteinen im Steuerskandal.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Juli 2021 um 16:00 Uhr.