Razzia bei der Amro-Bank | Bildquelle: dpa

Cum-Ex-Geschäfte Ermittlungen wegen Strafvereitelung

Stand: 28.02.2020 17:06 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Köln hat nach Recherchen von WDR und SZ gegen Juristen einer internationalen Wirtschaftskanzlei Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Anwälte sollen Fahnder bei einer Razzia behindert haben.

Von Massimo Bognanni, WDR

Es geht um eine Durchsuchung am 19. November 2019 in Frankfurter Geschäftsräumen der niederländischen Großbank ABN Amro. Ermittler und Staatsanwälte waren vorgefahren, stellten Fragen zu "Cum-Ex"-Geschäften und verlangten die Herausgabe von Beweismaterial. Doch die Fahnder stießen offenbar auf heftigen Widerstand. Anwälte der weltweit tätigen Wirtschaftskanzlei Clifford Chance sollen sich derart quer gestellt haben, dass die Strafverfolger verärgert wieder abrückten.

Anwälte der Strafvereitelung verdächtig

Nach Informationen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat das Verhalten der Clifford-Anwälte ein strafrechtliches Nachspiel. Demnach hat die Staatsanwaltschaft Köln nun Vertreter von Clifford Chance selbst im Visier: Wegen des Verdachts der Strafvereitelung haben die Staatsanwälte gegen mehrere Clifford-Chance-Juristen Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher von Clifford Chance wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen und das Mandatsgeheimnis nicht dazu äußern.

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So funktionierten die "Cum-Ex"-Geschäfte

Grafik: Cum-Ex-Geschäft 1 von 6

Investor A ist Anteilseigner eines Großkonzerns. Er besitzt Aktien im Wert von 15 Millionen Euro.

Eine der weltweit größten Wirtschaftskanzleien

Clifford Chance ist in 23 Ländern aktiv und gilt als eine der wichtigsten Wirtschaftskanzleien. Die Sozietät mit Hauptsitz in London beschäftigt mehr als 3000 Rechtsberater. Auch in Frankfurt hat die Kanzlei einen Sitz. Sie residiert im Frankfurter Finanzviertel, nur wenige Gehminuten entfernt von einem ihrer Mandanten: der niederländischen Großbank ABN Amro.

Nach dem Fehlschlag im November rückten die Ermittler am Donnerstag ein zweites Mal zur Durchsuchung bei ABN Amro an - dieses Mal gemeinsam mit bewaffneten Polizisten, die das Gebäude abriegelten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Februar 2020 um 18:00 Uhr.

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