Menschen sitzen mit Schutzmasken im Berliner Dom. | Bildquelle: AFP

Gottesdienste in Corona-Zeiten "Singen in reduzierter Form"

Stand: 31.05.2020 09:00 Uhr

Eine Umfrage von WDR und NDR unter allen katholischen Bistümern und evangelischen Landeskirchen zeigt: In einem Drittel der Kirchen kann die Gemeinde "in reduzierter Form" singen.

Von Markus Grill und Luisa Meyer, WDR/NDR

Wie gefährlich gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen derzeit ist, hat sich Mitte Mai in einer Frankfurter Baptisten-Gemeinde gezeigt: Die Gläubigen hatten nach eigenen Angaben zwar den Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten, aber während des Gottesdienstes laut gesungen und keinen Mund-Nasen-Schutz getragen.

Nach Angaben der Stadt Frankfurt sind inzwischen mehr als 200 Menschen aus dem Umfeld der Baptistengemeinde infiziert. Eine Person befindet sich auf der Intensivstation.

Die meisten Bundesländer haben keine verbindlichen Regelungen zum Gesang im Gottesdienst. Bremen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Sachsen empfehlen, auf Gemeindegesang zu verzichten. Auf Nachfrage teilt das Sozialministerium Sachsen allerdings mit, dass die Empfehlung keinen verbindlichen Charakter habe und es bei Verstößen kein Bußgeld gebe. Lediglich Schleswig-Holstein verbietet das gemeinsame Singen im Gottesdienst.

Damit überlassen fast alle Bundesländer den Religionsgemeinschaften, wie sie es mit dem Singen im Gottesdienst halten. Eine Umfrage von WDR und NDR unter 58 Kirchorganisationen in Deutschland zeigt, dass das Singen im Gottesdienst bundesweit in einem Drittel der Kirchen möglich ist, wenn auch "in reduzierter Form", wie es heißt.

Gottesdienste zu Pfingsten: Gesang in einigen Kirchen möglich
tagesschau 14:10 Uhr, 31.05.2020, Siegrid von Fintel, BR

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Mehrheit gegen jeden Gesang

Auf die Anfrage gaben alle 27 katholischen Bistümer, alle 20 evangelischen Landeskirchen sowie elf Dachverbände von orthodoxen, anglikanischen und Freikirchen eine Antwort. In 35 davon ist der Gesang der Gemeinde entweder nicht erlaubt oder die Kirchen empfehlen dringend, darauf zu verzichten.

In 20 Bistümern, Landeskirchen und Kirchenverbänden ist Gemeindegesang jedoch möglich, in der Regel mit Auflagen wie der Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder vergrößertem Abstand. In zwei Fällen gibt es keine Vorgaben, in einem weiteren Fall fanden bislang noch keine Gottesdienste statt.

Landeskirchen weichen von Empfehlungen der EKD ab

Die Evangelische Kirche Deutschlands hat mit ihrem Ende April veröffentlichten Eckpunktpapier zur "verantwortlichen Gestaltung von Gottesdiensten" den Rahmen für die Verhandlungen zwischen Landeskirchen und Bundesländern aufgestellt. Darin heißt es, auf Gemeindegesang solle verzichtet werden.

Die Landeskirchen in Bayern, in der Pfalz und in Sachsen haben jedoch abweichende Regeln aufgestellt: Dort ist "reduzierter Gemeindegesang" möglich - obwohl in Sachsen und Rheinland-Pfalz auch die Landesregierungen davon abraten.

Die Sprecher der Landeskirchen begründen die Abweichung mit der Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes. Die Evangelische Kirche in Bayern argumentiert, dass die Masken beim "reduzierten Singen" den "Ausstoß von Aerosolen so wirksam reduzieren, dass bei den erforderlichen Sitzabständen eine Ansteckung unwahrscheinlich ist".

Katholische Kirche weniger dogmatisch

Bei den Katholiken sind die Empfehlungen von oben lockerer: Seitens der katholischen Deutschen Bischofskonferenz heißt es, es bestehe kein Grund, auf Gesang zu verzichten, wenn die Abstandsregeln eingehalten werden - es solle nur nicht laut gesungen werden.

Ob sie tatsächlich Gemeindegesang erlauben oder nicht, entschieden die Bistümer unterschiedlich. In elf Bistümern ist Gemeindegesang in "reduzierter Form" möglich. Im Bistum Görlitz heißt es etwa: "Auf den Gesang muss nicht verzichtet werden, auch wenn es sich empfiehlt, ihn zu reduzieren." Die Gläubigen würden gebeten, ihre eigenen Gesangbücher mitzubringen.

Halleluja soll reichen

Das Bistum Mainz schreibt, es sollten lediglich "Kehrverse und der Hallelujaruf zum Evangelium angestimmt werden." Das Bistum Münster macht "den örtlich Verantwortlichen keine Vorgaben bezüglich des Gesangs in Gottesdiensten". 15 Bistümer gaben sich jedoch strengere Regeln. Sie untersagen Gemeindegesang vollständig oder empfehlen ihren Gemeinden dringend, darauf zu verzichten.

Vielfältig sind auch die Regelungen bei anderen Kirchen: Die koptisch-orthodoxe Kirche in Frankfurt hat keine Regelung zum Gesang, es gilt jedoch die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland rät, auf Gemeindegesang zu verzichten - und andernfalls die Liedtexte auf Beamerfolien anzuzeigen, statt Gesangbücher auszugeben.

Beim Singen verbreiten sich die Viren schnell

Ende April warnte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch Instituts: "Tröpfchen fliegen besonders weit beim Singen." Mehrere Fallbeispiele zeigten inzwischen, wie gefährlich das Singen in Corona-Zeiten ist. So infizierten sich in Washington, Berlin und Amsterdam jeweils große Teile der dortigen Chöre nach einer Probe mit dem Coronavirus.

Denn ähnlich wie beim Husten oder Niesen werden auch beim Singen, Schreien oder lauten Sprechen kleinste Teile aus dem Rachenraum, die das Virus enthalten können, in die Luft geschleudert. Größere Tröpfchen, wie sie etwa beim Husten abgesondert werden, fallen dabei bereits nach wenigen Minuten auf den Boden und sind dann wenig gefährlich.

Kleinste Partikel, so genannte Aerosole, können aber in geschlossenen Räumen über Stunden in der Luft bleiben und Menschen infizieren. So ist auch zu erklären, dass Chormitglieder, die mehrere Meter von einer infizierten Person entfernt standen, sich trotz Mindestabstands ansteckten.

Über dieses Thema berichtete am 31. Mai 2020 B5 aktuell um 12:10 Uhr und die tagesschau um 14:10 Uhr.

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