Der zerstörte Lkw, mit dem der Attentäter in den Berliner Weihnachtsmarkt fuhr | Bildquelle: dpa

Breitscheidplatz-Anschlag Wurden Infos unter Verschluss gehalten?

Stand: 07.05.2020 12:20 Uhr

Der Verfassungsschutz in Schwerin soll eine brisante Meldung zum Breitscheidplatz-Attentäter Amri unter Verschluss gehalten haben. Nun soll sich ein Mitarbeiter bei der Bundesanwaltschaft gemeldet haben.

Von Florian Flade, WDR

Die Aufforderung war unmissverständlich. Nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 sollten alle deutschen Sicherheitsbehörden umgehend jede noch so kleine Information, die über die Tat oder den Attentäter Anis Amri bei ihnen vorlag, an die Ermittler des Bundeskriminalamtes (BKA) liefern. Darum hatte der Generalbundesanwalt gebeten.

In den Tagen und Wochen nach Amris Attentat kam so einiges zusammen - aus Nordrhein-Westfalen und Berlin vor allem, aber auch aus Niedersachsen, aus Bayern und Hamburg. Von Staatsanwaltschaften, Polizeibehörden und Verfassungsschutzämtern. Viele tausend Seiten an Akten. 

Polizist vor dem verwüsteten Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin | Bildquelle: dpa
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Für die Ermittlungen gingen auch Unterlagen aus verschiedenen Bundesländern ein.

Wichtiges Papier wurde nicht eingereicht

Nach Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" besteht nun der Verdacht, dass ein ziemlich brisanter, bislang unbekannter Bericht zu Amri die BKA-Ermittler damals nicht erreicht hat. Es soll sich um ein Papier des Verfassungsschutzes in Mecklenburg-Vorpommern handeln.

Im Februar 2017, wenige Wochen nach dem Anschlag in Berlin, soll eine Quelle des Verfassungsschutzes einen Hinweis zum Attentäter geliefert haben. Es soll, so berichtete angeblich die V-Person, eine Verbindung zwischen Amri und einem Waffenhändler in Norddeutschland geben, der bereits in anderen Fällen Waffen für Terroristen beschafft habe.

Behördenmitarbeiter untersagte Weitergabe

Dieser Hinweis, eine sogenannte Quellenmeldung, soll beim ermittelnden BKA allerdings nie angekommen sein. Aus Sicherheitskreisen heißt es dazu, ein ranghoher Mitarbeiter der Behörde habe damals eine Weiterleitung untersagt, da die Information der V-Person als unglaubwürdig eingestuft worden sei.

Im Oktober 2019 soll sich dann überraschend ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern beim Generalbundesanwalt gemeldet und darum gebeten haben, als Zeuge befragt zu werden. Er wolle Angaben machen zu dem Bericht, der die ermittelnden Behörden offenbar nie erreicht hatte, so der Mann. 

Generalbundesanwalt untersucht die Angelegenheit

Der Generalbundesanwalt soll den Verfassungsschützer und weitere Personen inzwischen befragt haben. Außerdem soll die Karlsruher Behörde nun Akten aus Mecklenburg-Vorpommern für weitere Ermittlungen herangezogen haben. 

Eine Sprecherin des Landesinnenministeriums in Schwerin wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Sachverhalt äußern und verwies stattdessen an den Generalbundesanwalt. Auch dort teilte ein Sprecher mit, man wolle keinen Kommentar abgeben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Mai 2020 um 13:00 Uhr.

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