Zwei Männer im Anzug, von denen einer einen Aktenkoffer trägt, werfen lange Schatten. | dpa
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Digitaler Wahlkampf Stimmungsmache als Geschäftsmodell

Stand: 25.08.2021 08:44 Uhr

Für eine Million Euro bieten PR-Profis einen "fulminanten digitalen Wahlkampf" an. Solche Agenturen machen seit Jahren Profit mit Stimmungsmache. Im ARD radiofeature werden ihre Praktiken durch eine verdeckte Recherche offengelegt.

Im Superwahljahr 2021 rüsten die Parteien digital auf und investieren in den virtuellen Wahlkampf. Zunehmend mischen auch internationale PR-Profis mit und versprechen Wahlsiege durch digitale Stimmungsmache. Die polarisierenden Botschaften verbreiten sich rasant im Netz. Vor allem rechtspopulistische Parteien profitieren davon.

Experten sehen eine ernste Bedrohung für die zunehmend digitalisierte Demokratie. Tobias Schmid, Direktor der Medienanstalt NRW, sagt: "Alle freiwilligen Bemühungen, Licht in den digitalen Wahlkampf zu bringen und ihn zu regulieren, sind weitgehend gescheitert." Fachleute des Instituts für strategischen Dialog (ISD) in London meinen: "Wir sehen inzwischen viele politische Parteien, die versuchen, mit diesen dunklen Taktiken zu arbeiten." Solche dunklen Wahlkampagnen seien zu einem großen Markt angewachsen.

Kunden kommen aus Peking und Moskau

Solche PR-Agenturen haben technisches Know-how und wissen, wie man die digitalen Plattformen für politische Botschaften nutzen kann. Zu ihren Kunden sollen die chinesische Regierung gehören - oder auch enge Vertraute von Wladimir Putin. In Wahlkämpfen diffamieren sie gezielt politische Gegnerinnen und setzen darauf, die Gesellschaft zu spalten. Sie liefern ihren Auftraggebern die entsprechenden Inhalte, die dann in Kampagnen über die Netzwerke verbreitet werden.

Wie genau gehen diese PR-Agenturen vor? Was kosten solche Online-Wahlkampagnen? Und wer bezahlt sie? Der Investigativjournalist Peter Kreysler hat sich als digitaler Wahlkampfstratege ausgegeben und tiefe Einblicke in die Geschäftsmethoden der Meinungsmacher gewonnen. Seine Erkenntnisse hat er im ARD radiofeature dokumentiert.

"Frontorganisation gründen"

So wurde ihm vorgeschlagen, eine "Frontorganisation" aufzubauen, die Themen teste und unabhängig von der eigenen Partei auftreten sollte. Für knapp eine Millionen Euro versprach ihm eine Londoner PR-Agentur einen fulminanten digitalen Wahlkampf. Dabei sollte eine Software eingesetzt werden, die auch Geheimdienste nutzen, um Oppositionelle zu identifizieren.

Fachleute meinen, die Angebote der PR-Agenturen seien nicht nur leere Versprechen gewesen: Durch digitale Medien lasse sich viel Geld verdienen, indem man die öffentliche Meinung beeinflusse und Wählerstimmen generiere. Und: In Deutschland werde die Gefahr noch immer unterschätzt.

Unbekannte Geldgeber

Zuletzt sorgte eine Anzeigenkampagne gegen die Grünen für Schlagzeilen. Auftraggeber war ein AfD-naher Unternehmer, wer die Geldgeber für die Anzeigen waren, ist bislang unbekannt.

Das Erste sendet zum ARD radiofeature auch eine Story mit dem Titel "Wahlkampf undercover - Wie PR-Profis uns manipulieren" - ein Film von Gesine Enwaldt und Peter Kreysler, am Montag, den 30.08.2021 um 23.05 Uhr.