Volkswagen-Produktion in Zwickau | Bildquelle: dpa

Neues VW-Werk Beste Chancen für die Türkei

Stand: 22.07.2019 18:08 Uhr

Lange wurde spekuliert - jetzt scheint es darauf hinauszulaufen, dass das neue VW-Werk in der Türkei gebaut wird - offenbar nach Zugeständnissen aus Ankara. Saudi-Arabien und Bulgarien gehen leer aus.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

Der Standort Manisa bei Izmir sei gesetzt, heißt es aus Berliner Regierungskreisen. Volkswagen erwarte lediglich vom türkischen Staat ein Entgegenkommen bei der äußerst hohen Konsumsteuer auf Neuwagen. Diese kann bei einer Passat-Limousine abhängig von der Motorstärke bis zu 41 Prozent des Gesamtpreises ausmachen.

Die Entscheidung für die Türkei sei trotz der in Bulgarien niedrigeren Lohnkosten gefallen. Hauptargument für Manisa sei im Vergleich zu Bulgarien der türkische Markt. Wolfsburg rechnet mit einem Verkauf von etwa 40.000 Passat-Limousinen allein in der Türkei pro Jahr.

Einen erheblichen Anteil dürfte der Staat abnehmen, denn der Passat ist ein bei höheren Beamten äußerst beliebtes Auto. Neben dem Passat sollen im Werk auch Skoda- und Seat-Modelle gefertigt werden.

VW Passat
galerie

Der Passat soll zukünftig auch in der Türkei gebaut werden.

Recep Tayyip Erdogan | Bildquelle: AP
galerie

Der türkische Präsident Erdogan soll VW weitreichende Versprechungen gemacht haben.

Offenbar Zugeständnisse von der Regierung

Ein für Ankara in Deutschland arbeitender Lobbyist will erfahren haben, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ausnahmsweise bereit sei, für alle mit VW gemachten Vereinbarungen eine Art Staatsgarantie zu geben. Man sei VW bei allen Forderungen entgegengekommen, selbst bei der "außergewöhnlichen" Forderung nach einer solchen Garantie.

Die Entscheidung für Izmir ist offenbar trotz großer Bedenken der Arbeitnehmerseite gefallen. Vor allem der VW-Betriebsrat sieht die Gewährung von Arbeitnehmerrechten und die Einbindung der Arbeitnehmer bei betriebsrelevanten Fragen an einem Standort in der Türkei äußerst kritisch.

Menschenrechtsfragen zurückgestellt

Ähnlich kritisch sieht man wohl den seit Einführung des Präsidialsystems stark eingeschränkten Rechtsstaat. Carsten Müller, CDU-Bundestagsabgeordneter, bestätigt der ARD, dass die besagten Themen der Gewerkschaft und dem Betriebsrat nach wie vor größtes Kopfzerbrechen bereiten.

Doch letztendlich hat VW in verschiedenen Ländern Werke, in denen der Staat mit Menschenrechten anders umeht, als man es in Deutschland gewohnt ist - und die Justiz alles andere als unabhängig ist. Ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien sei allerdings inzwischen vom Tisch, heißt es weiterhin aus Berlin.

Prestigegewinn für die Regierung

Ende September oder Anfang Oktober sollen die Verträge unterzeichnet werden. Dann dürften im Präsidentenpalast in Ankara die Korken knallen - weniger, weil mehrere Tausend Arbeitsplätze in der von der nationalistischen MHP-Partei regierten Stadt Manisa entstehen. Die MHP koaliert im Parlament mit der Erdogan-Partei AKP.

Es geht vielmehr um einen Prestigegewinn, nachdem deutsche Unternehmen in den letzten Jahren von größeren Investitionen in der Türkei abgesehen haben. Die Bundesregierung und der im VW-Aufsichtsrat sitzende niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), sehen den Standort Manisa unkritisch.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen am 12. April 2019 um 13:30 Uhr.

Darstellung: