Polizeibeamte stehen vor dem Hauptsitz des Vereins Ansaar International. (Archivbild) | dpa
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Verdacht der Terror-Unterstützung Ansaar International verboten

Stand: 05.05.2021 06:41 Uhr

Die Vereinigung Ansaar International mit Sitz in Düsseldorf steht im Verdacht, mit Spendengeld terroristische Gruppierungen zu unterstützen - etwa in Syrien. Nun verbietet Bundesinnenminister Seehofer das Netzwerk.

Von Eric Beres und Ahmet Senyurt, SWR

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die Vereinigungen Ansaar International und seine Teilorganisationen verboten. Nach SWR-Informationen durchsuchen Beamtinnen und Beamte Wohnungen und Garagen in zehn Bundesländern, mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen.

Zu den Vereinen, die nun verboten werden, gehören neben Ansaar International neun weitere Organisationen, die das Bundesinnenministerium als deren Teilorganisationen ansieht - etwa das Somalische Komitee Information und Beratung im hessischen Darmstadt oder eine Stiftung des ehemaligen Fußballprofis Änis Ben-Hatira in Berlin.

Nach eigenen Angaben war die 2012 gegründete Organisation Ansaar International zuletzt in fast 50 Staaten tätig, baute Waisendörfer und Brunnen, aber auch Koranschulen und Moscheen. Allein im Jahr 2018 will der Verein bis zu zehn Millionen Euro eingenommen haben. Auf der Plattform YouTube veranstaltete Ansaar International noch am Sonntag eine Online-Versteigerung, um Geld für Projekte in Syrien zu akquirieren - nicht ohne den Hinweis, dass muslimische Gelehrte Spenden für dieses Gebiet als "Pflichtspenden" bezeichnen.

Religiöser Charakter ist unverkennbar

Der religiöse Charakter von Ansaar International ist unverkennbar. In einem dem Verein zugerechneten "Ummah-Shop" gibt es religiöse Kleidung zu kaufen. Tatsächlich sehen Verfassungsschutzbehörden in der Organisation "extremistisch-salafistische Bestrebungen", was sich etwa in personellen Überschneidungen mit dem bereits 2016 verbotenen salafistischem Netzwerk "Die Wahre Religion/Lies!" zeige. Mit einer Klage gegen ihre Erwähnung im nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzbericht scheiterte Ansaar International 2019 vor Gericht.

Nach SWR-Informationen schreibt das Bundesinnenministerium nun in der Verbotsverfügung, Ansaar International verstoße durch "Missionierungsaktivitäten gegen die verfassungsmäßige Ordnung". Aus Deutschland sollen demnach Kinder in Einrichtungen der Organisation geschickt werden, um "salafistisch-extremistische Inhalte" zu verinnerlichen.

Verdacht der Terrorismusunterstützung

Noch schwerer wiegt allerdings etwas anderes: Das Ministerium sieht den Verdacht bestätigt, dass die Organisation eingesammelte Spenden auch zur Unterstützung von Terrororganisationen nutzt. Die Rede ist von der Jabhat al-Nusra, die in Syrien operiert und inzwischen in der Organisation Hayat Tahrir al-Shaam aufgegangen ist. Zudem geht es um die Hamas (Gaza-Streifen) und Al-Schabab (Somalia).

Teils gebe es direkte Geldflüsse, teils Finanzierung von Projekten im Umfeld dieser Organisationen. Damit könnten die Terrororganisationen Aktivisten rekrutieren und ihre Macht absichern. Indem Ansaar International diese Geldflüsse gegenüber Spendern verschleiert habe, gehe es in dem Fall zudem um Betrug und Urkundenfälschung, heißt es.

Verein wies Vorwürfe zurück

Bereits im April 2019 hatte Seehofer ein vereinsrechtliches Verfahren gegen Ansaar International eingeleitet - begleitet von bundesweiten Razzien, bei denen umfangreiches Material sichergestellt worden war. Der Gründer von Ansaar International, Joel K., hat die Vorwürfe bisher stets bestritten.

In einem im Januar vergangenen Jahres erschienenen Interview mit dem "Nordkurier" sagte er, eine Hilfeleistung in einem von einer dschihadistischen Gruppierung kontrollierten Gebiet sei nicht ohne die Zustimmung und das Einvernehmen der örtlichen Machthaber möglich. Vereinnahmungsversuche habe man aber abgewehrt. Man distanziere sich von Extremismus und Radikalismus und lehne jede Form von Gewalt ab.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Mai 2021 um 09:00 Uhr.