Studenten sitzen in einem Hörsaal der Universität Tübingen. | dpa
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Sperrkonten ausländischer Studenten BaFin geht gegen Hamburger Dienstleister vor

Stand: 14.07.2021 20:15 Uhr

Studierende aus dem Ausland müssen in Deutschland sogenannte Sperrkonten eröffnen, von denen sie monatlich Geld erhalten. Doch bei einer Hamburger Firma blieben die Zahlungen aus. Nun reagiert die Finanzaufsicht.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nimmt die Hamburger Firma BAM (Bundesweites Anlagenmanagement) ins Visier. Der private Dienstleister darf keine sogenannten Sperrkonten für Studierende aus dem Ausland mehr betreiben. Recherchen des SWR ergaben, dass etwa 100 Betroffene teils seit Monaten keine Überweisungen mehr von den von ihnen eröffneten Sperrkonten erhalten.

Solche Sperrkonten müssen ausländische Studierende obligatorisch einrichten, bevor sie ein Visum für ein Studium in Deutschland beantragen. Laut Auswärtigem Amt dient dies dazu, die Kosten während des Aufenthalts in Deutschland zu decken. Die Studierenden müssen im Voraus mindestens 10.332 Euro auf ein solches Sperrkonto einzahlen. Pro Monat können davon maximal 861 Euro auf das jeweilige Girokonto des Studierenden überwiesen werden.

Geld auf eigenem Konto "vereinnahmt"

Die BAM war 2020 in Berlin gegründet worden. Seitens der BaFin werden dem Unternehmen nun "unerlaubt betriebene Einlagengeschäfte" vorgeworfen. Der Dienstleister habe die Sperrkonten nicht zugunsten der jeweiligen Studierenden und auf deren Namen eröffnet, sondern das Geld auf einem eigenen Konto "vereinnahmt". Nach SWR-Information soll es insgesamt um einen Betrag im unteren einstelligen Millionenbereich gehen.

Damit, so die BaFin, habe die BAM ein Einlagengeschäft ohne erforderliche Genehmigung betrieben. Auf ihrer Internetseite teilte die Finanzaufsichtsbehörde mit, sie habe die unverzügliche Abwicklung der Geschäfte der BAM angeordnet.

Mehr als 100 Betroffene

Dem SWR liegt eine von Studierenden erstellte private Liste mutmaßlich Betroffener aus unterschiedlichen Ländern vor. Demnach geht es um rund 110 Betroffene und insgesamt mindestens 850.000 Euro, die angeblich auf Sperrkonten liegen.

Der 26-jährige iranische Student Farid Azarkam, der im bayerischen Hof Logistik studiert, berichtete dem SWR, er habe vor drei Monaten ein Sperrkonto bei BAM eingerichtet und 10.500 Euro eingezahlt. Er legte dazu dem SWR eine "Sperrkontenbestätigung" der Firma vom 7. April 2021 vor.

Seitdem habe er keine monatliche Überweisung erhalten, erzählt er. Er brauche dieses Geld jedoch dringend, um seine Miete und Krankenkassenbeiträge zu zahlen. Er habe sich bereits bei Freunden Geld leihen müssen. "Mein Vater und ich haben uns das Geld über vier Jahre zusammengespart. Jetzt kann mein Vater mir auch nicht weiteres Geld überweisen, zumal dies vom Iran aus sehr schwierig ist", sagte Azarkam dem SWR. Sämtliche Nachfragen bei BAM seien ins Leere gelaufen. Dem SWR legte er dazu entsprechende E-Mails vor.

Firmen-Website nicht erreichbar

Die Firma BAM hatte zuletzt auf ihrer Website damit geworben, "eine Strategie, die perfekt zu jedem Studenten passt", anzubieten. Man sei auf der Website des Auswärtigen Amts als einer der "offiziell akzeptierten" Anbieter für Sperrkonten - "blocked accounts" - gelistet. Demnach verlangte die Firma für die Eröffnung des Sperrkontos eine Gebühr von 60 Euro.

Laut Website bot sie auch die Vermittlung von Krankenversicherungen und Unterkünften an. Inzwischen heißt es auf deren Website, diese sei "unerreichbar". Wer an eine dort angegebene E-Mail-Adresse schreibt, erhält die Auskunft, es gebe "technische Probleme". Verwiesen wird auf die Aareal Bank in Wiesbaden, wo BAM die Konten der Studierenden führt.

Auf SWR-Anfrage bestätigte die Aareal Bank, dass sich Studierende an die Bank gewandt hätten, da sie nach eigenen Angaben seit Anfang Juli keine Auszahlungen von Sperrkonten der BAM erhalten hätten. Die Bank selbst dürfe keine Überweisungen an die Studierenden tätigen. Zuständige Behörden würden unter Einbeziehung der Bank allerdings nach einer Lösung suchen. Es seien bereits "Maßnahmen zur Sicherung der Treuhandgelder durchgeführt" worden. Das bestätigte auch die BaFin. Wann die Studierenden ihr Geld zurückerhalten, bleibt aber vorerst offen.

Auswärtiges Amt entfernte BAM von der Website

Die Staatsanwaltschaft Hamburg teilte dem SWR auf Anfrage mit, es seien bei der Polizei "einige Strafanzeigen" zu dem Vorgang eingegangen, die dort noch in Bearbeitung seien. Das Auswärtige Amt sagte dem SWR, die Listung der Fima BAM auf der Website des Auswärtigen Amts sei "keine Empfehlung" und nicht mit einem bankenrechtlichen Prüfverfahren verbunden gewesen. Der Hinweis auf die Firma BAM sei am 7. Juli entfernt worden, "da dieser vorerst die Eröffnung weiterer Sperrkonten nicht anbietet."

Die Firma BAM reagierte auf eine E-Mail-Anfrage nicht und war auch telefonisch nicht erreichbar. In einer dem SWR vorliegenden aktuellen E-Mail des Kundenservice an Studierende schreibt die Firma, man habe "technische Schwierigkeiten mit der Bank". Dort hinterlegtes Geld könne derzeit nicht bewegt werden. Man arbeite an einer Lösung für das Problem.

Mit Informationen von Eric Beres, SWR
Eric Beres