Arztassistentinnen sitzen in der Corona-Notaufnahme des Städtischen Klinikum Dresden im Empfangsbereich vor einem Computerbildschirm | Bildquelle: dpa

Wiederverwendung von Schutzmasken RKI-Empfehlungen sorgen für Protest

Stand: 25.03.2020 09:34 Uhr

Pflegekräfte schlagen Alarm: Sie fühlen sich in Zeiten des Coronavirus nicht gut genug geschützt, vor allem Masken fehlen. Für Widerspruch sorgt eine Empfehlung des RKI, Masken mehrfach zu verwenden.

Von Edgar Verheyen, SWR

Arbeiten in Kliniken, das geht für das medizinische Personal nur mit der richtigen Schutzausrüstung. Mund-Nasen-Schutz, um nicht Bakterien und Viren zu übertragen, das ist Standard in Deutschlands Operationssälen. Und Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, sollten sich Pfleger und Ärzte nur mit sogenannten FFP2- oder FFP3-Masken nähern. Diese Masken sind mit einem Filtersystem ausgerüstet. Sie werden zudem mit einem Kunststoffschutzschild versehen und bieten dem medizinischen Personal zuverlässigen Schutz vor Viren und Bakterien. Bei diesen Masken handelt es sich um einmal zu verwendende Artikel, die nach Gebrauch sofort zu entsorgen sind.

Eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts zum Einsatz von Schutz- und den speziellen Masken mit Filtersystem sorgt daher in diesen Tagen für große Irritationen an den Kliniken. Darin ist davon die Rede, Masken ressourcenschonend einzusetzen und davon, Masken wiederzuverwenden, wenn es zu Lieferengpässen kommen sollte.

"Es macht mich wütend"

Diese Mitteilung stößt jetzt auf harte Kritik von Pflegekräften in den Kliniken: Pflegekräfte aus mehreren Bundesländern haben gegenüber dem SWR ihrer Empörung Ausdruck verliehen.

Wörtlich sagten die Pflegekräfte, deren Identität, dem SWR bekannt ist: "Es macht mich wütend. Es wird jetzt von uns erwartet, dass wir im Zweifelsfall in diese kontaminierten Bereiche reingehen, und im Zweifelsfall mein eigenes Leben gefährde. Dazu kann ich nur sagen, ein Feuerwehrmann wird niemals in ein brennendes Haus gehen ohne Schutzkleidung. Von uns wird es aber erwartet."

"Diese Empfehlung widerspricht total den Hygiene-Empfehlungen. Da geht es um Schutzmaßnahmen in Isolierbereichen, da ist nichts von Wiederverwendbarkeit von Masken und Kompromissen, wie man sie jetzt hier macht. So wird man doch Keime von Corona-Patienten auf Nicht-Corona-Patienten verschleppen."

"Ein Schlag ins Gesicht"

Andere Pflegekräfte auch aus dem Intensivpflegebereich haben sich inzwischen in einer geschlossenen Facebook-Gruppe organisiert. Dort schreibt zum Beispiel eine Krankenschwester aus Berlin: "Die wenigen Masken und Desinfektionsmittel, die wir hatten, wurden geklaut. Es fehlt teilweise auch schon an anderem Material wie z.B. Spritzen. Sie weisen uns an, die Masken den ganzen Dienst zu tragen (es ist Einmalmaterial), außerdem genüge FFP-2 anstatt FFP-3. Ich habe Kollegen, die haben keine Masken für die Betreuung offener TBC. Wenn man sich anschaut, wie die anderen Länder ihr Personal schützen, erscheint dies wie ein Schlag ins Gesicht."

Schutzmasken könnten bald knapp werden

Ist der Aufschrei des Pflegepersonals eine hysterische Reaktion oder eine ernstzunehmende Sorge? Der SWR hat deshalb mit dem Kieler Sachverständigen für das Gesundheitswesen, Christian Kühn, gesprochen. Auch er sieht eine Wiederverwendung solcher Spezialmasken gerade in kontaminierten Klinikbereichen kritisch.

"Wenn wir diese Masken ständig weiterverwenden, dann bieten sie natürlich keinen Schutz mehr. Und das ist nicht Sinn und Zweck dieser Geschichte", sagt er. Man dürfe dabei nicht vergessen: Wenn die Kliniken nichts mehr hätten, dann sei das auf jeden Fall besser als nichts. "Aber man kann nicht sicher sein, dass man wirklich einen Schutz hat, wenn man diese Maske trägt", warnt Kühn.

Aus dem Bereich der Landeskrankenhausgesellschaften hat der SWR inzwischen erfahren, dass in den kommenden Wochen diese Schutzmasken knapp werden. Das Robert-Koch-Institut hat auf Nachfrage darauf hingewiesen, dass es sich nur um eine Empfehlung handele und diese natürlich nicht den Operationsbereich umfasse.

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