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Hyperfund Bürgermeister wirbt für dubioses Anlagemodell

Stand: 23.11.2021 11:34 Uhr

Ein Bürgermeister aus Rheinland-Pfalz ist in ein dubioses Anlagesystem verwickelt. Er wirbt SR-Recherchen zufolge für Geschäfte mit Kryptowährungen und stellt bis zu 200 Prozent Rendite in Aussicht. Verbraucherschützer halten das für unseriös.

Von Linda Grotholt, Caroline Uhl, Niklas Resch, Volker Roth, SR

Geld einzahlen, zurücklehnen und in nicht einmal zwei Jahren bis zu 200 Prozent Rendite erzielen. Das verspricht das Anlagesystem Hyperfund. In einem Werbevideo heißt es: "Damit ist es möglich, vielleicht doch das etwas teurere Auto zu finanzieren", eine größere Reise oder "sogar das eigene Traumhaus". Dafür einfach Geld in eine Kryptowährung umtauschen und bei Hyperfund einzahlen und jeden Tag einen Teil zurückerhalten bis das Dreifache der Einzahlung erreicht ist.

Zustande kommt die Rendite laut Betreibern durch ein Unternehmen aus Australien, das hinter Hyperfund steht. Dieses soll das Geld der Anleger in zahlreiche Start-Ups aus der Krypto-Branche stecken. Das ist schon alles, was die Anleger, die "HyperCommunity", über den Verbleib ihres Geldes erfahren.

Wie seriös ist Hyperfund?

Wer Familie und Freunde dazu bringt, Geld in Hyperfund zu stecken, bekomme seine Rendite noch schneller, so das Versprechen. SR-Recherchen ergeben jedoch: Es bestehen große Zweifel an der Seriosität von Hyperfund. Unter anderem ist unklar, wo genau das Geld für die hohen Renditen herkommt. Es steht sogar der Verdacht im Raum, dass es sich um ein illegales Schneeballsystem handeln könnte. In diesem Fall käme die Rendite nur aus den Einzahlungen der neuen Mitglieder. Wenn Anleger mehr Geld herausholen wollten, als neues eingezahlt wird, würde das System zusammenbrechen.  

Für die Recherche haben sich SR-Reporterinnen und -Reporter unter anderem Namen angemeldet, um nicht aufzufallen. In Webinaren hieß es, dass es weltweit bis zu eine Million Hyperfund-Mitglieder geben soll und dass Menschen aus ganz Deutschland investieren, wie viele genau, blieb aber unklar.

Die SR-Reporterinnen und Reporter chatten und telefonieren mit Investoren, die Hyperfund als klassisches Risikoinvestment sehen. Aber auch mit solchen, die das Geld schon fest verplant haben, wie etwa Heike* (Name geändert), die nach eigener Aussage kein Krypto-Profi ist. "Dank Hyperfund können wir nächstes Jahr endlich unseren großen Traum einer Weltreise als fünfköpfige Familie starten", schreibt sie. Testweise habe sie sich am Anfang ein paar Mal 50 Dollar in echtem Geld auszahlen lassen. Weil das klappte, habe sie seit Juni rund 12.000 Euro bei Hyperfund eingezahlt.

Pfälzer Ortsbürgermeister wirbt in Seminaren

Die Recherchen führen zu einem deutschen Top-Anwerber und Webinar-Dozent für Hyperfund mit einem öffentlichen Amt. Er ist seit 2019 Ortsbürgermeister einer rheinland-pfälzischen 1500-Einwohner-Gemeinde im Kreis Kaiserslautern. Es stellt sich die Frage: Vermischt er sein Amt mit den Werbetätigkeiten für ein undurchsichtiges Anlagemodell?

Auf einer Facebook-Seite wirbt der Ortsbürgermeister in einem Video für seine Webinare. Er spricht sein Amt zwar nicht an. Im Titel steht jedoch sein Name, seine Gemeinde und sein Amt. Im Text heißt es: "Vertraust du einem Bürgermeister?"

Seine Anwältin teilt auf SR-Anfrage mit, ihr Mandant werbe nicht als Bürgermeister für Hyperfund. Die Seite werde nicht von ihm selbst betrieben. Er habe das Video nur bekannten Partnern zur Verfügung gestellt und angeblich auch nichts von der Beschriftung gewusst. Das Video war so schon fast ein halbes Jahr online und einer der ersten Suchmaschinen-Treffer bei der Suche nach seinem Namen und Hyperfund. Im Zuge der Berichterstattung wurde es nun gelöscht.

"Du warst eine Vertrauensperson, bist der Bürgermeister"

In den Webinaren erzählt eine Frau, dass sie zunächst nicht in Hyperfund investiert habe. Nach einem Telefonat mit dem Ortsbürgermeister sei ihr das System dann aber logisch und plausibel erschienen. Wörtlich sagt sie: "Du warst eine Vertrauensperson, bist der Bürgermeister. Ja, und dann habe ich gesagt, okay, alles, was ich habe: rein!"

Wie er zu Hyperfund gekommen ist, woher er seine Informationen bezieht und ob er für die Webinare bezahlt wird - auf diese und weitere Fragen gab er auf Anfrage keine Antwort.

Verbraucherschützer rät von Investition ab

Finanzexperte Thomas Beutler von der Verbraucherzentrale Saarland hat sich einige Webinare angeschaut. Aus seiner Sicht bleibt vieles unklar, etwa, wie sich das eingezahlte Kapital verdoppeln bis verdreifachen soll. Schon allein der Vertrag, den Investoren mit Hyperfund abschließen, sei höchstproblematisch. Denn da steht drin, dass es keine Rückzahlungsverpflichtung gibt. Die Frage sei, so Beutler: "Würde ich jemandem Geld geben, der zu mir sagt: Ich gebe es dir vielleicht zurück. Würde ich ja normalerweise nicht tun."

Außerdem schließe man den Vertrag mit einer australischen Firma, die keine Vertretung in Deutschland habe. Das allein sei "schon problematisch für mich als deutscher Anleger", betont Beutler.

Anwälte halten Hyperfund für unseriös

Das sieht auch der Saarbrücker Fachanwalt für Kapitalmarktrecht, Michael Strauß, so. Der weitgehende Haftungsausschluss bei Hyperfund entspreche "so nicht dem deutschen Recht". Außerdem ist aus seiner Sicht unklar, wie Hyperfund die Erträge erwirtschaftet, aus denen die Rendite gezahlt wird. In die gleiche Kerbe schlägt der Münchner Anwalt Patrick Wilson. Hyperfund liste zwar verschiedene Geschäftsmodelle auf, liefere aber keine belastbaren Informationen. Teilweise gebe es nicht einmal eine Webseite. Wer schon investiert hat, sollte möglichst viel Geld aus der Anlage herauszuziehen, so Wilsons Einschätzung. Laut Vertragsunterlagen stehe das den Investoren zu. Denn für Wilson ist klar, "dass dieses System irgendwann zusammenbrechen muss".

Seit kurzem ermittelt die deutsche Finanzaufsicht BaFin. Auch in Ländern wie Großbritannien oder Neuseeland gibt es entsprechende Warnungen der Aufsichtsbehörden. Hyperfund und das dahinterstehende australische Unternehmen äußerten sich auf SR-Anfrage nicht. Verbraucherschützer Beutler erstattete nun Strafanzeige gegen Unbekannt. Der Verdacht: illegales Schneeballsystem. Aus seiner Sicht besteht die Gefahr, dass Investoren ihr gesamtes Geld verlieren könnten.

Über dieses Thema berichtet SR3 am 28. November 2021 um 12:30 Uhr.