Apartheid

Einflussnahme aus Südafrika Bezahlter Urlaub im Land der Apartheid

Stand: 07.05.2019 05:04 Uhr

Propaganda zur Sicherung der "weißen Vorherrschaft": Bisher unbekannte Dokumente belegen, wie das südafrikanische Regime in den 1970er- und 1980er-Jahren hochrangige deutsche Politiker und Journalisten instrumentalisierte.

Von Monika Anthes und Marcel Kolvenbach, SWR

Das südafrikanische Regime hat in den 1970er- und 1980er-Jahren systematisch deutsche Journalisten und Politiker beeinflusst. Das belegen als geheim oder vertraulich eingestufte Dokumente. In den Akten enthalten sind Briefe und Fernschreiben, aber auch Strategiepapiere, Lageberichte und handschriftliche Notizen. Sie stammen aus dem Informationsministerium in Pretoria und aus dem Nachlass der PR-Agentur Hennenhofer aus Königstein im Taunus.

Der Historiker Andreas Kahrs von der Humboldt-Universität Berlin entdeckte diese Dokumente im Rahmen einer Forschungsarbeit und wertete sie über Jahre systematisch aus. Im Interview mit Report Mainz erklärt er, es sei vorher nicht bekannt gewesen, wie intensiv das Apartheid-Regime auf die deutsche Öffentlichkeit eingewirkt habe. Durch diese Propagandastrategie wollte das Regime "die weiße Vorherrschaft auf Dauer sichern".

Männer werfen Steine | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Jahrzehntelang kämpfte die schwarze Bevölkerung Südafrikas gegen die Unterdrückung.

Im Dienst der südafrikanischen Propaganda 

Im Jahr 1975 entwickelte die Agentur Hennenhofer "streng vertraulich" ein PR-Konzept für das Apartheid-Regime. Darin schreibt der Agenturgründer Gerd Hennenhofer, er sei der "grundsätzlichen Überzeugung", dass es zur "Politik der getrennten Entwicklung", also der Apartheid, "keine Alternative" gebe. Davon sollten durch PR-Maßnahmen auch Meinungsführer in Politik und Medien überzeugt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, organisierte die Firma sogenannte "Informationsreisen" nach Südafrika. Im Zeitraum zwischen 1976 und 1986 reisten über 100 Journalisten und Politiker auf Einladung der Agentur ans Kap - Luxussafari und Flüge in der ersten Klasse oftmals inklusive. Die Reisen im Wert von jeweils rund 12.500 DM pro Person wurden vom Regime bezahlt.

Pieter W. Botha
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Pieter W. Botha war von 1984 - 1989 südafrikanischer Staatspräsident - ein strikter Vertreter der Apartheid.

Hennenhofer verstarb bereits Mitte der 1980er-Jahre. Ein früherer Mitarbeiter von ihm verteidigt gegenüber Report Mainz die Arbeit der Agentur bis heute: Sie hätten nur eine Dialogplattform geschaffen. Die Unterlagen zeigen jedoch, dass das Regime durch diese Maßnahmen drohende Sanktionen und die politische Isolation von Südafrika wegen der Apartheid verhindern wollte. Nach Einschätzung des Historikers Kahrs war diese Strategie in zahlreichen Fällen erfolgreich.

Regime schreibt an Unionspapier mit

So habe das Regime zum Beispiel an einem Grundsatzpapier der CDU/CSU-Fraktion zu Südafrika mitgewirkt. Das legt ein geheimer Brief eines Mitarbeiters der südafrikanischen Botschaft in Bonn an das Informationsministerium in Pretoria nahe. Er informiert darin Pretoria über eine "große Afrika-Debatte im Bundestag" im Herbst 1977. Ein Abgeordneter der CDU/CSU-Fraktion habe ihm den Entwurf für ein Grundsatzpapier zur Korrektur übergeben.

Im Brief heißt es: "Er gab mir das Dokument mit der Bitte, es durchzusehen und etwaige angebrachte Kritik zu üben, und ich solle andeuten, wo nach meiner Meinung die Formulierung abgeändert oder verbessert werden könne." Des Weiteren erklärt der Verfasser, man müsse mit der Kritik vorsichtig sein, um vor den anderen Parteien den Eindruck zu verschleiern, "dass die circa 16 CDU/CSU Mitglieder, die dieses Jahr schon in Südafrika waren, zu sehr zu unseren Ansichten neigen".

Ein ZDF-Journalist als "Premiumpartner"

In den Akten finden sich Hinweise, dass unter anderem Journalisten von ARD und ZDF, aber auch von überregionalen Zeitungen wie "Die Welt" sich nach solchen Reisen im Sinne des Regimes geäußert haben sollen. Prominentester Fürsprecher der Regierung in Pretoria war Anfang der 1980er-Jahre der ZDF-Journalist Gerhard Löwenthal. Zu ihm fand Kahrs in Pretoria eine eigene Geheimakte.

Report Mainz: Geheimdokumente zu Südafrika-Reisen
Monika Anthes, SWR
07.05.2019 07:20 Uhr

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Löwenthal sei, so Kahrs, für die südafrikanischen Propagandainstitutionen "eine Art Premiumpartner" gewesen. Er wurde vom Apartheid-Regime als "Staatsgast" behandelt. Alle Reisekosten für Dreharbeiten in Südafrika wurden vom Regime bezahlt. So nutzte das Regime Löwenthals Berichte im "ZDF Magazin" im Mai und Juni 1984 gezielt für eine positive Berichterstattung im Umfeld des umstrittenen Treffens von Premierminister Pieter Botha mit Bundeskanzler Helmut Kohl in Bonn.

Auf die Frage, ob dem ZDF dieser Vorgang bekannt sei und wie der Sender diesen aus heutiger Sicht bewertet, erklärt das ZDF, man könne dazu keine Angaben machen. Es seien 30 Jahre vergangen, alle Programmverantwortlichen zwischenzeitlich verstorben.

ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal in den 1970er-Jahren | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Löwenthal leitete und moderierte von 1969 bis 1987 das ZDF-Magazin.

Loyaler Chefredakteur in der ARD

1984 reiste auch Hans Gresmann, der ehemalige Chefredakteur des Südwestfunk (SWF) - einem Vorläufer des SWR - auf Einladung der Firma Hennenhofer nach Südafrika. Auch er soll sich nach der Reise dem Regime gegenüber loyal verhalten haben. In einem streng vertraulichen Bericht an das Außenministerium erklärt Hennenhofer, der SWF-Chefredakteur habe sich in den täglichen Telefonkonferenzen der ARD-Anstalten erfolgreich gegen kritische Kommentare zu Südafrika eingesetzt.

Der SWR erklärt auf Nachfrage von Report Mainz, man habe keine Kenntnis von Kontakten des ehemaligen Chefredakteurs zur PR-Agentur Hennenhofer. Weiter heißt es: "Da der Vorgang mehr als 30 Jahre zurückliegt, es keine weiteren Dokumente gibt und die damaligen Programmverantwortlichen entweder verstorben beziehungsweise nicht mehr im Haus sind, können wir dazu keine weiteren Angaben machen."

Mandela 1994
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1994 wurde Nelson Mandela (Mitte) zum Präsidenten von Südafrika gewählt.

Vor 25 Jahren, im Mai 1994, feierte der Freiheitskämpfer Nelson Mandela seinen Wahlsieg und damit das Ende der Apartheid in Südafrika. Zwei Jahre später wurde der Friedensnobelpreisträger im Deutschen Bundestag frenetisch empfangen. Seither ist in Vergessenheit geraten, dass Deutschland sich über Jahrzehnte weigerte, Sanktionen gegen das Regime zu verhängen und die Opposition im Kampf gegen die Apartheid zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 07. Mai 2019 im "Report Mainz" um 21:45 Uhr.

Report Mainz
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