Debatte über Sterbehilfe | Bildquelle: Dierk Kruse

Repräsentative Umfrage Mehrheit befürwortet ärztliche Sterbehilfe

Stand: 25.02.2020 06:00 Uhr

Die Mehrheit der Deutschen findet, dass Ärzte straffrei bleiben sollen, wenn sie Schwerstkranke beim Suizid unterstützen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage von infratest dimap im Auftrag von Report Mainz hervor.

Von Ulrich Neumann, SWR

Die Zustimmung der Deutschen zur Sterbehilfe durch Ärzte ist hoch: Mehr als zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) lehnen den geltenden Strafrechtsparagrafen 217 ab. Dieser sieht u.a. Strafen von bis zu drei Jahren Haft vor, wenn Ärzte Patienten wiederholt bei der Selbsttötung helfen.

Bundesverfassungsgericht entscheidet am Mittwoch

Über diesen Paragrafen 217 StGB entscheidet am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht. Das 2015 vom Bundestag beschlossene und schon damals umstrittene Gesetz verbietet die sogenannte geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung. Vor allem Ärzten ist es danach untersagt, wiederholt schwerstkranken Patienten tödlich wirkende Medikamente zur Verfügung zu stellen.

Gegen den Strafrechtsparagrafen haben unter anderem Patienten, Ärzte und Sterbehilfeorganisationen geklagt. Er verletze das verfassungsmäßig garantierte Selbstbestimmungsrecht von Menschen, so das Kernargument der Kläger.

Sterbehilfe: BVG verhandelt über Verbot organisierter Sterbehilfe
16.04.2019

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Die Umfrage von Report Mainz ergab außerdem: Über vier Fünftel der Bevölkerung, nämlich 81 Prozent, befürworten ausdrücklich, dass es Ärzten erlaubt sein sollte, Schwerstkranke beim Suizid zu unterstützen. Das ist eine deutliche Zunahme gegenüber einer früheren Befragung: 2012 hatten dieselbe Frage nur 76 Prozent bejaht.

Negative Auswirkungen des Strafrechtsparagrafen

Der international angesehene deutsche Palliativmediziner Ralf Jox sieht negative Auswirkungen dieses Strafrechtsparagrafen. Im Interview mit Report Mainz sagte der am Universitätsspital Lausanne tätige Experte: "Die Patienten mit ihren Sterbewünschen sind ja nicht weg, sondern sie wurden teilweise in die Schweiz gedrängt. Wir sehen hier, dass die Zahlen des Suizidtourismus ansteigen. Und für Ärzte gibt es eine enorme Verunsicherung, eine Angst vor Rechtsfolgen. Das heißt, selbst Palliativärzte trauen sich jetzt nicht mehr das Thema anzusprechen. Patienten trauen sich nicht mehr, von sich aus Ärzte zu fragen. Es herrscht hier ein Tabu."

Der vermeintliche Dammbruch

Ein wesentliches Argument für diesen Strafrechtsparagrafen war, institutionell organisierte Sterbehilfe zu verhindern. Ein weiteres Argument war der im Bundestag 2015 vielfach beschworene Dammbruch. Darunter wird eine befürchtete Welle von Suiziden Schwerstkanker verstanden, die keinem zur Last fallen wollen oder von Angehörigen sogar in den Tod gedrängt werden könnten. Doch ist das Argument vom Dammbruch stichhaltig?

Das Gesetz von Oregon

Im US-Staat Oregon gibt es seit 1998 ein Gesetz namens "Oregon Death With Dignity Act" - ein Gesetz zum Tod in Würde. Das sieht vor: Wer volljährig und urteilsfähig ist und an einer unheilbaren Erkrankung leidet, die von zwei Ärzten bescheinigt wird, kann ein tödlich wirkendes Medikament ärztlicherseits verschrieben bekommen. Die Gesundheitsbehörde kontrolliert die strikte Einhaltung des Gesetzes seit mehr als 20 Jahren. Die Bilanz: Es gibt keinen Dammbruch. Von 1000 Todesfällen, gemittelt über die vergangenen 20 Jahre, starben durchschnittlich zwei Schwersterkrankte durch selbstbestimmten Suizid.

Oregon - ein Modell für Deutschland?

Insgesamt haben inzwischen zehn US-Staaten eine vergleichbare Regelung wie die von Oregon, unter anderem auch der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien. Diese Regelungen habe sich laut Experte Jox "als tragbar erwiesen. Auch die Ärzte akzeptieren diese Regelung dort. Und ich denke, es wäre ein Modell für Deutschland, insbesondere weil es strenge Kriterien vorsieht."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Juli 2019 um 17:00 Uhr.

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