Geldscheine (Screenshot Report Mainz)

Finanzaufsicht warnt Niedrigzins gefährdet Pensionskassen

Stand: 03.12.2019 14:57 Uhr

Die anhaltend niedrigen Zinsen gefährden laut Report Mainz das Geschäftsmodell der Pensionskassen. Viele Versicherte müssen bereits Leistungskürzungen hinnehmen, Kriminelle nutzen die Angst vor Altersarmut aus.

Von Claudia Butter, Donna Doerbeck und Marius Meyer, SWR

Frank Grund(Screenshot Report Mainz)
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BaFin-Experte Grund ist besorgt über die Effekte, die die anhaltenden Niedrigzinsen auf die Pensionskassen haben.

31 Pensionskassen stehen aktuell unter "intensivierter Aufsicht" der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). "Pensionskassen sind durch die aktuelle Niedrigzinsphase besonders betroffen", sagte Dr. Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht der BaFin, im Interview mit dem ARD-Politikmagazin Report Mainz. Es müsse jedem klar sein, dass ihr Geschäftsmodell in Gefahr sei, wenn sich die Zinsen weiter auf diesem Niveau bewegen. "Wir beobachten die Situation mit Sorge."

Massive Kürzungen bei Mehrheit der Versicherten

Bei drei Pensionskassen habe man in den vergangenen Monaten bereits Leistungskürzungen gesehen. Eine davon ist die Pensionskasse der Caritas VVaG. Die Leistungskürzungen der Pensionskasse der Caritas liegen nach ihren eigenen Angaben für die Mehrheit der Versicherten zwischen zehn und 30 Prozent.

Dazu hatte die Pensionskasse im September Informationsschreiben an ihre Mitglieder verschickt. Report Mainz liegen mehrere dieser Briefe vor. Demnach betragen die Kürzungen für Versicherte mitunter mehr als 300 Euro im Monat.

Arbeitgeber müssen einspringen

Handelt es sich um eine Betriebsrente, muss der Arbeitgeber für die entstandene Differenz einspringen. Bei einer privaten Altersversorgung, wie beispielsweise bei Selbstständigen, besteht keine Ausgleichsmöglichkeit durch einen Dritten.

Schreiben der Pensionskasse der Caritas (Screenshot Report Mainz)
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Die Mitglieder wurden in Schreiben über die Leistungskürzungen informiert.

In den Informationsschreiben erklärt die Pensionskasse der Caritas: "In der Rückschau wurden die Rahmenbedingungen und Risiken sowie die Niedrigzinsphase falsch eingeschätzt. Es wurden Fehler gemacht. Dafür entschuldigen wir uns bei Ihnen."

Versorgungslücke droht

Der Wirtschaftswissenschaftler Gerald Mann von der FOM Hochschule in München erklärte im Interview mit Report Mainz: "Niedrigzinsen und Negativzinsen sind ein Angriff auf die Altersvorsorge. Diejenigen, die für ihr Alter vorsorgen wollen, stellen fest, dass diese Produkte eine immer geringere Rendite abwerfen." Dies könne bei denjenigen, die es sich nicht leisten können, noch mehr zu sparen, dazu führen, dass eine Versorgungslücke im Alter entstehe.

Kriminelle nutzen Angst vor Altersarmut

Darüber hinaus sieht Mann auch die Gefahr der Zunahme von Anlagebetrug: "Die Niedrigzinsphase macht es unseriösen Anbietern von Finanzanlageprodukten auf jeden Fall leichter, Kunden zu finden, die sie schädigen können, als das in normalen Zinszeiten der Fall wäre."

Auf Nachfrage von Report Mainz teilte das Bundeskriminalamt dazu mit: "Die Verbreitung von in betrügerischer Absicht angebotenen Anlagemöglichkeiten über das Internet und soziale Medien nimmt zu. Bei den täterseitig zum Schein angebotenen Geldanlagen handelt es sich um Finanzprodukte wie Differenzkontrakte, Binäre Optionen, virtuelle Währungen und Initial Coin Offerings. Es ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen."

 Diesen und weitere Beiträge sehen Sie heute um 21.45 Uhr bei Report Mainz im Ersten.

Über dieses Thema berichtete Report Mainz im Ersten am 03. Dezember 2019 um 21:45 Uhr.

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