Ein Windrad steht auf einem von Nebel überzogenen Feld.
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Energiewende Verluste mit grünen Investments

Stand: 01.02.2022 16:49 Uhr

Recherchen von Report Mainz zeigen, wie riskant Öko-Investments sein können. In den vergangenen zehn Jahren haben Anleger knapp zwei Milliarden Euro damit verloren. Opposition und Finanzexperten fordern mehr Anlegerschutz.

Von Monika Anthes und Manuela Dursun, SWR

Der Hamburger Rentner Ullrich Knopf ist einer von denen, die auf dem Grauen Kapitalmarkt ihr Geld verloren haben. Seine Motivation für die Direktinvestition war Rendite zu erzielen, aber mit einem guten Gewissen. "Da konnte ich sehen, mein Geld baut eine Biogasanlage," sagt Knopf.

Manuela Dursun
Monika Anthes

Vor Jahren hatte er bereits bei der Pleite des Windkraftanbieters Prokon Geld verloren, eine Insolvenz mit Millionenschäden für 75.000 Anleger. Das war im Jahr 2015 der Anlass, den Anlegerschutz zu reformieren. Doch für Kleinanleger wie Knopf war das nicht ausreichend. Auch beim zweiten Investment bangt er um sein eingesetztes Kapital. Denn dieser Firma droht inzwischen ebenfalls die Pleite. "Wie es die Börsenaufsicht gibt, so muss es auch für diesen Grauen Kapitalmarkt eine Aufsicht geben, die genauer hinguckt," fordert er von der Politik.

Ein Konzept zum Schutz von Kleinanlegern, die in den Ausbau von Wind- und Solarenergie investieren, fordert auch die Parteivorsitzenden der Linken, Janine Wissler. Sie kritisiert im Interview mit Report Mainz, der Anlegerschutz komme bei den Zielen von Klimaschutzminister Robert Habeck zu kurz: "Wenn man private Investitionen entfesseln möchte, dann ist das natürlich auch eine Möglichkeit für fragwürdige Finanzangebote eben genau auf diesen Markt zu drängen und Geld von Kleinanlegern einzusammeln."

Auch der Finanzexperte Stefan Loipfinger von Finanzwende warnt: "Herr Habeck denkt die Dinge nicht zu Ende an der Stelle." Seit der Klimaschutzminister seine Pläne zum Ausbau des Ökostroms vorgestellt habe, herrsche Goldgräberstimmung am Grauen Kapitalmarkt. In der Branche reibe man sich schon die Hände. Mangelhafter Schutz der Kleinanleger werde "unweigerlich am Ende zu einem Blutbad bei den Anlegern führen".

Habeck: Für Kleinanleger nicht zuständig

Auf Anfrage von Report Mainz bestätigte das Klimaschutzministerium, dass Investitionen von Bürgern einen "wichtigen Beitrag zur Erreichung unserer Klimaziele leisten" könnten. Für die Fragen zum Kleinanlegerschutz aber sei man nicht zuständig.

Schon jetzt verzeichnen Öko-Investments hohe Verluste, das zeigt eine Studie von Finanzwende aus 2021. In den vergangenen zehn Jahren haben Anleger knapp zwei Milliarden Euro mit Grünen Investments verloren. Finanzexperte Loipfinger führt das darauf zurück, dass "niemand irgendetwas kontrolliert und es keine strengen Regeln gibt".

In den vergangenen Jahren wurde der Kleinanlegerschutz immer wieder reformiert. Finanzexperte Stefan Loipfinger hält die Regelungen für "Flickwerk". Es seien Kleinigkeiten verbessert worden, aber es gebe immer noch zu viele Lücken. Loipfinger fordert von der Bundesregierung einen klaren Plan für einen besseren Kleinanlegerschutz: Vor allem die Finanzaufsicht BaFin müsse gestärkt werden: "Die Finanzaufsicht muss hier auch in die Tragfähigkeit von solchen Anlagen miteinsteigen oder muss solche Prüfungen in Auftrag geben."

Die BaFin in der Pflicht

Auch Linken-Chefin Wissler fordert die Kontrolle des Grauen Kapitalmarktes durch die BaFin zu verbessern: "Das ist ein ganz wichtiger Punkt für die nächste Bundesregierung. Wir brauchen wirklich Schutz und bessere Kontrolle."

Aktuell hat die BaFin vor allem die Pflicht, Verkaufsprospekte von Anlagen auf dem Grauen Kapitalmarkt auf Formalien zu prüfen. "Aus meiner Sicht wäre es sinnvoll, Prospekte, die man insbesondere für Kleinanleger zulässt, in einem ähnlichen Umfang zu prüfen, wie das der Wirtschaftsprüfer-Standard vorsieht", fordert die Finanzexpertin Kerstin Kondert vom "Aktionsbündnis Aktiver Anlegerschutz". Dabei geht es auch um eine Prüfung, wie wirtschaftlich tragfähig ein Projekt tatsächlich ist. "Das wäre wirklich ein hilfreicher Schutz," so Kondert.

Verluste durch intransparente Konstrukte

Fragwürdige und intransparente Anlagemodelle tauchen immer wieder auf dem Grauen Kapitalmarkt auf. Rainer Schlichter aus Süddeutschland berichtet Report Mainz von seinem Investment in einen Solarpark. Sein Resümee nach zehn Jahren: "Aus dieser Anlage ist an mich kein Geld geflossen - und sie wird auch kein Geld produzieren."

Im Gegenteil: Er musste sogar Geld nachschießen. Das Anlagekonstrukt hatten sich zwei Steuerberater ausgedacht: Rund 250 Anleger investierten in elf Solarparks. Finanzexpertin Kondert kritisiert das Angebot als "unseriös". "Ich bezweifle, dass den Anlegern tatsächlich bewusst war, welches Risiko sie eingehen," so das Urteil der Finanzexpertin.

Anleger befürchten, das Ziel des undurchsichtigen Systems sei gewesen, sie auszunehmen. Geld hätten nur die beiden Steuerberater und der Geschäftsführer des Anlagekonstruktes verdient, kritisiert Rainer Schlichter. Die Staatsanwaltschaft Aachen ermittelt inzwischen gegen zwei Beschuldigte wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Untreue.