Stirnband mit Symbol der "Grauen Wölfe" (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / dpa

Rechtsextremismus "Graue Wölfe" in der Bundeswehr?

Stand: 17.07.2020 18:00 Uhr

Vier Bundeswehrsoldaten werden laut Report Mainz verdächtigt, Mitglieder der rechtsextremen türkischen Organisation "Graue Wölfe" zu sein. Zudem gibt es Indizien für eine nachrichtendienstliche Tätigkeit für die Türkei.

Von Heiner Hoffmann, SWR

Der Militärische Abschirmdienst (MAD) ermittelt gegen vier mutmaßliche Anhänger der türkischen rechtsextremistischen "Grauen Wölfe" in der Bundeswehr. Das geht aus einer Kleinen Anfrage der Partei Die Linke im Bundestag hervor, die dem ARD-Magazin Report Mainz exklusiv vorliegt.

Darin heißt es wörtlich seitens der Bundesregierung: "Bei einem dieser Fälle begründen Erkenntnisse zumindest die Feststellung einer fehlenden Verfassungstreue." Gegen diese Person laufe aktuell ein gerichtliches Disziplinarverfahren. "Bei den übrigen Personen liegen tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen vor", heißt es weiter. Die weiteren Ermittlungen dauerten in diesen Fällen an. Der MAD wollte sich auf Anfrage von Report Mainz nicht zu den Fällen äußern.

Möglicherweise auch nachrichtendienstliche Belange

In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage wird auch auf mutmaßliche Verbindungen der Grauen Wölfe in Deutschland zum türkischen Geheimdienst MIT Bezug genommen. So gäbe es Zusammentreffen mit türkischen Führungspersönlichkeiten in Deutschland. Es sei "daher wahrscheinlich, dass solche Kontakte seitens des MIT auch genutzt werden, um nachrichtendienstliche Belange zu fördern."

Anhänger der "Grauen Wölfe" seien auch in online geposteten Bildern bei der Teilnahme an Schießtrainings in Deutschlands zu sehen, teilt die Bundesregierung mit. Zudem sei bekannt geworden, dass sie "ein gewerbliches Angebot für wehrsportähnliche Security-Lehrgänge in Anspruch genommen haben sollen."

Graue Wölfe als gewalttätig bekannt

Linken-Politikerin Ulla Jelpke bei einer Debatte im Bundestag. | Bildquelle: dpa
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Die Linken-Innenpolitikerin sieht in den Grauen Wölfne eine große Gefahr.

Die innenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linkspartei, Ulla Jelpke, sagt dazu gegenüber Report Mainz: "Von türkischen Faschistengruppen wie den "Grauen Wölfen" geht eine große Bedrohung aus. Das zeigen nicht nur die brutalen Übergriffe ihrer Anhänger, sondern auch Waffen- und Kampfsporttrainings der türkischen Nationalisten. Hier hat sich längst eine rechtsextreme Schlägertruppe an der langen Leine des türkischen Geheimdienstes entwickelt."

Bei der Organisation "Graue Wölfe", auch "Ülkücü"-Bewegung genannt, handelt es sich um eine aus der Türkei stammende Gruppierung, die das Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistische Ausländerorganisation einordnet. Sie fuße auf einer nationalistischen und rassistischen rechtsextremen Ideologie. Die Bundesregierung geht von einem Mitgliederpotenzial von etwa 11.000 Personen aus. Experten schätzen dies noch deutlich höher.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juli 2020 um 09:50 Uhr.

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