Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes erfassen die Daten der Impfkandidaten im Impfzentrum Ermsleben.  | picture alliance/dpa/dpa-Zentral
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Fehlende Daten zur Impfung Im Blindflug durch die Pandemie?

Stand: 01.06.2021 05:00 Uhr

Die Impfkampagne gilt als der Ausweg aus der Corona-Pandemie. Doch Experten kritisieren, dass mit Blick auf den Herbst entscheidende Daten fehlen.

Von Claudia Butter, Thomas Oberfranz, Philipp Reichert, Sara Rainer-Esderts und Johannes Schmid-Johannsen, SWR

Mehrere Epidemiologen, darunter der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, kritisieren, dass wichtige Daten zum Fortschritt der Corona-Impfungen fehlen. "Wir erheben nicht ausreichend gut, wo die Menschen leben, die geimpft werden", sagte Lauterbach dem ARD-Politikmagazin Report Mainz. So könne man nicht erkennen, wo genügend Menschen geimpft sind und wo nicht. Dort, wo die Impfquote nicht hoch genug sei, drohten im Herbst Ausbrüche und lokale vierte Wellen. "Das würde dazu führen, dass in bestimmten Brennpunkten die Fallzahlen steigen und auch schwere Erkrankungsverläufe zu erwarten wären", so Lauterbach.

Auch der Epidemiologe Oliver Razum von der Universität Bielefeld sieht in den fehlenden Daten ein Problem. "Wenn es zu einer niedrigen Impfabdeckung in bestimmten Bevölkerungsgruppen oder Regionen kommt, dann treten dort natürlich auch vermehrt Erkrankungen an Covid-19 auf", meint Razum. "Das bedeutet wieder volle Intensivstationen, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle."

Ministerium: "Daten wären wünschenswert"

Beide Experten fordern im Interview mit Report Mainz deshalb Zahlen zum Impffortschritt auf lokaler Ebene, um Impflücken zu erkennen - ohne, dass man den Datenschutz missachte. Dann könne man dort gezielt Impfangebote schaffen, sagte Lauterbach. Denn in den Bereichen, wo wenige Menschen geimpft seien, gebe es trotzdem viele Impfwillige. "Viele von ihnen haben einfach nicht die Energie, die Kraft und die Ressourcen", so Lauterbach. "Die haben zum Teil keinen Hausarzt, die gehen nicht ins Impfzentrum." Ihnen müsse man deshalb vor Ort ein Angebot machen, etwa mit mobilen Impfteams oder besonderen Aufrufen.

Auf Anfrage von Report Mainz räumte das Bundesgesundheitsministerium ein, "aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) wären zeitnahe Daten auf regionaler Ebene wünschenswert, um lokale Impflücken zu erkennen". Zwar müssen die Impfzentren laut Bundesimpfverordnung täglich Daten der Geimpften an das RKI übermitteln, darunter auch deren Postleitzahl. Für die Arztpraxen gilt dies jedoch nicht. Diese übermitteln die Daten erst mit der Quartalsabrechnung an die Kassenärztliche Vereinigung. Von dort erhält sie das RKI. Doch dabei gibt es starke Verzögerungen. Denn erste Abrechnungsdaten samt Herkunft der Geimpften erhalte das RKI frühestens im 3. Quartal, so das Ministerium gegenüber Report Mainz.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung "Report Mainz" am 01. Juni 2021 um 21:45 Uhr.