Hände greifen nach einem Impfausweis. | dpa
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Impfzentrum erstattet Anzeige Gefälschte Impfpässe im Umlauf

Stand: 16.04.2021 13:12 Uhr

Im Internet werden gefälschte Impfpässe zum Kauf angeboten, das zeigen Recherchen von Report Mainz. Das Deutsche Rote Kreuz und die Stadt Frankfurt kündigten an, Anzeige zu erstatten.

Von Monika Anthes und Aleksandra van de Pol, SWR

Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins Report Mainz werden im Messengerdienst Telegram in mehreren Gruppen gefälschte deutsche Impfpässe zum Kauf angeboten. Die Impfpässe werden mit Fotos beworben, auf denen Stempel, Unterschriften und Aufkleber mit Chargennummern zu sehen sind. Laut Stempel stammen die Impfpässe aus großen deutschen Impfzentren wie zum Beispiel Bonn, Frankfurt, Augsburg oder Frankenthal. Aber auch Impfpässe aus Düsseldorf und München werden im Internet zum Kauf angeboten.

Report Mainz liegen zwei dieser gefälschten Impfausweise vor. Es handelt sich dabei um die gelbe internationale Bescheinigung über Impfungen. Der Stempel besagt "IMPFZENTRUM FRANKFURT, Ludwig-Erhard-Anlage 1" und ist unterschieben. Außerdem sind in dem Dokument zwei Aufkleber mit der Aufschrift "Comirnaty" (Biontech/Pfizer) und einer Chargennummer zu sehen. Die Fälschung ist vom Original kaum zu unterscheiden.

Laut Verkäufer schwunghafter Handel

Report Mainz ist es gelungen einen der Händler persönlich ausfindig zu machen. Er erzählt, dass er sich selbst nicht impfen lassen, trotzdem aber seine Grundrechte zurückerlangen wolle. Er prahlt damit, "Land unter mit Anfragen" zu haben. An einem Tag habe er mehr als 30 Stück verkauft. Seine Kunden kämen aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Stückpreis liegt bei 150 Euro. Er bietet aber auch einen Mengenrabatt: zwei Stück für 200 Euro. Wer zehn Pässe nehme, müsse pro Stück nur noch 125 Euro zahlen. Laut Experten handelt es sich dabei um gewerbsmäßigen Betrug.

Leiter des Frankfurter Impfzentrums geschockt

Autorinnen der Redaktion Report Mainz legten den Verantwortlichen des Impfzentrums Frankfurt am Donnerstag die Impfausweise vor. Im Interview zeigt sich Michael Heiland, städtischer Leiter des Impfzentrums geschockt und erklärt: "Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so was gibt." Auch Benedikt Hart, Leiter des Impfzentrums von Seiten des Deutschen Roten Kreuzes, wusste nicht, dass gefälschte Impfpässe im Netz angeboten werden, die als Originale aus dem Frankfurter Impfzentrum gehandelt werden. "Das ist beschämend, das ist furchtbar, ich kann es gar nicht fassen, ich bin sprachlos."

Er konnte direkt erkennen, dass die Pässe gefälscht sind und erklärte Report Mainz, dass man im Impfzentrum andere Stempel verwende. Jeder Arzt im Impfzentrum habe einen eigenen Stempel - mit einer nur ihm zugeteilten Nummer, die das Impfzentrum auch nicht verlasse. Doch das könne nur er erkennen. Für Beamte, die so einen Impfpass zum Beispiel an einer Landesgrenze kontrollieren, sei das nicht möglich. Die Verantwortlichen von Stadt und DRK kündigten an, dass sie Anzeige erstatten werden.

Landeskriminalamt Hessen fordert mehr Fälschungssicherheit

Auf Nachfrage von Report Mainz erklärt das Landeskriminalamt Hessen, man habe den Handel mit gefälschten Corona-Impfbescheinigungen im Fokus und werde dagegen "selbstverständlich strafrechtlich ermitteln". Sowohl das Herstellen, das Vertreiben, aber auch die Nutzung solcher gefälschten Gesundheitszeugnisse sei strafbar.

Außerdem erklärt das LKA Hessen, dass Blanko-Impfpässe freiverkäuflich seien. Diese Tatsache führe zum vermehrten Angebot gefälschter Zeugnisse. Dem würden Dokumente mit eindeutig fälschungssicheren Sicherheitsmerkmalen entgegenwirken. Da keine einheitlichen Sicherheitsmerkmale vorliegen, sei "aus Sicht der Urkundenprüfer keine vergleichende Untersuchung möglich."

Politik verweist auf Infektionsschutzgesetz

Konfrontiert mit den Recherchen erklärt das hessische Innenministerium, die Dokumentation der Impfungen in den 28 hessischen Impfzentren entspreche den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes. Die Impfdokumentation werden in allen Impfzentren und auch den Arztpraxen dokumentiert und digital archiviert. Da es sich um Gesundheitsdaten handle, sei ein Abgleich mit Restaurantbesitzern oder Freizeiteinrichtungen nicht möglich. Das Ministerium verweist auf den von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen digitalen Impfpass, der die Fälschungssicherheit erhöhe.

Das Bundesgesundheitsministerium antwortete bislang noch nicht auf die Anfrage von Report Mainz, ob es von dem illegalen Handel mit deutschen Impfpässen Kenntnis hat und wie es dagegen vorgehen will.

Report Mainz hat bundesweit verschiedenen Impfzentren Screenshots der im Netz gehandelten Impfpässe vorgelegt. Das Impfzentrum Augsburg schreibt in seiner Stellungnahme, dass es sich bei dem Angebot um eine Fälschung handele. Ihr Stempel sehe anders aus. Er beinhalte die genaue Adresse sowie die Betriebsstättennummer des Impfzentrums. Antworten der anderen Impfzentren stehen bislang noch aus.

Über dieses Thema berichtet Report Mainz am 20. April 2021 um 21:45 Uhr im Ersten.