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Sanktionen gegen Russland Vermögen wechselt auf Zypern Besitzer

Stand: 17.03.2022 17:59 Uhr

Eine Bank, die plötzlich den Eigentümer wechselt. Firmen, die ihre Anteile verschieben. Auf Zypern verstecken reiche Russen ihr Vermögen. Jetzt versuchen sie es Panorama-Recherchen zufolge, vor Sanktionen zu retten.

Von Lea Busch, Johannes Edelhoff, Annette Kammerer und Caroline Walter (NDR)

Am Tag, als Russland in die Ukraine einmarschiert, gibt die RCB Bank Ltd. mit Sitz auf Zypern eine zunächst unscheinbare, knappe Pressemitteilung heraus: Die Beteiligungsstruktur habe sich geändert. Die Bank werde an diesem Tag - zumindest auf dem Papier - vollständig zyprisch. Bis dahin war einer der größten Eigner mit rund 46 Prozent die russische Staatsbank VTB.

Umgehung der Sanktionen?

Nur eine Woche später, am 2. März, erließ die EU Sanktionen gegen die VTB Bank und schloss sie vom Transaktionssystem SWIFT aus. Damit ist die VTB Bank vom globalen Zahlungsverkehr abgeschnitten. Hätte sie ihre Anteile nicht verkauft, so schätzt Jacob Kirkegaard, Senior Fellow am "German Marshall Fund", dann wäre auch die RCB Bank Ltd. auf Zypern direkt oder indirekt von den EU- oder US-Sanktionen betroffen gewesen. Denn obwohl die VTB Bank nur knapp unter 50 Prozent der Anteile hielt, reicht dies laut Kirkegaard aus, um die strategischen Entscheidungen der Bank zu beeinflussen und somit "de facto" als kontrollierender Gesellschafter angesehen zu werden.

Die RCB Bank Ltd. hat eine enge Verbindung zu Russland. Die einst hundertprozentige Tochter der Staatsbank VTB hieß bis 2013 noch mit vollem Namen "Russian Commercial Bank". Geleitet wird sie bis heute auch von russischen Geschäftsführern.   

Tatsächlich scheint der Flaggenwechsel vor allem auf dem Papier stattgefunden zu haben. Denn mittlerweile gehört die RCB Bank Ltd. laut Selbstauskunft zu über 70 Prozent einer zyprischen Firma: der "Crendaro Investments Limited". Dahinter steht, als letztendlich wirtschaftlich Begünstigter, Kirill Zimarin.

Der Russe besitzt mittlerweile einen zyprischen Pass. Zimarin arbeitete zuvor bei der russischen VTB Banken-Gruppe und ist heute CEO der RCB Bank Ltd. Zimarin wird in der "World Compliance" Liste als "PEP" geführt, also als "politisch exponierte Person." Auf Anfrage teilen Zimarin und die RCB Bank Ltd. mit, dass er mittlerweile nicht mehr als "PEP" geführt werde.

Ob der Eigentümerwechsel der Bank klappt, ist noch offen, denn die dafür nötige Zustimmung durch die Europäische Zentralbank steht noch aus.

Yachten und Privatjets sind nicht das Problem

Die Frage ist, wie streng Zypern die EU Sanktionen umsetzt. Seit Jahrzehnten fließt viel Geld aus Russland nach Zypern. Bislang trägt die zyprische Regierung die Maßnahmen der EU mit. Für die konkrete Umsetzung auf der Insel sind allerdings die zyprischen Behörden selbst zuständig.

Die EU-Sanktionen liefen - auch bei Fällen wie der RCB Bank Ltd. - oft ins Leere, kritisiert Christoph Trautvetter vom "Netzwerk Steuergerechtigkeit". In der öffentlichen Debatte gehe es meist nur um Yachten oder Villen von russischen Oligarchen, die auf der EU- oder US-Sanktionsliste stehen. Der Großteil ihres Vermögens aber stecke in undurchsichtigen Firmenkonstrukten wie auf Zypern. Die zyprische Regierung schreibt auf Anfrage, die Behörden seien sich dessen bewusst und setzten ihre Pflichten auch hier durch.

In den 2000er-Jahren wurden diese Firmenstrukturen zunächst genutzt, um Geld vor dem russischen Fiskus zu verbergen. Als Michail Chodorkowsky bei Wladimir Putin in Ungnade fiel und dessen russisches Vermögen beschlagnahmt wurde, begannen andere Oligarchen ihr Vermögen im Ausland in Sicherheit zu bringen. "Das war der Auslöser", erklärt Trautvetter. "Jetzt nutzen sie diese Strukturen, um die Sanktionen zu umgehen."

Oligarchen verschieben Vermögen

Tatsächlich finden sich auf Zypern auch Firmen anderer russischer Unternehmer, die kürzlich Eigentümerwechsel verzeichneten. Auf der EU-Sanktionsliste stehen beispielsweise Formel-1 Fahrer Nikita Mazepin und dessen Vater Dmitry Mazepin, der mit dem russischen Mineraldüngerkonzern Uralchem zum Milliardär wurde.

Die zyprische "Bergton Management Limited", hinter der Mazepin steht, hielt laut britischem Firmenregister rund 75 Prozent der Anteile am britischen Motorsport Team "Hitech Grand Prix". Doch neun Tage vor dem Beginn des Ukraine-Krieges soll die zyprische Firma, die Mazepin und einem Treuhänder gehört, ihre Anteile an den britischen Teamchef des Hitech Rennstalls, Oliver Oakes, übertragen haben. So wurde noch rasch das Vermögen von Mazepin gesichert.

Mittlerweile wurde Sohn Nikita Mazepin aus dem Formel-1 Team, für das auch Mick Schumacher fährt, ausgeschlossen. Auf Instagram kündigte Mazepin Junior an, nun eine Stiftung zu gründen, die Athleten wie ihm helfen soll - mit psychischer aber auch finanzieller Unterstützung.

Das ARD-Magazin Panorama und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) baten alle Beteiligten schriftlich um Stellungnahme. Geantwortet hat aber niemand.

PR Kampagne und Ukraine-Flaggen

Auf Anfrage von Panorama und SZ erklärt die RCB Bank Ltd.  schriftlich, dass der Verkauf der Anteile durch die VTB Bank nichts mit den Sanktionen zu tun habe. Aufgrund des Krieges in der Ukraine ist es laut einem Sprecher der Bank ein "typischer Trend", gemeinsame Projekte mit russischen Firmen zu beenden.

Außerdem verurteile die RCB Bank Ltd. in einer PR Kampagne öffentlich den Krieg in der Ukraine. Tatsächlich prangt auf der Autobahn nahe Limassol ein meterhohes Plakat mit dem "RCB" Logo und dem Text: "NO WAR". Das "Russian" im Namen taucht längst nirgendwo mehr auf. Auch an der Fassade der RCB Filiale in Limassol wehen mittlerweile blau-gelbe Ukraine Flaggen. Fast so, als müsste die Bank noch den letzten Restzweifel ausräumen, dass sie wirklich nicht mehr "russisch" sei.

Mitarbeit: Nils Wischmeyer (Süddeutsche Zeitung)

Über dieses Thema berichtete Panorama am 17. März 2022 um 22:05 Uhr im Ersten.