Rechtsextreme | Bildquelle: dpa

Razzia gegen Verdächtige Drohmail-Autoren wohl bei "Blood & Honour"

Stand: 10.10.2019 11:20 Uhr

Die Polizei ist gegen mutmaßliche Verfasser von 23 Schreiben vorgegangen, die im Juli unter anderem Anschläge androhten. Sie sollen nach Panorama-Recherchen eine verbotene Neonazi-Organisation weitergeführt haben.

Von Julian Feldmann, NDR

Am Mittwoch durchsuchten Beamte des Bayerischen Landeskriminalamtes Wohnungen von sieben Verdächtigen in Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Anlass der Razzia war ein Ermittlungsverfahren gegen die Urheber von insgesamt 23 Drohschreiben, die im Juli bundesweit per E-Mail verschickt wurden.

Darin wurde unter anderem mit Sprengstoffanschlägen gedroht. Betroffen waren Moscheen, Parteizentralen, Ankerzentren in Bayern und Medienagenturen. Unterzeichnet waren die Schreiben unter anderem mit "Blood & Honour", "Combat 18" und "Volksfront".

"Blood & Honour" möglicherweise weitergeführt

Zur verbotenen Gruppe "Blood & Honour" gibt es nach Recherchen des ARD-Magazins Panorama offenbar tatsächlich enge Verbindungen. So gehören die sieben Personen, die in Verdacht stehen, die Drohmails verfasst zu haben, zu einer Gruppe Rechtsextremisten, die das verbotene Neonazi-Netzwerk "Blood & Honour" im Geheimen fortgeführt haben sollen. Ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München bestätigte Panorama, dass alle sieben Beschuldigten auch verdächtig sind, gegen das Vereinigungsverbot von "Blood & Honour" verstoßen zu haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt seit 2018 gegen zwölf Neonazis wegen Verstößen gegen das Vereinigungsverbot. Ihnen wird vorgeworfen, die in Deutschland verbotene Organisation "Blood & Honour" fortgeführt zu haben. Das Neonazi-Netzwerk wurde im Jahr 2000 durch das Bundesinnenministerium verboten.

Datenträger werden ausgewertet

Die Ermittlungen der Polizei in dem Verfahren dauern an. Die sichergestellten Datenträger werden derzeit noch ausgewertet, heißt es. Nach Panorama-Informationen sollen zehn der Beschuldigten Mitglieder der neu gegründeten Gruppe "Blood & Honour" gewesen sein und zwei weitere diese unterstützt haben.

Bei den mutmaßlichen Unterstützern soll es sich nach Informationen aus Ermittlerkreisen um einen Rechtsextremisten aus Bayern und um Stanley R. handeln. Der ehemals in Kassel wohnende R. gilt als Führungsperson der Neonazi-Gruppe "Combat 18". Fotos aus dem Jahr 2002 zeigen R. zusammen mit dem mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Zu den Vorwürfen der Ermittler wollte sich R. auf Anfrage nicht äußern.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung "Panorama" am 19. Juli 2018 um 21:45 Uhr und am 25. Juni 2019 um 21:30 Uhr.

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