Firmensitz von GPG in Langenhagen bei Hannover |
Exklusiv

GPG-Immobilienskandal Erste Durchsuchungen - nach Monaten

Stand: 15.03.2021 20:09 Uhr

Im Fall des Immobilienskandals um die German Property Group hat es erste Durchsuchungen gegeben - mehr als ein Jahr nach der ersten Anzeige. Hunderte Millionen Euro sind wahrscheinlich verloren.

Von Nils Naber, NDR, und Anna Klühspies, BR

Im mutmaßlichen Betrugsskandal rund um das Immobilienunternehmen German Property Group, ehemals Dolphin Trust, sind nun nach Recherchen von NDR, BR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) erstmals bundesweit sechs Wohn- und Geschäftsräume durchsucht worden.

Nils Naber
Anna Klühspies

Mehr als ein Jahr nachdem die erste Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover einging, nahmen sich Ermittler das Privathaus des Hauptbeschuldigten und ehemaligen Geschäftsführers, Charles Smethurst, in Niedersachsen vor. In Hannover und Langenhagen wurden nach Auskunft der Staatsanwaltschaft am gleichen Tag drei Büroräume durchsucht "die der Red Rock Gruppe zuzuordnen" sind. Dahinter verbergen sich offenbar Firmen, die ursprünglich aus dem Umfeld von Charles Smethurst stammen.

Durchsuchungen auch in Dresden

Polizei und Staatsanwaltschaft beschlagnahmten unter anderem drei Firmenserver und Clouddaten. Außerdem wurden Smartphones und Akten in 25 Umzugskartons sichergestellt. Auch in Sachsen schlugen die Ermittler zu. Im Raum Dresden wurden die Büroräume und Privaträume eines Geschäftsführers durchsucht. Was hier genau beschlagnahmt wurde, ist bislang nicht bekannt.

Smethursts Medienanwalt Ben Irle bestätigt die Hausdurchsuchung. Es sei dabei um die "bekannten gegenüber unserem Mandanten erhoben Vorwürfe" gegangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Smethurst wegen des Verdachts auf Anlagebetrug und Insolvenzverschleppung. Die Red Rock-Firmen waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

BaFin ebenfalls tätig

Am Freitag war bekannt geworden, dass auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleitungsaufsicht (BaFin) gegen eine Firma aus dem Umfeld von Charles Smethurst vorgegangen war. Einem früheren Red-Rock-Unternehmen wurde ein unerlaubtes Einlagengeschäft untersagt.

Dabei geht es offenbar um ein Geschäftsmodell, dass von der German Property Group und ihrem Vorläufer Dolphin Trust über Jahre betrieben worden war, ohne dass die BaFin sich dafür zuständig gesehen hatte. Smethursts Anwalt Irle bestreitet allerdings, dass sein Mandant das Geschäftsmodell der German Property Group mit anderen Firmen "fortgeführt hat".

Mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt

Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit einem der womöglich größten Anlageskandale Deutschlands. Charles Smethurst und Mitarbeiter sammelten unter dem Namen Dolphin Capital, Dolphin Trust und German Property Group über Jahre weltweit Geld bei Kleinanlegern ein. Mitte vergangenen Jahres hat die Firma Insolvenz angemeldet.

Dabei klang das Geschäftsmodell verlockend: Mit dem Geld der Anleger sollten denkmalgeschützte Immobilien entwickelt und teuer verkauft werden. Den 15.000 bis 25.000 Investoren, die nahezu ausnahmslos aus dem Ausland kamen, wurden innerhalb von bis zu fünf Jahren Renditen bis zu 15 Prozent pro Jahr versprochen. Vorwiegend Kleinanleger investierten eine bis 1,5 Milliarden Euro.

Recherchen von NDR, BR und SZ zeigen, dass ein Großteil ihres Geldes verschwunden ist: Finanzvermittler kassierten teilweise Provisionen in Höhe von 20 Prozent und mehr. Interne Unterlagen legen nahe, dass Anlegergeld in Millionenhöhe in die Modegeschäfte von Charles Smethurst Frau, Manuela Lenz, geflossen sind. In der Vergangenheit wollte sich das Ehepaar nicht zu diesen Geldflüssen äußern.

Charles Smethurst und Manuela "Manou" Lenz |

Das Ehepaar Charles Smethurst und Manuela "Manou" Lenz

Laut Dokumenten, die NDR, BR und SZ einsehen konnten, befand sich die German Property Group wohl schon länger in einer finanziellen Schieflage. Doch die GPG konnte jahrelang weiter Geschäfte machen. Das hängt möglicherweise auch mit den deutschen Behörden zusammen.

Die BaFin sah sich offenbar in der Vergangenheit nicht zuständig. Mehr als 700 Jahresabschlüsse von GPG-Gesellschaften wurden nicht veröffentlicht, das zuständige Bundesamt für Justiz mahnte diese Versäumnisse zwar an und verhängte Ordnungsgelder, darüber hinaus habe die Behörde allerdings keine weitere Handhabe, teilte sie im vergangenen Jahr auf Nachfrage mit.

2020 hatte die Staatsanwaltschaft Hannover nach Recherchen von NDR, BR und SZ im Rahmen seiner Ermittlungen noch keine Beweissicherung vorgenommen. Mittlerweile hat sich die Behörde digitale Kopien von Firmenunterlagen gesichert. In der vergangenen Woche folgten dann die Durchsuchungen.

Ein Haftbefehl gegen den Hauptbeschuldigten wurde laut Staatsanwaltschaft bisher nicht erlassen, da keine Haftgründe vorlägen und er sich kooperativ zeige. Charles Smethurst hat sich bereits gegenüber der Staatsanwaltschaft Hannover eingelassen. Er gibt dabei zu, dass er noch Investorengelder von britischen Investoren eingeworben habe, als diese nicht mehr durch den Wert der Immobilien abgesichert werden konnten.

Trotz massiver Schieflage weiter Geld eingesammelt

Kapital von Investoren in Höhe von rund 800 Mio. Euro wäre Ende 2018/Anfang 2019 durch einen Immobilienwert von nur 700 Mio. Euro abgesichert gewesen. "Dennoch wurde in 2019 circa 100 Millionen Euro eingesammelt, was in Anbetracht der Kenntnis der wirtschaftlichen Situation Ende 2018 ein großer Fehler war", gibt Smwethurst zu.

Aus heutiger Sicht bedauere er "diese Situation zutiefst und übernimmt dafür die Verantwortung," sagte Smethurst gegenüber der Staatsanwaltschaft. Die wartet derzeit auf die Beantwortung von Rückfragen. Aufgrund der sichergestellten Datenmengen "dauern die Ermittlungen wohl noch eine Weile an," so die Staatsanwaltschaft.

Über dieses Thema berichtete Panorama 3 im NDR-Fernsehen am 17. Dezember 2020 um 21:45 Uhr.