Container stapeln sich im Hamburger Hafen | Bildquelle: dpa

Hamburger Hafen Giftige Schadstoffe in Containern

Stand: 28.01.2020 06:05 Uhr

Nach Recherchen von Panorama 3 ist die Luft in vielen Schiffscontainern derart stark belastet, dass eine Gesundheitsgefahr für Arbeiter in den Häfen besteht. Kontrollen gibt es offenbar kaum.

Von Nils Naber, NDR

Experten warnen seit Jahren vor Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe in der Luft von Schiffscontainern. Allein im Hamburger Hafen sollen einer älteren Studie des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin (ZfAM) und der TU Hamburg-Harburg zufolge ungefähr 300 Container pro Tag so stark belastet sein, dass sie bei den Arbeitern zu Vergiftungen führen können, schätzt der Chemiker Torsten Ollesch. Er führt unter anderem Schadstoffmessungen an Containern im Hamburger Hafen durch.

Viele dieser Substanzen seien farb- und geruchlos, erklärt Professor Xaver Baur, ehemaliger Direktor des Zentralinstituts für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin in Hamburg. "Man nimmt erst die Symptome wahr, die diese Substanzen auslösen." Es kann mit Atembeschwerden losgehen, bei starken Belastungen hat Baur auch Beeinträchtigungen des Nervensystems und der Gehirnfunktion beobachtet. Da auch Substanzen gefunden werden, die im Verdacht stehen, Krebs auszulösen, könnten die Folgen potentiell tödlich sein. "Die Krebserkrankungen dauern Jahre bis Jahrzehnte bis sie in Erscheinung treten. Das Problem ist, dass man dann einen Zusammenhang zu der Arbeit im Container nach vielen, vielen Jahren kaum mehr herstellen kann", so Baur. Wie heftig die Folgen für Arbeit sind, hängt davon ab, wie lange sie welcher Dosis ausgesetzt sind.

Hinweise fehlen offenbar oft

Für Container, die aktiv begast werden, um Schädlinge zu bekämpfen, gelten strikte Regeln. Diese Container müssen außen gekennzeichnet werden. Allerdings fehlen diese Kennzeichnungen offenbar vielfach bei Containern, die in europäischen Häfen ankommen. Das ergab eine Studie der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz.

Container, in denen Industriechemikalien während der wochenlangen Überfahrt aus Produkten ausdünsten, müssen hingegen gar nicht gesondert gekennzeichnet werden. Der Zoll setzt daher zum Schutz Messgeräte ein. Bevor eine Warenprobe entnommen wird, wird die Luft im Container gemessen. Ist die Belastung zu hoch, verlangt der Zoll eine Lüftung.

Containerschiffe im Hamburger Hafen | Bildquelle: dpa
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Arbeitsschutzbehörden kontrollieren Entladung vor Ort nicht.

Da der Zoll allerdings nur stichprobenhaft kontrolliert, dürfte es eine hohe Dunkelziffer geben. Gutachter Ollesch vermutet, dass vielfach Arbeiter in die Container geschickt werden, ohne dass sie wissen, welche Schadstoffe sie während ihrer Arbeit aufnehmen. Das schließt er aus seiner tagtäglichen Erfahrung im Hafen. Vielfach wären Osteuropäer oder Nordafrikaner im Einsatz. "Wenn diese Leute tatsächlich ausfallen, wenn sie krank sind, verschwinden sie einfach und werden durch andere Mitarbeiter ersetzt." Um einen möglichst reibungslosen Warenfluss hinzubekommen, würden Unternehmen vorhandene Regeln einfach nicht beachten. Die Arbeiter selbst wissen offenbar vielfach nichts von den Gefahren.

Kaum Kontrollen

Die Arbeitsschutzbehörden im Norden verweisen auf die Verantwortung der Arbeitgeber für den Schutz der Mitarbeiter. Allerdings führen die Behörden nahezu keine Kontrollen vor Ort bei Logistikunternehmen durch. Das ergab eine Recherche des NDR-Magazins Panorama 3. In Norddeutschland hat es in den vergangen fünf Jahren offenbar nur in einem Fall eine Kontrolle vor Ort gegeben.

Die Hamburger Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz zum Beispiel fragt im Betrieb einfach die "Papierlage" ab. Diese wird dann "stichprobenartig mit der Umsetzungssituation vor Ort abgeglichen". Allerdings nehme die Behörde "an Öffnungen von Containern grundsätzlich nicht teil". Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird laut Landesamt für Gesundheit und Soziales "nicht kontrolliert". Die für Arbeitsschutz in Schleswig-Holstein zuständige UK Nord stellt fest, das Thema habe im nördlichsten Bundesland "bisher wenig Bedeutung". Allerdings liegen bei keiner angefragten Behörde Zahlen zu potentiell schadstoffbelasteten Containern vor. Es heißt unisono, dafür gäbe es keine Berichtspflichten.

Mit Ausnahme von Bremen hat in keinem norddeutschen Bundesland eine Arbeitsschutzbehörde in den vergangenen fünf Jahren den Zoll im Rahmen von Amtshilfe um Informationen zu potentiell belasteten Containern gebeten. Das wäre durchaus möglich. André Lenz von der Generalzolldirektion erklärt: "Sofern die erbetenen Informationen keine personenbezogenen Daten enthalten, ist die Übermittlung durch die Zollbehörden ohne weiteres zulässig."

Über dieses und weitere Themen berichtet heute Abend Panorama 3 im NDR Fernsehen.

Über dieses Thema berichtete "Panorama 3" im NDR-Fernsehen am 28. Januar 2020 um 21:15 Uhr.

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