Sandabbau in einer Grube in Mittelhessen | Bildquelle: dpa

Entwurf der Bundesregierung Mehr Rohstoffe aus dem eigenen Land

Stand: 15.11.2019 06:03 Uhr

Die Bundesregierung will in Deutschland künftig mehr Rohstoffe abbauen. Das geht aus dem Entwurf der Rohstoffstrategie hervor, der derzeit zwischen den Ministerien abgestimmt wird.

Von Elisabeth Weydt und Kai Küstner, NDR

Gerade hat Deutschland beschlossen, die E-Mobilität noch einmal weiter voran zu treiben. Dafür - und nicht nur dafür - ist der Rohstoffbedarf gigantisch. Aktuell überarbeitet die Bundesregierung Deutschlands Rohstoffstrategie.

Sie soll Versorgungssicherheit und gleichzeitig die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards garantieren. Der Entwurf liegt NDR Info vor. Daraus geht hervor: Die Bundesregierung will in Zukunft mehr Rohstoffe im eigenen Land abbauen.

"Anbieter sitzen am längeren Hebel"

Zur Ausschusssitzung im Bundestag mit dem Thema E-Mobilität und Rohstoffe war neben einem Physiker vom Fraunhofer Institut und Nichtregierungsorganisationen auch Matthias Wachter vom Bundesverband der deutschen Industrie als Experte geladen. In der Fragerunde machte er deutlich, dass die Verkehrs- und Energiewende auch eine Wende in der Rohstoffpolitik erfordere - nicht nur in Deutschland.

"Die Anbieter von Rohstoffen, also die Bergbaukonzerne und Minen sitzen heute am längeren Hebel, weil es mehr Nachfrage nach den Rohstoffen gibt." Das führe zu Herausforderungen auf Unternehmensseite, um Standards gegenüber den Minen durchzusetzen. "Politik kann und sollte die Unternehmen dabei unterstützen."

Matthias Wachter, Abteilungsleiter Sicherheit und Rohstoffe beim BDI
galerie

Matthias Wachter, Abteilungsleiter Sicherheit und Rohstoffe beim BDI

Bergbau im eigenen Land

Aus dem Entwurf der Bundesregierung spricht die Sorge über die Abhängigkeit vom Ausland: "Versorgungsrisiken gefährden den sicheren Rohstoffbezug und damit die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands", heißt es dort.

Die Bundesregierung will nun, wo möglich, den Bergbau im eigenen Land ankurbeln. Quarzsand für die Metallindustrie zum Beispiel oder Steine für die Bauindustrie. Hier kam es in der Vergangenheit zu Versorgungsengpässen. Klar ist jedoch, dass Deutschland für den Bau von E-Autos oder Windrädern vermehrt Mineralien wie Kupfer, Kobalt oder Lithium wird importieren müssen.

Der aktuelle Entwurf helfe da nicht viel, so Dieter Janecek, Sprecher der Grünen für Industriepolitik. "Zu sagen, in Deutschland müsste der Bergbau jetzt wieder auf den Weg gebracht werden, das halte ich für verfehlt. Wir müssen am Ende eine Kreislaufwirtschaft etablieren, wo möglichst wenig verloren geht. Da muss die ganze Anstrengung rein."

Große Koalition setzt auf Aufklärungsarbeit

Wohl wissend, dass die Strategie auf Widerstand stoßen dürfte, will die Große Koalition mehr Aufklärungsarbeit über Rohstoffe leisten. Es gelte, Informationen "in allgemeinverständlicher Sprache aufzubereiten und Schulen sowie der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen". So wird in dem Papier gewarnt: "Ohne eine sichere Versorgung mit den dafür benötigten Rohstoffen sind die klimapolitischen Ziele im Bereich Energie und Verkehr nicht zu erreichen!"

Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte auf Nachfrage, zentrales Ziel der Strategie sei es, eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung für Schlüsseltechnologien wie E-Mobilität und Windkraft sicherzustellen - unter Berücksichtigung von Umwelt- und sozialen Aspekten.

Verbessertes Recycling

Ein Teil der zukünftigen Bedarfe könne durch verbessertes Recycling gesichert werden, heißt in dem Entwurf. "Solange das Recycling nicht entscheidend zur Rohstoffsicherung beitragen kann, müssen die Bedarfe hauptsächlich durch den Bergbau bereit gestellt werden."

Das sei zu unambitioniert, so Janecek. Recycling müsse deutlicher vorangetrieben werden. Auch die Menschenrechte und Umweltstandards müssten verbindlicher verankert werden. "Solange unsere einzige Antwort ist: Wir müssen mehr und mehr schöpfen, dann laufen wir einfach absehbar in ein Desaster rein. Das löst ja das Problem nicht. Das Problem wird nur gelöst, wenn wir anders umgehen und deutlich weniger Rohstoffe benötigen."

Aktuell wird der Entwurf der Rohstoffstrategie zwischen den Ministerien abgestimmt. Die fertige Strategie soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. November 2019 um 06:41 Uhr in der Wirtschaft.

Darstellung: