Polizeibeamte in Mecklenburg-Vorpommern (Symbolbild) | picture alliance/dpa
Exklusiv

Caffiers Waffenverkäufer Weitere Vorwürfe gegen Waffenhändler

Stand: 23.03.2021 09:52 Uhr

Ein Waffenhändler steht nach NDR-Recherchen unter Verdacht, von einem Mitarbeiter einer Behörde beschlagnahmte Munition erhalten zu haben. Der Händler war bekannt geworden, da er eine Waffe an Ex-Minister Caffier verkauft hatte.

Von Julian Feldmann, NDR

Gegen Frank T. - den Waffenverkäufer von Mecklenburg-Vorpommerns Ex-Innenminister Lorenz Caffier - wird wegen mehrerer Straftaten ermittelt. Unter anderem geht es um Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Nach NDR-Recherchen besteht zudem der Verdacht, dass der Waffenhändler einen befreundeten Rechtsextremisten vor Strafverfolgung schützen wollte.

Auf die Spur von Frank T.  war die Staatsanwaltschaft Schwerin im Rahmen von Ermittlungen gegen den ehemaligen Polizisten Marko G. gekommen. G. war der Gründer der rechten Prepper-Gruppe "Nordkreuz".  Frank T. soll zumindest kurzzeitig in Chats der Gruppe "Nordkreuz" gewesen sein. Gegenüber dem NDR bestritt er dies jedoch. In der "Ostsee-Zeitung" räumte er Kontakte zu Marko G. ein. Von dessen rechtsextremer Gesinnung habe er jedoch nichts gewusst.

Große Mengen an Waffen und Munition

Bei G. hatte das Bundeskriminalamt im August 2017 große Mengen an Waffen und Munition sichergestellt, die der Chef der rechten Prepper-Gruppe "Nordkreuz" G. größtenteils legal besaß. Das BKA hatte die sichergestellten Schusswaffen und Patronen der Waffenbehörde des Kreises Ludwigslust-Parchim übergeben, die diese katalogisieren sollte. Doch offenbar hat der zuständige Mitarbeiter die sichergestellte Munition nicht vollständig notiert. Vielmehr soll er Ende 2017 Teile der Kriegswaffenmunition an Frank T. ausgehändigt haben.

Nachdem bei Marko G. bei einer weiteren Durchsuchung unter anderem eine Maschinenpistole gefunden worden war, verurteilte ihn das Landgericht Schwerin wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz zu einer Haftstrafe von 21 Monaten auf Bewährung.

Die mutmaßlich an T. ausgehändigte Kriegswaffenmunition wurde "nicht Gegenstand des gegen Marko G. geführten Strafverfahrens", so die Staatsanwaltschaft Schwerin. Deswegen wird T. Strafvereitelung vorgeworfen. Außerdem verfügte T. nicht über die Erlaubnis, Munition für Kriegswaffen zu besitzen, weswegen ihm auch ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz vorgeworfen wird.

Vorwürfe gegen Waffenbehörde

Nach NDR-Recherchen soll Frank T. einen Mitarbeiter der Waffenbehörde auch "bestochen" haben, um eine Genehmigung für eine Waffe zu bekommen. Der Mitarbeiter soll von T. im Jahr 2017 "für die kurzfristige Erteilung einer Einfuhrgenehmigung für ein Gewehr eine geldwerte Gegenleistung" angenommen haben. Anfang Juni 2020 durchsuchten Polizeibeamte die Räume der Waffenbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Gegen T. wird nun wegen Vorteilsgewährung ermittelt, gegen den Behördenmitarbeiter wegen Vorteilsannahme.

Auf Anfrage heißt es, dass die Ermittlungsverfahren gegen T. noch nicht abgeschlossen seien. Auch gegen den Mitarbeiter der Waffenbehörde laufen die Ermittlungen noch. Die Verfahren gegen T. will die Staatsanwaltschaft Schwerin jetzt an die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft Rostock abgeben.

Laut dem Landkreis Ludwigslust-Parchim ist der verdächtige Behördenmitarbeiter nicht mehr mit Aufgaben der Waffenbehörde betraut, er arbeitet jedoch nach wie vor für die Verwaltung des Kreises. Es gelte die Unschuldsvermutung, teilte ein Vertreter des Landkreises mit. Der Behördenmitarbeiter ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Caffier trat wegen Waffenkauf-Affäre zurück

Ein weiteres Verfahren gegen Frank T., in dem es um den Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz geht, liegt derzeit bereits zur Prüfung bei der Staatsanwaltschaft in Rostock. Wie ein Sprecher bestätigte, wird nun geprüft, ob das Verfahren in Rostock übernommen wird. Frank T. ließ eine Anfrage zu den Ermittlungen gegen ihn unbeantwortet.

Wegen T.s Nähe zum rechten Prepper-Netzwerk "Nordkreuz" war der Kauf einer Pistole Anfang 2018 durch den damaligen Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns in die Schlagzeilen geraten. Minister Caffier (CDU) trat wegen der Affäre um den Waffenkauf im vergangenen November zurück.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. März 2021 um 13:00 Uhr.