Apotheke in Indien | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Wegen Coronavirus Indien schränkt Medikamentenexport ein

Stand: 03.03.2020 17:39 Uhr

Antibiotika, Paracetamol und Vitaminpräparate gehören zu den Wirkstoffen, die wegen des Coronavirus von Indien nicht mehr exportiert werden. Das könnte Folgen für Deutschland haben.

Von Christian Baars und Peter Hornung, NDR

Der indische Generaldirektor für den Außenhandel hat eine Liste mit 13 Arzneimittel-Wirkstoffen veröffentlicht, deren Export "mit sofortiger Wirkung und bis zu weiteren Anordnungen" eingeschränkt werden. Darunter fallen mehrere Antibiotika, ein antiviraler und ein hormoneller Wirkstoff, das Schmerzmittel Paracetamol und die Vitamine B1, B6 und B12. "Hier sind erste versorgungsrelevante Arzneimittel betroffen", sagte der Pharmaexperte der Unternehmensberatung Roland Berger, Morris Hosseini, dem NDR.

Die indische Regierung will mit diesem Schritt offenbar die Versorgung im eigenen Land sicherstellen. Sie erklärte, die vorhandenen Vorräte würden noch für die kommenden zwei bis drei Monate ausreichen. Der Ausbruch des Coronavirus hat dazu geführt, dass einige chinesische Wirkstoffhersteller ihre Produktion gestoppt oder unterbrochen haben. Auch beim Transport der Waren kommt es zu Problemen.

Auswirkungen für Deutschland noch unklar

Indien ist - wie der Rest der Welt - bei bestimmten Medikamenten von Lieferungen aus China abhängig. Nach Angaben der indischen Regierung stammen etwa zwei Drittel der Wirkstoffe ihrer Medikamente von dort.

Inwiefern Deutschland nun auch betroffen sein könnte, ist ungewiss. Klar ist: In Indien werden zahlreiche Wirkstoffe aus China weiterverarbeitet und anschließend nach Europa geliefert. Bei Antibiotika bestehe mittlerweile eine komplette Abhängigkeit von China und Indien, sagt Hosseini. Auch viele andere Medikamente wie Schmerzmittel, Vitamine oder Bluthochdrucksenker stammen zu einem großen Teil aus den beiden Ländern.

Welche Mengen aus welchen Werken stammen, ist jedoch nicht öffentlich bekannt. Auch die Behörden haben darüber kaum Informationen - und somit sind etwaige Auswirkungen schwer abzusehen.

Deutsche Händler rechnen mit Engpässen

In Deutschland prüft das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), ob der Coronavirus-Ausbruch zu Lieferengpässen führt. Auf Anfrage des NDR teilte es mit, es gebe "aktuell keine Hinweise auf eine kurzfristige Einschränkung der Arzneimittelversorgung".

Einige Händler rechnen jedoch mit Lieferengpässen. Hosseini sagt, die Entscheidung von Indien sei "nicht erfreulich zu hören", da es mögliche Engpässe verstärken könnte. Man könne aber noch keine direkten Rückschlüsse ziehen, "ob und wann genau welches Arzneimittel bei uns nicht mehr verfügbar sein wird".

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA teilte vor wenigen Tagen mit, dass es in den USA zu einem ersten Lieferengpass durch den Coronavirus-Ausbruch komme. Allerdings sagte sie nicht, welches Mittel betroffen sei.

Indien stoppt teilweise Arzneimittel-Exporte
Christian Baars / Peter Hornung, NDR
03.03.2020 18:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. März 2020 um 13:02 Uhr.

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