Die Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt. | Bildquelle: REUTERS

Wegen Geldwäscherisiko Deutsche Bank beendet Geschäfte in Malta

Stand: 13.10.2019 18:06 Uhr

Deutschlands größte Bank überweist kein Geld mehr für maltesische Banken. Der Bank scheint das Geldwäscherisiko in dem Land zu hoch zu sein. Auch aus anderen Ländern will sich die Deutsche Bank offenbar zurückziehen.

Von Philipp Eckstein, Benedikt Strunz und Jan Lukas Strozyk, NDR

Die Deutsche Bank zieht sich aus dem sogenannten Korrespondenzbank-Geschäft in Malta zurück. Das bestätigte die Bank auf Anfrage des NDR. Das bedeutet, dass die Bank keine Auslandszahlungen mehr im Auftrag maltesischer Banken ausführen wird. Zuvor hatte die Zeitung "Times of Malta" über die Entscheidung berichtet.

Ein Sprecher der Bank sagte, man habe Behörden und Banken bereits informiert. Die Entscheidung gelte ab Dezember. Das Netzwerk an Korrespondenzbanken werde regelmäßig weltweit "mit Blick auf Kosten, Risiken und Nutzen" überprüft, so ein Sprecher der Bank. "Wenn es für unsere Kunden keinen relevanten Mehrwert schafft, die Kosten und mögliche Risiken für uns in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen, passen wir unser Dienstleistungsangebot in diesen Ländern entsprechend an."

Malta unter Geldwäscheverdacht

Hintergrund ist wohl auch eine hohe Geldwäschegefahr. Offenbar will die Deutsche Bank das Risiko reduzieren, in solche Skandale über ihr Korrespondenzbankgeschäft verwickelt zu werden. Aus Bankenkreisen heißt es, dass die Bank sich aus gleich mehreren europäischen Staaten zurückziehen möchte, die in der Vergangenheit besonders anfällig für Geldwäsche waren. Ähnlich wie in Malta will die Deutsche Bank demnach auch ihre Korrespondenzbank-Dienstleistungen für Estland, Lettland, Litauen und Zypern zum Ende des Jahres einstellen.

Bestätigt hat die Bank zunächst nur, dass man die Korrespondenzbank-Beziehung zu allen Instituten auf Malta beendet. Dabei handelt es sich um ein Geschäftsfeld, in dem internationale Banken Verträge miteinander abschließen, um sich Gegenseitig beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr zu helfen. Insbesondere kleinere Institute sind darauf angewiesen, etwa wenn sie Überweisungen in einer fremden Währung abwickeln wollen.

Erhöhtes Risiko durch Dollar-Überweisungen

Die Deutsche Bank ermöglichte maltesischen Banken zum Beispiel, über ihre Auslandsniederlassungen Zahlungen in US-Dollar vorzunehmen. Im internationalen Geschäftsverkehr ist der US-Dollar eine Art Weltwährung, Zahlungen in Dollar vornehmen zu können ist daher für Banken sehr wichtig, auch wenn sie selbst keine Niederlassung in den USA haben. Da es sich bei den Auftraggebern nicht um eigene Kunden handelt, ist die Überprüfung der Transaktionen aufwändig. Oft liegen nicht ausreichend Informationen über Sender und Empfänger vor. Das erhöht das Risiko, schmutziges Geld zu transferieren.

Weitere Banken folgen womöglich

Banken führen in der Regel Korrespondenzbank-Beziehungen zu mehreren Instituten. Inwiefern die Entscheidung also Auswirkungen auf Zahlungen von und nach Malta haben wird, ist unklar. Es ist allerdings ein starkes Signal, dass sich eine große Bank wie die Deutsche Bank aus dem EU Mitglied Malta zurückzieht. Aus Bankenkreisen war zu vernehmen, dass weitere Großbanken planen, die Korrespondenzbank-Beziehungen nach Malta zu beenden.

Malta war in der Vergangenheit immer wieder im Zusammenhang mit Geldwäsche und Korruption aufgefallen. Erst im Juli hatte der Europarat einen umfangreichen Bericht zum Stand der Geldwäsche-Bekämpfung in Malta veröffentlicht, in dem die zuständige Fachkommission ein für das Land verheerendes Fazit zieht. Der Bericht beschreibt Malta als europäisches Einfallstor für schmutziges Geld aus dem Ausland. Es gebe zwar einen soliden rechtlichen Rahmen zur Geldwäschebekämpfung, die Behörden gingen den Fällen aber nicht ausreichend nach.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Informationen am Abend" am 13. Oktober 2019 um 18:10 Uhr.

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