Landschaft auf der Isle of Man | Bildquelle: NDR

Bank-Hack auf der Isle of Man BKA wertet Datenleck aus

Stand: 03.12.2019 18:02 Uhr

Eine Offshore-Bank auf der Isle of Man ist gehackt worden - die Daten wurden im Internet zum Download angeboten. Gegenüber NDR, WDR und SZ bestätigte das BKA, dass man das Datenleck aufarbeiten will.

Von Philipp Eckstein, Jan Lukas Strozyk und Benedikt Strunz

Das Bundeskriminalamt (BKA) bereitet die Auswertung eines umfangreichen Datenlecks der Offshore-Bank "Cayman National" vor. Das bestätigte ein Sprecher des BKA auf Anfrage von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung". Es handelt sich um einen Datensatz mit internen E-Mails, Kontoauszügen und anderen Informationen aus der Niederlassung der Bank auf der Isle of Man. Die kleine Insel in der Irischen See ist bekannt für ihre niedrigen Steuersätze.

Die Daten der "Cayman National"-Niederlassung waren mutmaßlich von einer Hackergruppe kopiert und vor rund zwei Wochen im Internet veröffentlicht worden. Es handelt sich insgesamt um mehrere Terabyte an Daten, die allerdings zum Teil nicht ohne weiteres lesbar sind. Das BKA bestätigte, dass man derzeit daran arbeite, die Informationen für die Ermittler verfügbar zu machen. "Sobald die Daten in einem auswertbaren Format vorliegen, werden sie vom BKA auf Deutschlandbezüge überprüft", sagte eine Sprecherin.

Bank bestätigt "unatorisierten Zugriff Dritter"

Die Bank bestätigte auf Anfrage, dass sie Opfer einer Hacker-Attacke geworden ist. In einer öffentlichen Stellungnahme heißt es: "Es sieht so aus, als habe ein unautorisierter Dritter Zugriff auf unsere Systeme erlangt und vertrauliche Informationen mit Bezug zu unseren Kunden und unseren Geschäftstätigkeiten abgegriffen." Man untersuche den Vorfall und habe die Behörden informiert. Die Bank rät allen von dem "kriminellen Datendiebstahl" Betroffenen, besonders vorsichtig zu sein.

Die Unterlagen liegen NDR, WDR und SZ ebenfalls vor. Eine erste Suche offenbart, dass die "Cayman National" offenbar eng verwoben war mit einigen bekannten Institutionen der Offshore-Finanzindustrie. Es finden sich zahlreiche E-Mails zwischen der "Cayman National" und der Kanzlei Mossack Fonseca. Einen Datensatz dieser Anwaltskanzlei hatten Reporter von NDR, WDR und SZ gemeinsam mit hunderten Partnermedien im Jahr 2016 unter dem Schlagwort "Panama Papers" ausgewertet und die Recherchen veröffentlicht. Das BKA erhielt den Datensatz später ebenfalls und trieb gemeinsam mit anderen Ermittlungsbehörden Rück- und Strafzahlungen in Millionenhöhe ein. Woher das BKA die Daten erhalten hat, ist unbekannt.

Gebäude von Appleby auf der Isle of Man | Bildquelle: NDR
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Die "Cayman National" liegt ganz in der Nähe von Appleby, dem "Zentrum der ParadiesePapers".

Enge Geschäftsbeziehungen zu Appleby

Die Niederlassung der "Cayman National" auf der Isle of Man liegt nur wenige hundert Meter entfernt von Niederlassungen der Firmen Estera und Appleby. Daten aus dem inneren dieser beiden Offshore-Anbieter bildeten die Grundlage für die "Paradise Papers"-Berichterstattung im November 2017. Auch mit Appleby und Estera pflegt die "Cayman National"-Filiale auf der Isle of Man eine enge Geschäftsbeziehung. Das belegt das neue Datenleck. So hat die "Cayman National" offenbar Geschäftskonten für Briefkastenfirmen angeboten, die zum steuerfreien Import von Fahrzeugen in die EU genutzt worden sind.

Wie dieses Konstrukt zum steuerfreien Import von Privatjets genutzt worden war, hatten NDR, WDR und SZ im Zuge der Paradise Papers zuerst ausführlich berichtet. Die EU Kommission eröffnete als Reaktion auf die Enthüllungen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Großbritannien, das die Isle of Man außenpolitisch vertritt. Die Isle of Man und das britische Finanzministerium vertreten die Auffassung, dass das Geschäft nicht gegen europäische Steuergesetzte verstoße.

Auf der Liste: Firmen und Privatleute

Auch zahlreiche deutsche Namen und Anschriften tauchen in den Unterlagen auf. Darunter sind offenbar Firmen und Privatkunden. In einem Fall etwa wurden die Dienste der Bank offenbar genutzt, um eine Immobilie in Berlin mithilfe von Briefkastenfirmen zu kaufen. Die Daten reichen mindestens in die frühen 2000er-Jahre zurück, einzelne Dokumente sind sogar deutlich älter und beziehen sich auf Geschäfte, die noch in Deutscher Mark abgewickelt wurden sind. Die jüngsten Unterlagen sind offenbar wenige Wochen alt.

Die Unterlagen belegen auch, dass die Bank offenbar zahlreiche "Hochrisiko-Kunden" führt oder geführt hat, darunter Politiker und Prominente. Bislang ist unklar, ob es sich bei den über die "Cayman National" abgewickelten Geschäfte auch um Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder andere kriminelle Aktivitäten handelt. Viele der Dateien in dem Datenleck sind augenscheinlich nicht von öffentlichem Interesse, da es sich beispielsweise um Kreditverträge für ein Eigenheim, um private Fotos und Kommunikation der Bankangestellten handelt.

Nicht der erste Hackerangriff

In dem Datenleck findet sich auch ein Bericht einer externen Prüfungsgesellschaft, in dem es darum geht, dass die "Cayman National" offenbar bereits einmal Opfer eines Hackerangriffs geworden war - aufgefallen war das Anfang des Jahres 2016. Auf mehr als 100 Seiten legt der Bericht dar, wie umfangreich der Angriff war und dass der Angreifer in einen großen Teil der Bank-Infrastruktur eindringen und offenbar sogar Überweisungen anweisen konnte. Die Struktur des aktuellen Datenlecks legt den Verdacht nahe, dass es sich um dieselben Täter handeln könnte, das jüngste Leak beinhaltet Daten, die offenbar bereits Ende 2015 kopiert wurden.

Zum Umstand, dass auch Ermittler aus dem Ausland die Daten offenbar heruntergeladen haben und planen auszuwerten, sagte eine Regierungssprecherin der Isle of Man: Alle strafrechtlichen Ermittlungen würden von den Strafverfolgungsbehörden durchgeführt. Sollte es irgendwelche Belege für Fehlverhalten geben, erwarte die Regierung der Isle of Man, dass die nötigen Sanktionen verhängt würden.

BKA untersucht Datenleck aus Steueroase
Philipp Eckstein, NDR
03.12.2019 18:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. Dezember 2019 um 18:07 Uhr.

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