Polizisten laufen in der Innenstadt von Würzburg. | dpa

Messerangriff in Würzburg Angreifer soll in die Psychiatrie

Stand: 20.07.2021 09:09 Uhr

Noch immer gibt es keine Klarheit über das Motiv des tödlichen Messerangriffs in Würzburg. Die Staatsanwaltschaft aber will den Täter nun in die Psychiatrie verlegen lassen. Er ist möglicherweise schuldunfähig.  

Von Florian Flade, WDR, und Georg Mascolo, NDR/WDR

Der Attentäter, der Ende Juni in einem Kaufhaus und der Fußgängerzone von Würzburg Passanten mit einem Messer angegriffen und dabei drei Frauen getötet hat, soll in eine Psychiatrie verlegt werden. Das hat nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) die Generalstaatsanwaltschaft München in dieser Woche beschlossen. Sie hat eine Verlegung des Somaliers aus der Untersuchungshaft in eine psychiatrische Unterbringung beantragt. Zuerst hatte die "Mainpost" darüber berichtet.

Ermittler zweifeln an Schuldfähigkeit

Demnach gehen die Ermittler davon aus, dass der Somalier Abdirahman J. A. seine Tat "im Zustand der Schuldunfähigkeit oder verminderten Schuldfähigkeit" begangen habe, wie es Paragraf 126a der Strafprozessordnung heißt. In einem solchen Fall ist eine Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt die einzige Möglichkeit, ihn weiter in Gewahrsam zu behalten. Über den Antrag der Generalstaatsanwaltschaft soll der Ermittlungsrichter am Amtsgericht Würzburg noch im Laufe des Tages entscheiden.

 

Ein psychiatrisches Gutachten, das durch den Facharzt für Psychiatrie, Hans-Peter Volz, erstellt wird, ist indes noch nicht fertig. Nach Angaben seines Pflichtverteidigers Hans-Jochen Schrepfer soll Abdirahman J.A., der als Asylbewerber in Deutschland lebte, in den Stunden nach der Tat "in einer anderen Welt" gewesen sein, "wie weggetreten". Ein Gespräch mit ihm sei unmöglich gewesen. Der Täter habe stattdessen mit sich selbst geredet, "teils auch geschrien."

Verdacht auf Islamismus bisher nicht erhärtet

In den vergangenen Wochen sind die Ermittler des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) unterstützt durch das Bundeskriminalamt (BKA) weiter der Frage nachgegangen, ob es sich bei dem Messerangriff von Würzburg um die Tat eines psychisch Kranken oder eines islamistischen Extremisten handelt. Während und kurz nach der Tat soll Abdirahman J. A. verdächtigen Andeutungen gemacht haben, die zunächst auf eine mögliche islamistische Motivation hindeuteten. Etwa soll er einer Polizeibeamtin im Krankenhaus gesagt haben: "Ich mache Dschihad".

  

Bislang allerdings konnte dieser Verdacht nicht erhärtet werden. Die Mobiltelefone des Somaliers wurden inzwischen ausgewertet, darauf sollen weder extremistische Chats noch dschihadistische Propaganda gefunden worden sein. Die Ermittler sprachen auch mit der in Somalia lebenden Mutter und mit der Ex-Frau des Attentäters. Beide sollen dabei angegeben haben, Abdirahman J. A. sei kein religiöser Fanatiker.

Noch keine Vernehmung möglich

Mehrfach sollen die Ermittler in den vergangenen Wochen erwogen haben, den Mann zu seiner Tat zu vernehmen, um mehr über dessen Motivation zu erfahren. Dazu allerdings kam es nicht, da J. A. nicht einwilligte.

Am 25. Juni hatte der Somalier in einem Würzburger Kaufhaus ganz plötzlich mit einem Küchenmesser auf Menschen eingestochen. Anschließend rannte er nach draußen in die Fußgängerzone und griff weitere Passanten an. Drei Frauen wurden bei dem Angriff getötet, vier Menschen wurden teils schwer verletzt.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 20. Juli 2021 um 18:06 Uhr.