FFP2-Schutzmasken werden in einer Produktionsstätte hergestellt. | dpa
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Maskenaffäre Corona-Hilfen trotz Millionen-Honorar

Stand: 10.05.2021 18:00 Uhr

Andrea Tandler und ihr Geschäftspartner Darius N. sollen Millionenbeträge als Provision aus Maskengeschäften kassiert haben. Trotzdem soll N. Corona-Soforthilfe für sein Café beantragt haben.

Von Markus Grill und Lena Kampf, WDR/NDR

Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) soll der Geschäftspartner von Andrea Tandler Ende März 2020 für sein Café in München Corona-Hilfe beantragt haben. Eine Finanzhilfe, mit der Unternehmer unterstützt werden sollten, die aufgrund der Corona-Krise massive Liquiditätsengpässe hatten.

Markus Grill
Lena Kampf

In den Wochen zuvor soll die Tochter des Franz-Josef-Strauß-Intimus Gerold Tandler (CSU) geholfen haben, erste Millionengeschäfte zwischen einer Schweizer Maskenfirma und mehreren deutschen Ministerien zu vermitteln. Am 17. April gründeten Tandler und Darius N. dann die Beratungsfirma "Little Penguin GmbH", auf deren Konto schon im folgenden Mai die ersten 14 Millionen Provisionszahlungen für die Vermittlung der Maskengeschäfte eingegangen sein sollen. Weitere Millionenbeträge sollen in den nächsten Wochen ausbezahlt worden sein. 

Leere Kasse?

Corona-Hilfen vom Staat sollte es laut Richtlinien für Firmen geben, die durch die Pandemie in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten waren, die ihre Existenz bedrohen. Das mag auf das Café Pinguin zutreffen, ein kleines Restaurant, das Darius N. im Münchner Stadtteil Haidhausen betrieben hat. Hier hatte er auch für die Belegschaft des benachbarten "Klinikums rechts der Isar" gekocht, an sogenannten "Heldentagen" mit kostenlosem Mittagessen als kleines Dankeschön für Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte - aus Solidarität mit den Corona-Helden.

Am 19. April 2020 schrieb N. auf seiner Facebook-Seite, dass das Café Pinguin nun leider damit aufhören müsse. Jetzt sei der "Topf für neue Einkäufe leider leer". Und weiter: "Deshalb spenden wir leider zum letzten Mal über 400 Mittagessen... Unsere finanziellen Möglichkeiten sind leider nur begrenzt."

"Little Penguin" statt Café Pinguin

Was er nicht schrieb: Zwei Tage zuvor, nämlich am 17. April, wurde in München eine Firma gegründet, die einen ähnlichen Namen trägt wie das stadtbekannte Cafe in Haidhausen, in dem auch Parlamentarier aus dem nahegelegenen Landtag gerne verkehren - die "Little Penguin GmbH". Angeblich eine Kommunikations- und Krisenberatung mit Sitz im Münchner Nobelstadtteil Grünwald.

In Wahrheit soll die Firma eine wichtige Rolle bei einem Millionen-Deal mit einer Schweizer Firma spielen. Die Emix Trading lieferte Masken und Corona-Schutzkleidung an deutsche Gesundheitsministerien - Andrea Tandler und "Little Penguin" halfen dabei. Für eine Provision zwischen 5 und 7,5 Prozent, wie WDR, NDR und SZ letzte Woche enthüllten. Geschäftsführer und Inhaber der "Little Penguin" sind Andrea Tandler und ihr Partner, Darius N., der langjährige Betreiber eben jenes Cafés Pinguin in Haidhausen. Der Mann, dessen finanzielle Töpfe am 19. April leer waren.

Tandler und N. äußern sich nicht

Zwischen 34 und 51 Millionen Euro sollen er und seine Partnerin Andrea Tandler mit ihrem "Little Penguin" in den folgenden Wochen und Monaten verdient haben, indem Maskendeals zwischen der Emix und dem Bundesgesundheitsministerium in Berlin, sowie den Landesministerien in Bayern und Nordrhein-Westfalen vermittelt wurden. Mit Kontaktvermittlungshilfe der CSU-Europaabgeordneten Monika Hohlmeier, die - nach allem was bekannt ist - selbst nicht daran verdient hat. Zwischen 5,58 Euro (Bund) und 9,90 Euro (NRW) pro Maske überwiesen die Ministerien an die Züricher Emix, insgesamt 683 Millionen Euro. Und an jedem Euro verdienten Darius N. und Andrea Tandler mit - also am Geld der Steuerzahler.

Die beiden Geschäftsführer schweigen - seit Wochen. Keine Antworten auf all die Fragen, weder von Andrea Tandler, noch von Darius M. oder ihren Anwälten.