Krankenhauszimmer mit Beatmungsgerät in einer Klinik in Dresden. | Bildquelle: dpa

Coronavirus Datenbank für Beatmungsplätze vorübergehend nicht öffentlich

Stand: 18.03.2020 14:06 Uhr

Eine Datenbank sollte einen schnellen Überblick ermöglichen, was die Kapazität an Beatmungsplätzen in deutschen Kliniken angeht. Kurzzeitig wurden die Informationen nicht mehr öffentlich zur Verfügung gestellt. Nun sind die Daten wieder abrufbar.

Von Jan Lukas Strozyk

Nur einen Tag nach Veröffentlichung hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eine Datenbank mit Informationen über die Auslastung von Beatmungsplätzen in Kliniken aus dem Internet entfernt. Am Montag hatte die DIVI im Zuge der Corona-Pandemie angekündigt, die Datenbank in überarbeiteter Form zur Verfügung zu stellen. So sollte öffentlich einsehbar sein, in welchen deutschen Krankenhäusern freie Plätze für Patienten verfügbar sind, die beatmet werden müssen. NDR und WDR hatten darüber berichtet.

Aktualisierung

Nach Veröffentlichtung dieses Artikels hat die DIVI den öffentlichen Zugang zu der Datenbank wieder freigeschaltet. Informationen zu den Kapazitäten von Beatmungspatienten an deutschen Kliniken sind hier abrufbar.

"Politische Entscheidung"

Am Dienstag entfernte die DIVI die Informationen wieder von seiner Webseite. Die Daten seien weiterhin einsehbar, allerdings nur, wenn man sich als Klinik-Mitarbeiter mit einem entsprechenden Benutzerkonto anmeldet, sagte eine Sprecherin. Es handle sich dabei um eine "politische Entscheidung", die Informationen nicht mehr für Bürgerinnen und Bürger oder andere medizinische Einrichtungen wie Hausarzt-Praxen zur Verfügung zu stellen. Näher erläuterte das DIVI die Gründe nicht. Bereits als die Datenbank noch öffentlich abrufbar gewesen war, seien Kliniken über eine Anmeldung mit Benutzerkonto weitere Informationen zur Verfügung gestellt worden, sagte eine Sprecherin weiter.

Drei Stufen der Sauerstoffversorgung

Zuletzt waren die Informationen am Dienstagabend gegen 21 Uhr öffentlich abrufbar. In dem als Ampelsystem gestalteten Datensatz waren zu jenem Zeitpunk drei Krankenhäuser als rot markiert und sieben als gelb. Die Kliniken meldeten dem DIVI jeweils ihre Kapazitäten für Patienten mit geringem Betreuungsbedarf ("low-care"), für schwer Erkrankte ("high-care") und für sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO), ein Verfahren bei dem Schwerstkranken in einem Kreislauf Blut ausgeleitet, außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und dann zurückgeführt wird.

Beatmungen bei schwerem Covid-19-Verlauf

Bei schweren Verläufen der durch das Coronavirus hervorgerufenen Lungenkrankheit Covid-19 müssen Patienten Sauerstoff über Beatmungsgeräte bekommen. Viele Länder, darunter Deutschland, versuchen deshalb, die Kapazität zu erhöhen. Die Bundesregierung hatte vergangene Woche mitgeteilt, 10.000 Beatmungsgeräte bei einem Hersteller für Medizinprodukte bestellt zu haben. Unklar ist indes, inwiefern die Kliniken auch über ausreichend ausgebildetes Personal und Verbrauchsmaterial, etwa Schläuche, verfügen.

Korrespondent

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