Angehörige der Bundeswehr-Elite-Einheit KSK

Bundeswehr Weitere Daten aus dem MAD abgeflossen

Stand: 19.06.2020 14:55 Uhr

Deutschlands Elitesoldaten bleiben unter Druck. Mehrere KSK-Soldaten sollen nach Recherchen von WDR, NDR und SZ regelmäßig mit Dienstgeheimnissen aus dem Militärischen Abschirmdienst versorgt worden sein.

Von Florian Flade, WDR, und Georg Mascolo, NDR/WDR

Der Skandal um den Verrat von Dienstgeheimnissen aus dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) an Soldaten des Kommando Spezialkräfte (KSK) weitet sich offenbar aus. Nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" sollen mindestens acht KSK-Soldaten offenbar regelmäßig unberechtigterweise über Ermittlungsinterna aus dem MAD informiert worden sein.

Offenbar hatte mindestens ein KSK-Mann die vertraulichen Informationen von einem MAD-Mitarbeiter erhalten und dann innerhalb der Truppe weitergegeben. Der Bundeswehrgeheimdienst hat seine Ermittlungen dazu nun ausgeweitet. Am Freitag wurden auch Parlamentarier in einer geheimen Sitzung darüber informiert.

"Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich zu den laufenden Ermittlungen keine weiteren Angaben machen kann", teilte ein Sprecher des MAD zu den neuen Entwicklungen mit. In Kreisen des Verteidigungsministeriums heißt es, inzwischen liefen umfangreiche Ermittlungen. Schließlich sei es von entscheidender Bedeutung, dass ein Amt, welches extremistische Umtriebe innerhalb der Truppe aufzuklären habe, absolut unangreifbar sein müsse. Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sei entschieden, dies nun umfassend und schnell aufzuklären.

Weitere Prüfung steht noch aus

Erst am Donnerstag war bekannt geworden, dass ein MAD-Mitarbeiter offenbar Dienstgeheimnisse an einen befreundeten KSK-Soldaten verraten haben soll. Dabei ging es um Ermittlungsergebnisse zum Fall des KSK-Soldaten Philipp Sch., der im Mai festgenommen worden war. In dessen Garten in Sachsen war ein privates Waffenversteck samt Sturmgewehr und Plastiksprengstoff entdeckt worden.

Der MAD-Mitarbeiter soll Fotos der gefundenen Waffen einem anderen KSK-Angehörigen gezeigt und diesen gewarnt haben, der Bundeswehr-Geheimdienst könne sich möglicherweise auch für ihn interessieren. Inzwischen wurde der MAD-Mitarbeiter suspendiert und soll keinen Zugang mehr zur Liegenschaft des Geheimdienstes haben. Es wird nun geprüft, ob diese Person auch an weitere KSK-Soldaten Informationen verraten hat.

Soldaten der Bundeswehreinheit Kommando Spezialkräfte
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Dem Kommando Spezialkräfte gehören mehr als 1.000 Soldaten an (Archivfoto).

Untersuchungsbericht zum KSK noch im Juni

Nach mehreren rechtsextremen Vorfällen im KSK hatte das Bundesverteidigungsministerium erklärt, die Eliteeinheit genauer in den Blick zu nehmen. Eine Arbeitsgruppe, zu der auch der KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr und Generalinspekteur Eberhard Zorn gehören, soll bis Ende Juni einen Bericht dazu vorlegen. Dem KSK gehören mehr als 1.000 Soldaten an, die besonders gefährliche Mission im Ausland durchführen. Dazu gehören Anti-Terror-Einsätze in Afghanistan oder Geiselbefreiungen.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, dass auch die neue Wehrbeauftragte Eva Högl zu der Arbeitsgruppe gehöre. Das stimmt nicht und wurde korrigiert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juni 2020 um 14:00 Uhr und 17:00 Uhr.

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