Krankenhauszimmer mit Beatmungsgerät in einer Klinik in Dresden. | Bildquelle: dpa

Coronavirus Bundesweite Datenbank für Beatmungsplätze

Stand: 15.03.2020 20:25 Uhr

Die Krankenhäuser rüsten sich für einen Anstieg schwer kranker Coronavirus-Patienten. Eine neue Datenbank soll Ärzten freie Beatmungsplätze aufzeigen. Kliniken sollen diese in einem Online-Register melden.

Von Markus Grill, NDR/WDR

Deutschlands Intensiv- und Notfallmediziner wollen sich möglichst gut vorbereiten auf einen Anstieg von schwer kranken Coronavirus-Patienten, die beatmet werden müssen. Deshalb fordern das Robert Koch-Institut (RKI), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) von Montag an rund 1200 Intensivabteilungen in Kliniken auf, freie Plätze für Patienten, die beatmet werden müssen, in einem Online-Register einzutragen. Das Register soll kommende Woche auf einer Webseite freigeschaltet werden.

Ein Test an diesem Wochenende mit rund 80 Kliniken habe erfolgreich stattgefunden, erklärte DIVI-Geschäftsführer Volker Parvu gegenüber NDR und WDR. Auf der Website sollen Ärzte und Kliniken sehen können, in welchen Intensivabteilungen es noch freie Betten für Beatmungs-Patienten gibt.

Ampelsystem zeigt Verfügbarkeit an

Die Datenbank arbeite dazu für jede Intensivabteilung mit einem Ampelsystem in den Farben rot, gelb und grün. So werde nach dem Schweregrad der Erkrankung unterschieden, sagt Parvu. Jede Klinik solle eintragen, wie viel freie Plätze es für Patienten mit geringem Betreuungsbedarf ("low-care"), wie viele Betten es für schwer Kranke ("high-care") und wie viele es für schwerstkranke Beatmungspatienten gibt. Diese erhalten als letzte Behandlungsmöglichkeit eine sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). Dabei handelt es sich um Kreislaufgeräte, die das Blut aus dem Körper leiten, mit Sauerstoff anreichern und dann wieder in den Körper einleiten.

Solche ECMO-Geräte haben viele Kliniken in Deutschland in den vergangenen Jahren angeschafft - auch weil die Methode von den Krankenkassen sehr gut vergütet wird. Nach Angaben von Dietrich Henzler, der die Intensivmedizin am Klinikum Herfort leitet, wird den Kliniken ein Tag Behandlung mit ECMO mit rund 8000 Euro vergütet. Für eine dreiwöchige Behandlung bekämen die Kliniken etwa 50.000 Euro. Henzler sieht allerdings auch die Gefahr, dass Patienten zu häufig an diese Kreislaufgeräte angeschlossen werden.

Beatmungstherapie ist bei Corona entscheidend

Entscheidend für die Versorgung der Covid-19-Patienten werde aber nicht die Versorgung mit ECMO-Geräten sein, sondern die regulären Beatmungsplätze, sagt Henzler. Auch sein Kollege Christian Karagiannidis, Leiter des ECMO-Zentrums in Köln-Merheim, pflichtet ihm bei: "Für Corona ist eine vernünftige Beatmungstherapie viel wichtiger als ECMO."

Karagiannidis begrüßt zwar, dass die Bundesregierung in der vergangenen Woche 10.000 Beatmungsgeräte beim Medizinproduktehersteller Dräger geordert habe. Doch die Geräte allein hülfen keinem Patienten. Entscheidend sei, dass es auch Pflegepersonal gebe, das die Beatmungspatienten betreuen könnte. Das werde "das größere Nadelöhr" werden. Denn bereits jetzt gebe es in vielen Kliniken dafür zu wenige ausgebildete Pflegekräfte.

Zahl der Intensiv-Patienten ist unbekannt

Wie viele Covid-19-Patienten derzeit bereits auf Intensivabteilungen liegen, ist nicht bekannt. Die RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher teilt dazu auf Anfrage mit: "Den Gesundheitsämtern dürften die Informationen häufig nicht vorliegen oder können aus Kapazitätsgründen nicht recherchiert werden. Dementsprechend liegen dem RKI nur zu einem geringen, nicht aussagekräftigen Teil der Patienten diese Informationen vor."

Intensivmedizinern wie Henzler oder Karagiannidis zufolge liegen bisher nur vereinzelt Coronavirus-Patienten auf den Intensivstationen. "Aber das kann sich jetzt jeden Tag ändern", sagt Karagiannidis.

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