Schülerinnen und Schüler einer Grundschule sitzen mit Abstand in ihrem Klassenraum.  | dpa
Exklusiv

Schulen und Corona Pooltests nur in wenigen Ländern geplant

Stand: 19.08.2021 06:50 Uhr

Das RKI, Virologen und Kinderärzte fordern flächendeckende PCR-Pooltests in Kitas und Grundschulen, um das Corona-Übertragungsrisiko zu senken. Eine Monitor-Umfrage zeigt, dass nur wenig Bundesländer diese auch einsetzen.

Von Aiko Kempen, Rihan Rodosthenous und Martin Suckow, WDR

In einigen Bundesländern läuft das neue Schuljahr bereits, anderswo geht es bald los. Zugleich steigt die Angst vor Corona-Ausbrüchen und erneuten Schulschließungen. Zahlreiche Experten fordern daher flächendeckende und regelmäßige PCR-Pooltests in Grundschulen und Kindergärten. Sie seien deutlich zuverlässiger als die häufig genutzten Selbsttests. Und könnten als sogenannte Lollitests, bei dem die Kinder einige Sekunden an einer Art Wattestäbchen lutschen, schmerzfrei und niedrigschwellig eingesetzt werden.

In Kitas und Schulen ist das Infektionsrisiko noch immer hoch, Kinder unter zwölf Jahren können bislang nicht geimpft werden. In den USA zeigt sich bereits jetzt ein starker Anstieg der Infektionen unter den Jüngsten. Und auch für Deutschland prognostizierte das Robert Koch-Institut, dass sich in dieser Altersgruppe ein "beträchtlicher Teil des Infektionsgeschehens" im kommenden Herbst abspielen könnte. Deshalb empfahl das RKI bereits im Juli flächendeckende PCR-Pooltests für Kinder, "um das Infektionsgeschehen in Kitas und Grundschulen überwachen zu können und gleichzeitig das Risiko für Übertragungen signifikant zu reduzieren."

Auch der Virologe Martin Stürmer betont, es sei "unumgänglich", von den weit verbreiteten Antigen-Schnelltests auf die weitaus genauere und sensiblere PCR-Testung umzustellen, um Schulen und Kindergärten so sicher wie möglich zu machen.

Nur wenige Länder setzen Empfehlung um

Doch aktuell planen nur wenige Bundesländer, dieses Konzept umzusetzen. Dies ergab eine Umfrage des ARD-Politikmagazins Monitor unter allen Ländern. Demnach wollen in Grundschulen lediglich Bayern, Nordrhein-Westfalen, Bremen und Baden-Württemberg PCR-Pooltests flächendeckend zum Standard machen. In Berlins Grundschulen sind flächendeckende PCR-Tests zunächst nur für sechs Wochen geplant. In Kindertagesstätten kündigen sogar allein Baden-Württemberg und Bremen einen flächendeckenden Einsatz oder die volle Kostenübernahme für PCR-Pooltests an.

Alle anderen Ländern setzen weiterhin vorwiegend auf Schnelltests und wollen die empfohlenen und deutlich genaueren Tests entweder gar nicht oder nur in kleinen Modellprojekten einsetzen. Einige Länder, in denen es weiterhin nur Schnelltests in Schulen und Kitas geben soll, erklärten, der logistische Mehraufwand sei nicht zu stemmen. Fachleute halten dieses Argument angesichts der lange aufgebauten Laborkapazitäten allerdings für nicht überzeugend.

Keine Unterstützung vom Bund

Mitte Juli baten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesbildungsministerin Karliczek die Länder schriftlich, PCR-Pooltests "in die Präventionskonzepte in Kitas und Schulen zu integrieren". Jedoch beließ es der Bund bisher bei dieser unverbindlichen Bitte.

Eine Beteiligung an den Kosten oder Hilfe beim Aufbau der nötigen Infrastruktur gibt es vom Bund nicht. Auf Monitor-Anfrage erklärte das Bundesgesundheitsministerium, Schutzkonzepte in Kitas und Schulen seien ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung, betonten jedoch: "Umsetzen müssen das aber die Länder."

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, hat kein Verständnis für die fehlende Unterstützung des Bundes, um PCR-Tests flächendeckend zu ermöglichen. Der Bund müsse hier Geld zur Verfügung stellen. "Auch in der Pandemiezeit ist es nicht akzeptabel, dass Kinder uns so wenig wert sind", sagt Fischbach.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Politikmagazin Monitor am 19. August 2021 um 21:45 Uhr.