Altenpflegehelfer Modou Niang

Flüchtlinge in der Pflege "Lieber abschieben als ausbilden"

Stand: 24.09.2019 15:27 Uhr

Die Altenpflege ächzt unter dem Fachkräftemangel. Dabei gibt es unter Flüchtlingen viele, die dort gerne arbeiten würden. Doch deutsche Behörden durchkreuzen all zu oft ihre Pläne, zeigen Recherchen von Monitor.

Von Lara Straatmann und Nikolaus Steiner, WDR

Modou Niang ist ausgebildeter Altenpflegehelfer. Seit fünf Jahren ist der Senegalese schon in Deutschland - aktuell mit einer Duldung. Jetzt könnte er eine Ausbildung zum Altenpfleger in Gundelfingen in Bayern beginnen.

 "Dieser Beruf ist ein schöner Beruf. Viele Bewohner sagen mir immer: Modou, du bist der Beste. Und das ist in meinem Herzen", sagt er.

Pflegenotstand absurd: Wie Flüchtlinge vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden
Morgenmagazin, 19.09.2019, Lara Straatmann, Nikolaus Steiner, WDR

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Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen?

Den Ausbildungsvertrag hat er schon in der Tasche, aber er darf nicht anfangen. Die Ausländerbehörde erteilte ihm keine Erlaubnis. Begründung: Der abgelehnte Asylbewerber war ohne Ausweisdokumente nach Deutschland gekommen und habe nicht genug getan, um seine Identität zu klären.

Immer wieder verhinderten Behörden mit dieser Begründung eine Ausbildung, erklärt Lea Rosenberg vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Hessen: "Das ist ein flächendeckendes Phänomen in allen Bundesländern, dass die meisten Geflüchteten, die nicht arbeiten dürfen, deswegen nicht arbeiten dürfen, weil die Ausländerbehörde behauptet, dass die Mitwirkungspflichten nicht ausreichend erfüllt worden seien."

Auf Forderung folgt Forderung

Modou Niang sagt, er habe alles getan, um seine Identität zu klären - also seine Mitwirkungspflicht zu erfüllen. Das bestätigt auch sein ehrenamtlicher Helfer Georg Schrenk: Sie haben dutzende Mails geschrieben, eine Geburtsurkunde besorgt, nach anderthalb Jahren sogar einen senegalesischen Pass.

Doch das reichte der Ausländerbehörde nicht, unter anderem weil das Geburtsdatum auf dem Pass angeblich nicht mit früheren Angaben übereinstimme. Schrenk ist ratlos, was sie jetzt noch tun sollen.

Flüchtlingshelfer Georg Schrenk
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Flüchtlingshelfer Georg Schrenk ist frustriert. Ständig führen die Behörden neue Mängel in den Dokumenten an.

 "Es ist dann frustrierend, wenn sie zum Beispiel eine Geburtsurkunde vorlegen und es wird gesagt, die muss zuerst zur Überprüfung", erzählt er. Dann habe sich Niang selber eine ID-Karte besorgt. Doch dann hieße es aus der Behörde, dass er sich nun einen Pass beschaffen müsse." Jetzt hat Herr Niang einen Pass. Doch nun bringen die Ämter weitere Mängel vor, klagt Schrenk.

Kritik von der Diakonie Bayern

Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern, kritisiert, dass Ausländerbehörden in vielen Fällen regelrecht nach Gründen suchen würden, um eine Beschäftigung von abgelehnten Asylbewerbern zu verhindern.

Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern (Screenshot)
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Michael Bammessel, Präsident der Diakonie Bayern, klagt über das Verhalten der Behörden: "Man hat den Eindruck, das Wichtigste ist, die Leute wieder loszuwerden."

 "Man hat den Eindruck, das Wichtigste ist, die Leute wieder loszuwerden. Das finde ich sehr problematisch", sagt Bammessel. Denn oft seien es junge Menschen, die seit Jahren hier sind, die Deutsch gelernt haben, die sich in der Schule angestrengt haben, die gerne eine Ausbildung machen würden in Berufen. "Wir brauchen sie dringend. Doch die offizielle Linie scheint zu sein: lieber abschieben als ausbilden", so Bammessel.

Spahn auf Werbetour

Massiver Fachkräftemangel in der Pflege auf der einen Seite. Flüchtlinge, die trotz konkreter Stellenangebote nicht arbeiten dürfen, auf der anderen. Heute ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach Mexiko gereist, um Pflegekräfte anzuwerben. Für den Senegalesen Modou Niang und viele andere ist das nur schwer zu verstehen.

Monitor: Pflege Mitwirkungspflicht Asylbewerber
Nikolaus Steiner, WDR
19.09.2019 12:04 Uhr

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Diesen und weitere Beiträge sehen Sie heute im Magazin Monitor um 21:45 Uhr im Ersten.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 19. September 2019 um 05:38 Uhr.

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