Baustelle | Bildquelle: dpa

Zahl seit 2008 verdoppelt Mehr Krankheitstage durch Hitze und Sonne

Stand: 23.07.2019 12:08 Uhr

Die Zahl der Krankheitstage durch Hitze und Sonnenlicht hat sich im Zeitraum von 2008 bis 2017 verdoppelt. Zudem werden mittlerweile jährlich Tausende Fälle von Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt.

Von Patrick Gensing und Wulf Rohwedder, tagesschau.de

Hitzschlag, Sonnenstich, Krämpfe, Ödeme, Probleme durch Salz- und Wasserverlust - das sind einige der Gesundheitsschäden, die durch Hitze und Sonnenlicht ausgelöst werden können. Und solche Symptome haben in den vergangenen Jahren zu deutlich mehr Krankschreibungen geführt.

Wie aus Angaben der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, gab es 2017 etwa 40.000 Arbeitsunfähigkeitstage "auf Grund von Schäden durch Hitze und Sonnenlicht". Knapp zwei Drittel entfielen auf Männer, ein Drittel auf Frauen.

Rekord im Jahr 2015

Im Vergleich zu 2008 hat sich die Zahl mehr als verdoppelt: Damals wurden bei Frauen 5494 Arbeitsunfähigkeitstage registriert, bei Männern 12.229. Die Angaben basieren auf Angaben der gesetzlichen Krankenversicherungen.

Den bislang höchsten Stand hatte es 2015 gegeben - mit mehr als 50.000 Arbeitsunfähigkeitstagen. In diesem Jahr gab es in Europa mehrere Hitzewellen.

Neue Berufskrankheit

Ob sich die Arbeitsunfähigkeitstage vor allem auf Menschen bezieht, die im Freien arbeiten, geht aus den Angaben nicht hervor. Allerdings sind diese insbesondere von Hitze betroffen. Rund 2,4 Millionen Menschen sind nach Angaben der Bundesregierung im Freien tätig, neben kurzzeitigen Beeinträchtigungen drohen ihnen Langzeitschäden.

So werden seit 2015 Hautkrebs und bestimmte Vorformen der Erkrankung als Berufskrankheiten anerkannt. Sie kommen neben anderen Hautkrankheiten und Lärmschwerhörigkeit besonders oft vor. Betroffen sind beispielsweise Dachdecker, Maurer, Straßenbauer oder Landwirte.

Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, wurden 2015 bei der Berufskrankheit "Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung" mehr als 2000 Fälle anerkannt, 2016 waren es mehr als 5000 und 2017 mehr als 5300.

Berufskrankheit "Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung"
JahrVerdachtsanzeigenanerkannte Berufskrankheiten
201577262065
201682905063
201785575318

Zahl der Hautkrebsfälle steigt

In Deutschland steigt die Häufigkeit von Hautkrebs stetig an, berichtet unter anderem die Krebsgesellschaft. Die Techniker Krankenkasse stellt in ihrem Hautkrebsreport 2019 fest, allein zwischen 2009 bis 2015 habe der schwarze Hautkrebs um mehr als 30 Prozent zugenommen, der weniger gefährliche helle Hautkrebs sogar um mehr als 50 Prozent. In dem Report heißt es, dass der Zusammenhang zwischen bestimmten Berufsgruppen und Hautkrebs eindeutig belegt sei.

TK-Hautkrebsreport: Hautkrebs-Zahlen steigen an
tagesschau 14:00 Uhr, 29.05.2019, André Kartschall, RBB

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Aber es gibt offenkundig auch andere Ursachen für steigende Zahlen von Hautkrebs. So sieht eine britische Studie von Cancer  Research UK einen der Hauptgründe für den massiven Anstieg der Melanom-Hautkrebsfälle in günstigen Pauschalreisen und Flüge in Länder mit besonders intensiver Sonneneinstrahlung.

Hitzepausen gefordert

Derzeit herrschen aber auch in Deutschland große Hitze und hohe UV-Strahlung. Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte Hitzepausen. "Arbeitgeber sollten es aus Fürsorge für ihre Mitarbeiter ermöglichen, dass bei extremer Hitze das Tempo gebremst wird", sagte der Präsident der Bundesärztekammer der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Industriegewerkschaft BAU beklagt, es gebe zwar Regelungen, diese würden aber von zahlreichen Bauunternehmern gebrochen.

Jutta Krellmann, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit der Linksfraktion, warnt angesichts der Zahlen: "Hitze und brennendes Sonnenlicht können krank machen." Im Gespräch mit tagesschau.de fordert sie, Beschäftigte, die im Freien arbeiten, müssten besonders geschützt werden. Die Arbeitgeber seien in der Pflicht, doch sie könnten "sich um Schutzmaßnahmen drücken, weil es kaum staatliche Arbeitsschutzkontrollen gibt". Krellmann verlangt daher mehr staatliches Kontrollpersonal und Betriebsräte in der Bauwirtschaft.

Online-Tools sollen helfen

Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft bietet mittlerweile Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von weißem Hautkrebs an. Mithilfe eines Online-Tools können Versicherte darüber hinaus ihr individuelles Gefährdungspotenzial ermitteln. Zudem zeigt eine Bauwetter-App an, an welchem Standort welche Arbeitsschutzmaßnahmen notwendig seien.

Über dieses Thema berichtete MDR Info am 23. Juli 2019 um 10:00 Uhr.

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