AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel bei einem Wahlkampfauftritt in Schwerin | REUTERS
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AfD Weidel-Kreisverband zahlte an dubiosen Berater

Stand: 13.08.2021 13:18 Uhr

Der Kreisverband von AfD-Spitzenkandidatin Weidel hat Geld an einen justizbekannten Berliner Geschäftsmann überwiesen. Weidel bestreitet, dass der Mann für sie tätig gewesen ist.

Von Daniel Laufer und Georg Heil, rbb

Der AfD-Kreisverband Bodenseekreis, Heimatverband der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, hat Geld an einen dubiosen Politikberater überwiesen. Das geht aus Kontounterlagen hervor, die dem ARD-Politikmagazin Kontraste, dem Recherchezentrum Correctiv und dem "Spiegel" vorliegen. So flossen von einem Konto des Verbands im Oktober 2017 rund 1900 Euro unter dem Betreff "RG 359/2017" an den Berliner Geschäftsmann O.

Weidel bestätigt Freundschaft, verneint aber Tätigkeit

Bemerkenswert ist die Zahlung der AfD an den Unternehmer vor dem Hintergrund, dass Kontraste Weidel im Januar 2020 gefragt hatte, ob der Geschäftsmann O. für sie als Berater tätig gewesen sei. Weidel hatte dies verneint und darauf verwiesen, dass sie lediglich freundschaftliche Beziehungen zu O. unterhalte. Zur Frage, warum der Geschäftsmann über Bundestags-Visitenkarten verfügte, auf denen er als "strategischer Berater" Weidels firmierte, erklärte Weidel jetzt, ein ursprünglich geplantes Beratungsverhältnis sei nicht zu Stande gekommen. O. habe "allerdings von meinem Büro bereits im Vorfeld Visitenkarten erhalten, die er vernichten sollte", so Weidel.  

Bis November 2019 hatte der Unternehmer, der auch als "Krisenmanager" firmiert, auf seiner Website noch angegeben, er sei "für zahlreiche Bundestagsabgeordnete der größten Oppositionspartei im Deutschen Bundestag" tätig. Größte Oppositionsfraktion war damals wie heute die AfD-Fraktion. Weiter hieß es auf seiner Website, er sei "direkter Berater der Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag". Später änderte er die Passage und schrieb, er arbeite für zahlreiche Bundestagsabgeordnete diverser Parteien - um welche es sich dabei handelt, wollte der Politikberater auf Kontraste-Nachfrage nicht beantworten.

Weidel nennt Mietwagenkosten als Grund der Zahlung

Auf die Frage, was der Grund für die Zahlung des Betrags an O. gewesen sei, teilte Weidel dem "Spiegel", Correctiv und Kontraste mit: "Herr O. (Name von der Redaktion gekürzt) hatte sich damals um einen Mietwagen gekümmert, den ich für die Absolvierung meiner Wahlkampfauftritte und Medientermine vor der Bundestagswahl 2017 benötigte. Der Betrag, den er dafür vorgestreckt hatte, wurde ihm von der Kreispartei retourniert."

Ob es weitere Zahlungen an den Geschäftsmann gegeben hatte, wollte ein Sprecher Weidels weder bestätigen noch ausschließen. Dies müsse noch abgeklärt werden, "um höhere Beträge ging es dabei aber nicht", so der Sprecher. Der Unternehmer ließ durch eine Anwaltskanzlei mitteilen, dass es nicht zu seinem Geschäftsgebaren gehöre "Informationen über Kunden und/oder einzelne Geschäftsabläufe der Öffentlichkeit preiszugeben".

Anklage wegen gemeinschaftlichen Betrugs gegen O.

O. soll nach Kontraste-Informationen mehrfach vorbestraft sein, dies geht aus einer Anklage der Staatsanwaltschaft Gera hervor. Die Behörde legt O. zur Last, dass er unbefugt Amts- und Dienstbezeichnungen geführt haben soll. O. bestreitet dies. Zudem erhob die Staatsanwaltschaft Bielefeld im Februar 2021 wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Betrug in Zusammenhang mit zwei Fahrzeugfinanzierungen Anklage gegen O., wobei es in einem Fall bei dem Versuch geblieben sein soll. Inhaltlich äußerte sich O. zu diesen Vorwürfen auf Anfrage nicht. Ob Frau Weidel Kenntnis von den Vorgängen hat, ist nicht bekannt.

Bei dem Konto, von dem aus Weidels AfD-Kreisverband Geld an O. überwiesen hat, handelt es sich um dasselbe, das auch Gegenstand einer Affäre um illegale Parteispenden aus der Schweiz war. 132.000 Euro waren im Sommer 2017 gestückelt auf dem Konto eingegangen. Die Bundestagsverwaltung verhängte deshalb eine Strafe in Höhe von rund 400.000 Euro.