Ermittler in Hanau | AFP

Video des mutmaßlichen Täters Verschwörungsmythen und Rassismus

Stand: 20.02.2020 10:15 Uhr

Vor fast einer Woche postete Tobias R. im Netz ein Video, in dem er auf Englisch sagte, es sei Zeit zum Kämpfen. Auf seiner Website veröffentlichte er zudem eine Erklärung voller Rassismus und Verschwörungsmythen.

Von Patrick Gensing,

tagesschau.de

Bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau soll es sich um Tobias R. handeln. Dieser hatte vor knapp einer Woche ein Video sowie auf seiner Website mehrere schriftliche Erklärungen veröffentlicht. Das Video liegt NDR, WDR und SZ vor. Darin wendet sich R. an das amerikanische Volk, das unter Kontrolle von geheimen Kräften sei. R. warnt davor, den großen Medien zu glauben und spricht von einem modernen System der Sklaverei. Es sei die Pflicht der amerikanischen Menschen aufzustehen. Er ruft dazu auf, jetzt zu kämpfen.

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Ähnlich verschwörungstheoretisch äußert R. sich in einem Dokument, das er auf Deutsch auf seiner Webseite veröffentlichte. Darin wendet er sich an das deutsche Volk und schreibt von einer "Schattenregierung" sowie kleinen Elite, die den gesamten Planeten beherrsche und Geheimwissen vor der Bevölkerung verstecke. Seine Verschwörungstheorien umfassen aber nicht nur die Politik, sondern auch den Sport und eine Universität in Bayern. Auch zum Thema "Frauen" schreibt er, offenbar handelt es sich um persönliche Misserfolge, die allesamt mit Verschwörungstheorien erklärt werden.

Außerdem lässt sich R. über "das schlechte Verhalten bestimmter Volksgruppen" aus. Er habe sich die "grundsätzliche Frage" gestellt, warum "solche Volksgruppen überhaupt in meinem Land sind?" Diese Menschen seien "äußerlich instinktiv abzulehnen und haben sich zudem in ihrer Historie nicht als leistungsfähig erwiesen". R. schreibt sogar von "destruktiven Rassen" in Deutschland. Gleichzeitig sei das deutsche Volk das Beste und Schönste. Aus diesem Gegensatz schlussfolgerte er, dass ganze Völker vernichtet werden müssten, er nennt dabei verschiedene arabische Länder und auch Israel.

Von Verschwörungsmythen geprägt

Neben dem erwähnten Video und Dokument hatte R. auf seiner Website weitere Inhalte veröffentlicht. In all diesen Dokumenten offenbart er ein Weltbild, das offenkundig massiv von verschiedenen Verschwörungstheorien geprägt wurde. So finden sich Mythen über eine geheime Elite, die das Weltgeschehen steuere; diese Elemente sind typisch und zentral für klassische Verschwörungstheorien. Zudem äußert R. sich eindeutig rassistisch und spricht sogar von Plänen zur "Säuberung" ganzer Regionen. Auch persönliche Misserfolge scheint er sich mit Verschwörungstheorien zu erklären.

Der Attentäter von Halle hatte ebenfalls Verschwörungstheorien verbreitet: Er behauptet, den Holocaust habe es nicht gegeben. Zu seinem Motiv für den Anschlag sagt er, Feminismus führe zu weniger Geburten, deswegen gebe es Masseneinwanderung - und hinter all diesen Problemen stecke "der Jude". Er bezog sich somit wiederum auf andere rechtsextreme Attentäter, beispielsweise auf den von Christchurch.

Für die deutschen Sicherheitsbehörden sei Tobias R. unter Extremismusgesichtspunkten bis zur Tat offenbar ein unbeschriebenes Blatt gewesen, berichtet der ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks war R. im Besitz eines Jagdscheins.

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen, da Indizien auf einen rechtsextremistischen Hintergrund hindeuten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Februar 2020 um 10:45 Uhr.