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Facebook Die geheime Liste des Hasses

Stand: 13.10.2021 15:05 Uhr

In den USA ist eine interne Facebook-Liste veröffentlicht worden - mit Gruppen und Organisationen, die wegen Hass-Inhalten als gefährlich eingestuft werden. Aus Deutschland sind viele rechtsextreme Gruppen aufgeführt.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Islamistische Terroristen, kriminelle Banden, rechtsextreme Gruppen: Auf einer internen Liste hat Facebook Gruppen, Organisationen und Personen aufgeführt, die als gefährlich eingestuft und daher nicht auf der Plattform erscheinen sollen. Diese bislang geheime Liste ist nun veröffentlicht worden.

Die Zeitschrift "The Intercept" veröffentlichte eine Reproduktion der internen Facebook-Liste, die Redaktion ergänzte einige Anmerkungen zu den Einträgen. Das Magazin veröffentlicht die Liste nach eigenen Angaben, damit die Öffentlichkeit sich ein Urteil über die Qualität der Moderation auf Facebook machen könne. Zudem wertete das Magazin die Liste aus und kam zu dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Fälle zum Phänomen Terrorismus gezählt werden, rund 17 Prozent fielen in den Bereich "Hass".

Die Liste soll dem Unternehmen helfen, die Verbreitung von Propaganda zu unterbinden. Daher löscht Facebook nicht nur Konten, die zu den genannten Gruppen und Organisationen zählen, sondern schränkt teilweise auch Diskussionen darüber ein - zumindest was terroristische Gruppen betrifft.

Mit den Maßnahmen begonnen wurde offenbar im Jahr 2012, als Facebook angesichts der wachsenden Besorgnis im US-Kongress und bei den Vereinten Nationen über die Online-Rekrutierung von Terroristen ein Verbot von "Organisationen mit einer Vorgeschichte von terroristischen oder gewalttätigen kriminellen Aktivitäten" in seine Gemeinschaftsstandards aufnahm, schreibt "The Intercept".

Aus Deutschland sind zahlreiche rechtsextreme und neonazistische Gruppen und Organisationen auf der Liste zu finden, so beispielsweise die "Identitäre Bewegung", die Parteien Die Rechte und III. Weg oder auch Gruppen von "Autonomen Nationalisten" und "Kameradschaften". Ebenfalls finden sich verschiedene Bands aus dem NS-Spektrum auf der Liste, genauso wie Hooligan-Gruppen wie beispielsweise "Inferno Cottbus 99". Insgesamt sind fast 200 Personen, Gruppen oder Organisationen aus Deutschland auf der Liste zu finden.

Rechtsextreme Milizen nicht als Terroristen eingestuft

Auffällig ist, dass diverse rechtsextreme Milizen in den USA nicht als terroristisch eingestuft werden, sondern in der Kategorie "bewaffnete soziale Bewegungen" auftauchen. Die Einschränkungen in dieser Kategorie sind nicht so weitgehend wie bei Terroristen. Dabei sehen US-Geheimdienste bei den rassistischen Milizen die derzeit größte Gefahr für die Sicherheit in den USA.

"The Intercept" zitiert Fachleute, die meinen, Facebook habe diese Unterkategorie geschaffen, um in den USA nicht zu sehr unter Druck von ultra-konservativen Gruppen zu geraten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 13. Oktober 2021 um 14:20 Uhr.