Das Logo des Fahrzeugherstellers Porsche in der dunklen Lackierung eines Porsche Cayenne Diesel | Bildquelle: dpa

Umwelthilfe zu Porsche Cayenne Dreckigster Diesel fährt weiter

Stand: 30.10.2019 11:33 Uhr

Die bisher höchsten Stickoxid-Werte bei Diesel-Pkw hat die Umwelthilfe bei einem Porsche-SUV festgestellt. Nach Informationen des BR hat das Kraftfahrt-Bundesamt das Modell zurückgerufen, passiert ist aber nichts.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

Rund 130 Diesel-Pkw hat die Deutsche Umwelthilfe inzwischen messen lassen, zuletzt auch einen Porsche Cayenne S Diesel mit 4,2-Liter-Motor, Schadstoffklasse Euro 5. Der zulässige Stickoxid-Grenzwert für dieses Fahrzeug liegt bei 180 Milligramm pro Kilometer. Tatsächlich festgestellt wurde bei dem Fahrzeug ein durchschnittlicher NOx-Wert von 2146 Milligramm - fast zwölf Mal so viel. Damit sei dieses Modell "neuer Negativ-Spitzenreiter", so die Deutsche Umwelthilfe. Bisher hatte ein Audi A8 Euro-6-Diesel diese Liste angeführt.

Die Deutsche Umwelthilfe nimmt an, dass in dem Fahrzeug eine unzulässige Abschalteinrichtung verbaut sei und beklagt, dass es bisher keinen Rückruf gegeben habe. Tatsächlich hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) dieses Cayenne-Modell aber bereits im August 2018 zurückgerufen.

Rückruf bereits vor 14 Monaten angeordnet

Der amtliche Rückruf liegt BR Recherche vor. In dem Schreiben vom 20. August 2018 verlangt das Kraftfahrt-Bundesamt von Porsche, "alle unzulässigen Abschalteinrichtungen" zu entfernen. Weiter heißt es: "Alle betroffenen produzierten Fahrzeuge sind umzurüsten." Angeordnet wird der "sofortige Vollzug".

In dem Bescheid spricht das Kraftfahrt-Bundesamt von zwei Betriebsarten, die Porsche in dem Cayenne mit Euro-5-Abgasnorm nutze: "Normalbetrieb" und "Ladungssteuerung". Das Fahrzeug erkenne anhand verschiedener Parameter wie Motortemperatur und Geschwindigkeit oder Motordrehzahl, ob es sich auf dem Prüfstand befindet. Dann arbeite die Abgasreinigung wirksam. Bei Fahrten auf der Straße würden dagegen vor allem weniger Abgase in den Motor zurückgeführt und dadurch mehr Stickoxide ausgestoßen.

Öffentlichkeit nicht informiert

Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Öffentlichkeit über den Bescheid - anders als bei vergleichbaren Rückrufen - bisher nicht informiert, ergaben Recherchen des Bayerischen Rundfunks. Auch in der Rückruf-Datenbank ist der Bescheid nicht zu finden.

Porsche selbst gab keine Pressemitteilung heraus, sondern informierte die Öffentlichkeit "auf Anfrage", so ein Porsche-Sprecher. Ob und von wem entsprechende Anfragen getätigt wurden, ist unklar. Aktiv informierte Porsche über den Rückruf in wenigen Zeilen auf seiner Homepage erst Anfang dieses Jahres. Unter dem Datum 1.1.2019 heißt es in einem Bericht über "Porsche und Diesel" ganz am Ende: "Das KBA hat Porsche für die Fahrzeuge vom Typ Cayenne 4,2-Liter-V8-Diesel (Euro 5 und Euro 6) und Panamera 4,0-Liter-V8-Diesel (Euro 6) jeweils Bescheide über einen Rückruf erteilt. Nach Genehmigung der technischen Lösung werden die Fahrzeughalter von den zuständigen Porsche-Partnern kontaktiert."

Software-Update lässt auf sich warten

Auf Nachfrage teilt Porsche mit, ein Software-Update liege bis heute nicht vor. Der Stuttgarter Autobauer arbeite daran. Bundesweit geht es nach Angaben des Unternehmens um rund 5000 Fahrzeuge, die umgerüstet werden müssen.

Laut Bundesverkehrsministerium prüft das Kraftfahrt-Bundesamt derzeit das Software-Update für die betroffenen Fahrzeuge. Eine Freigabe sei "zeitnah geplant".

Porsche-SUV mit höchstem bisher gemessenen NOx-Ausstoß
Arne Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
30.10.2019 11:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. Oktober 2019 um 17:10 Uhr.

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