Schulhof des Musikgymnasiums in Montabaur | dpa

Corona in Deutschland Inzidenz bei Schülern halbiert

Stand: 06.01.2021 08:38 Uhr

Die Zahl der Neuinfektionen bleibt hoch, doch bei den Altersgruppen zeichnen sich Unterschiede ab. Laut jüngsten RKI-Daten halbierte sich die Sieben-Tage-Inzidenz bei Schülern. Unklar ist, ob dies nur an Schließungen liegt.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Die Corona-Situation in Deutschland bleibt angespannt: Nach wie vor sei "eine hohe Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung" zu beobachten, warnt das Robert Koch-Institut. Das RKI schätze die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt als sehr hoch ein. Am Mittwoch vermeldete das RKI mehr als 20.000 Neuinfektionen und mehr als 1000 verstorbene Corona-Infizierte.

Patrick Gensing tagesschau.de

In den verschiedenen Altersgruppen zeigen sich den RKI-Zahlen zufolge aber deutliche Unterschiede, was die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohnern betrifft. 

Signifikanter Rückgang bei Schülern

Vor drei Wochen wurden Schulen geschlossen oder zumindest wurde die Präsenzpflicht ausgesetzt; über Weihnachten und Neujahr waren bundesweit Ferien. In diesem Zeitraum halbierten sich den jüngsten RKI-Daten zufolge die Sieben-Tage-Inzidenz bei Schülerinnen und Schülern. Lag dieser Wert in der Woche vom 7. bis 13. Dezember bei den 15 bis 19-Jährigen noch bei 224 Infektionen auf 100.000 Einwohnern - und damit deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, sank sie bis Anfang Januar auf 123. Bei den zehn bis 14-Jährigen lag die Inzidenz Mitte Dezember noch bei 153, nun bei 70. Und bei Kindern im Grundschulalter sank sie in diesem Zeitraum von 115 auf 51.

Allerdings sind die Zahlen noch mit Zurückhaltung zu bewerten: Fachleute warnen vor einer Dunkelziffer, weil weniger getestet worden sei und Daten wegen der Feiertage möglicherweise noch nachgemeldet würden. Zudem nahm die Inzidenz insgesamt ab, allerdings sanken die Werte in den anderen Altersgruppen längst nicht so signifikant wie bei den Schülern.

Älteste Gruppe besonders betroffen

Besonders hoch bleibt die Inzidenz bei den ältesten Menschen in Deutschland: Bei den über 90-Jährigen liegt der Wert bei 587, bei den 85 bis 89-Jährigen bei 347 - und bei den 80 bis 85-Jährigen bei 203. Das RKI warnt, bundesweit gebe es Corona-Ausbrüche, die nach den übermittelten Daten vor allem in Zusammenhang mit Alten- und Pflegeheimen stehen. Die besonders vulnerablen Gruppen zu schützen, gelingt also nicht - nun ruht die Hoffnung auf den Impfungen, die allerdings nur schleppend angelaufen sind.

Da ältere Personen häufiger von schweren Erkrankungsverläufen von Covid-19 betroffen sind, bewegt sich auch die Anzahl schwerer Fälle und Todesfälle weiterhin auf hohem Niveau. Das RKI appelliert daher, diese Fälle könnten vermieden werden, wenn alle mit Hilfe der Infektionsschutzmaßnahmen die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus verlangsamen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Bund und Länder am Dienstag auf eine Verlängerung des Lockdowns geeinigt. Zudem soll ab einer Inzidenz von 200 der Bewegungsradius der Menschen eingeschränkt werden.

Appelle in der Arbeitswelt

Ausgenommen von scharfen Maßnahmen sind Teile der Arbeitswelt. Während Kultur, Gastronomie, viele Dienstleistungen sowie Einzelhandel größtenteils geschlossen sind, bleibt es in anderen Bereichen bei Appellen und es gibt weiterhin kein Recht auf Homeoffice. Eine Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung, die zum Deutschen Gewerkschaftsbund gehört, stellte fest, dass im November lediglich 14 Prozent der Menschen von zuhause aus arbeiten konnten, im April waren es noch 27 Prozent. Möglich sei eine Quote von bis zu 40 Prozent. Eine weitere Ausnahme betrifft Pendler, sie sind von Einschränkungen des Bewegungsradius in Hotspots ausgenommen.

Auf Nachfrage des ARD-Hauptstadtstudios zu den Appellen an die Arbeitgeber, lehnte Kanzlerin Angela Merkel eine Pflicht zum mobilen Arbeiten ab, deutete aber an, dass hier noch Verschärfungen möglich sein könnten. Denn Fachleute warnen, die in Großbritannien und Südafrika aufgetretenen Corona-Mutationen könnten fatale Konsequenzen auch in Deutschland haben.

Über dieses Thema berichtete die ARD in einem ARD Extra: Die Corona Lage am 05. Januar 2021 um 20:15 Uhr.