Der Wirecard-Schriftzug an der Konzernzentrale in Aschheim. | Bildquelle: dpa

Wirecard Noch mehr Geldwäsche-Verdachtsmeldungen

Stand: 13.10.2020 09:26 Uhr

Die Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes, FIU, stößt nach BR-Informationen in ihren Daten auf immer mehr Geldwäsche-Verdachtsmeldungen mit Bezug zum Wirecard-Konzern. Hätte der Skandal um den insolventen Online-Zahlungsdienstleister früher auffallen müssen?

Von Arne Meyer-Fünffinger, BR

 Im Sommer hat sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Sachen Aufklärung rund um den Skandal-Konzern Wirecard einer Devise verschrieben: "Voran, nichts verbergen", so Scholz in einem ARD-Fernsehinterview.

Zu dieser Aufklärungsarbeit gehört unter anderem, dass die beim Zoll angesiedelte Anti-Geldwäsche-Einheit des Bundes (FIU) seit Ende Juni die Verdachtsmeldungen in ihren Datenbanken nochmal durchforstet: Gibt es Bezüge zum Wirecard-Konzern? Auf 1000 Treffer ist die FIU gestoßen, das war bisher der Stand.

Über 2000 Verdachtsmeldungen mit Wirecard-Bezug

Eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Stefan Liebich und Fabio De Masi zeigt nun: Die Zahl der Geldwäsche-Verdachtsmeldungen, bei denen es eine Verbindung zu dem früheren, inzwischen insolventen DAX-Konzern gibt, ist deutlich größer. Danach ist die FIU in ihren Datenbanken auf mehr als 2000 Geldwäsche-Verdachtsmeldungen (Stand: 23. September) gestoßen.

Nach Angaben des Ministeriums gebe es bei rund 90 Prozent der Meldungen "aus heutiger Sicht keinerlei Berührungspunkte zu den aktuell bekannten Vorwürfen gegenüber Wirecard". Vielmehr hat die FIU sie erfasst, weil es sich zum Beispiel um verdächtige Finanztransaktionen von Kunden der Wirecard Bank AG handele. Allerdings gehen die Strafermittlungsbehörden auch zahlreichen Geldwäsche-Verdachtsmeldungen nach, bei denen - wie es die FIU ausdrückt - "Vorstände und Schlüsselpersonen im Kontext der aktuellen Vorwürfe" eine Rolle spielen.

Verdächtige Überweisungen auf Konten von Wirecard-Vorständen

So hat zum Beispiel die Bank Unicredit Anfang Februar 2019 der FIU "Kontogutschriften, u.a. auf Konten von zwei ehemaligen [Wirecard-] Vorstandsmitgliedern im Dezember 2017 und im Dezember 2018" gemeldet. Im Mai 2019 wandte sich das Geldhaus J.P. Morgan an die FIU, nachdem es zwischen Dezember 2017 und März 2018 "Überweisungen zwischen Geschäftskonten von verschiedenen Gesellschaften in Asien, teilweise Tochtergesellschaften der Wirecard AG" gegeben habe.

"Die Ermittlungen dauern an", teilte das bayerische Innenministerium dem Finanzausschuss des Deutschen Bundestages in einem Schreiben mit, das dem BR vorliegt.

De Masi nennt FIU "ein schwarzes Loch"

Für De Masi, der für die Fraktion der Linkspartei im inzwischen eingesetzten parlamentarischen Untersuchungsausschuss sitzt, zeigen die neuen Zahlen zu Geldwäsche-Verdachtsmeldungen vor allem eines: "Die FIU ist ein schwarzes Loch. Es ist unwahrscheinlich, dass dies alles Vorgänge sind, die erst nach der Wirecard-Insolvenz gemeldet wurden. Daher muss die FIU vieles ignoriert haben - etwa wenn es nicht im engeren Sinne Geldwäsche, sondern zum Beispiel Bilanzfälschung betraf."

Unter anderem wegen dieses Vorwurfs laufen seit Monaten Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft München I, auch gegen den früheren Wirecard-Vorstandschef Markus Braun.

Die für die FIU zuständige Generalzolldirektion teilte auf Anfrage mit, zu Vorgängen aus der operativen Analyse oder zur Herkunft von Informationen gebe man keine Auskünfte.

Deutlich mehr Geldwäsche-Verdachtsmeldungen zu Wirecard
Arne Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
13.10.2020 10:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 13. Oktober 2020 um 10:40 Uhr.

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