Audi Gebäude | Bildquelle: dpa

Euro-4-Modelle betroffen Audi ruft auch alte Diesel zurück

Stand: 08.11.2019 16:19 Uhr

Audi hat laut Kraftfahrt-Bundesamt bereits ab 2004 in Diesel-Fahrzeugen eine unzulässige Abschalteinrichtung eingesetzt. Jetzt werden deshalb mehrere Euro-4-Modelle des Autobauers zurückgerufen.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordert nun auch ältere Audi-Modelle in die Werkstatt zurück. Von dem Rückruf, den die Behörde am 5. November angeordnet hat, sind nach Audi-Angaben die Diesel-Modelle A4 und A6 der Baujahre 2004 bis 2009 betroffen, die von einem V6-2.7l-Motor der Schadstoffklasse Euro 4 angetrieben werden. Bundesweit geht es nach Angaben des Unternehmens um rund 40.000 Fahrzeuge. "Audi steht hinsichtlich der Abarbeitung mit dem KBA in enger Abstimmung", so ein Unternehmenssprecher auf BR-Anfrage.

KBA hatte schon früh Manipulationsverdacht

Überraschend kommt dieser Rückruf nicht. Bereits im Juli hatte der Bayerische Rundfunk im Rahmen der 45-minütigen Fernsehdokumentation "Der Fall Audi" über einen internen Vermerk des Kraftfahrtbundesamtes aus dem Jahr 2018 berichtet. Darin war die Behörde nach eigenen Messungen zu dem Schluss gekommen, dass Audi schon in Euro 4-Modellen mit der so genannten Akustikfunktion eine unzulässige Abschalteinrichtung eingesetzt hat. Diese diene "allein dazu, die NOx-Grenzwerte […] sicher einzuhalten", so das KBA in dem Vermerk.

Audi: Akustikfunktion dient "Bauteilschutz"

Audi A6 von 2004 (Archivbild) | Bildquelle: picture-alliance / SCHROEWIG/Eva
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Auch ältere A4- und A6-Modelle von Audi sind nun von einem Rückruf betroffen.

Die Akustikfunktion wurde bei Audi entwickelt, angeblich um beim damals neuen V6-Dieselmotor unangenehme Geräusche, häufig beschrieben als "Nageln", zu vermindern. Doch die Software erkennt, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand steht. Dann wird der Stickoxidausstoß des Motors vermindert. Der Begründung des Autobauers, die Funktion sei eingesetzt worden, um Motorbauteile zu schützen, folgte das Kraftfahrt-Bundesamt nicht. "Die Funktionalität wird daher als unzulässige Abschalteinrichtung eingestuft", schloss die Behörde in ihrem Vermerk vom 26. Juli 2018.

Auch Gutachter sah Akustikfunktion kritisch

Zuvor hatte der renommierte Motorexperte Georg Wachtmeister von der TU München die Akustikfunktion auf Zulässigkeit geprüft. In dem Gutachten, das BR Recherche und dem Transparenzportal "Frag den Staat" vorliegt, kam Wachtmeister zu einem eindeutigen Urteil: "Eine Anwendung von Bauteil- bzw. Motorschutz ist mit den von Audi vorgebrachten Argumenten nicht gegeben. Damit wird in Fällen der Grenzwertüberschreitung die Akustikfunktion als unerlaubte Abschalteinrichtung eingestuft."

Untersuchungen von Euro-4-Fahrzeugen laufen weiter

Nach BR-Informationen könnten Audi weitere Rückrufe drohen. Denn nach Ansicht des Kraftfahrt-Bundesamtes ist die Akustikfunktion nicht nur in den Euro 4-Diesel-Modellen A4 und A6, sondern auch im A8, im Q7 und im VW-Touareg sowie dem VW-Phaeton verbaut worden. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums laufen dazu noch weitere Untersuchungen.

Schadensersatzansprüche drohen zu verjähren

Für Besitzer eines älteren Audi Euro 4-Diesels kommt der Rückruf spät, vielleicht zu spät. Verbraucheranwälte befürchten, Schadensersatzansprüche könnten verjährt sein. Denn: Sofern man von einem Schaden keine Kenntnis hat, gilt eine Verjährungsfrist von zehn Jahren. Entscheidend sei der Abschluss des Kaufvertrags, erklärt die Berliner Anwältin Carolyn Diepold. Ihre Forderung: "Ich hoffe, dass sich Audi bzw. der VW-Konzern hier etwas überlegen für die Betroffenen, falls es z.B. keine Möglichkeit einer Nachrüstung für Euro 4-Fahrzeuge geben sollte." Denkbar seien pauschale Vergleichsregelungen oder Rückkaufangebote.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2019 um 15:00 Uhr.

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Arne Meyer-Fünffinger, BR

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