Teilnehmer einer Demonstration verbrennen am 10.12.2017 eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin im Stadtteil Neukölln. (Quelle: Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V./dpa) | Bildquelle: dpa / JFDA

Antisemitische Angriffe Leichter Rückgang auf hohem Niveau

Stand: 26.09.2019 10:30 Uhr

Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Juden und Israelis. Laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) ist die Zahl der Fälle in der Hauptstadt zumindest im ersten Halbjahr leicht rückläufig gewesen.

Von Andrej Reisin, NDR

Am 9. September unterhalten sich vier Touristen aus Israel vor einem Club mitten in Berlin. Plötzlich geht ein Mann auf die Gruppe zu und schlägt einem 21-Jährigen ohne weitere verbale Auseinandersetzung mit der Faust ins Gesicht und rennt weg. Das einzig erkennbare Motiv des flüchtigen Täters scheint die Tatsache, dass die Gruppe Hebräisch sprach. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte daraufhin, es sei "empörend, dass offensichtlich das Sprechen der Sprache des Staates Israel" für den Angriff genügt habe.

Die Tat steht für eine Reihe antisemitischer Vorfälle und Angriffe in Berlin. Auch Anfang September wurde ein Mann, der aufgrund seiner Kleidung als Jude erkennbar war, in Berlin-Mitte antisemitisch beleidigt, zuvor war Mitte August ein weiterer Jude attackiert worden. Ende Juli wurde ein Berliner Rabbiner bespuckt, als er in der Nähe der Synagoge mit einem Kind unterwegs war. Der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde Berlins sprach im Zusammenhang mit den Attacken im Sommer von einer regelrechten "Jagd auf Juden".

#kurzerklärt: Wie antisemitisch ist Deutschland?
nachtmagazin 00:45 Uhr, 15.06.2017, Alina Stiegler, NDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Vorfälle rund um antiisraelische Demonstrationen

Auch im Umfeld des vom iranischen Regime jährlich veranstalteten "Al-Quds-Tages", bei dem zur "Rückeroberung" Jerusalems von den Juden aufgerufen wird, kommt es immer wieder zu antiisraelischen und antisemitischen Übergriffen: In diesem Jahr wurden am 1. Juni Gegendemonstranten antisemitisch angepöbelt. Unter anderem äußerte einer der Teilnehmer gegenüber einer Frau, die Strafanzeige erstattete: "Eigentlich müsste Hitler wiederkommen und auch den Rest töten."

Am Mittwoch sollten vor dem Brandenburger Tor bei einer pro-palästinensischen Kundgebung eigentlich zwei Musiker auftreten, die unter anderem Songs in ihrem Repertoire haben, in denen zur Bombardierung Tel Avivs und anderer israelischer Städte sowie zur Vernichtung des jüdischen Staates aufgerufen wird. Der Auftritt der beiden Musiker wurde von der Berliner Innenbehörde in letzter Minute verboten: Innensenator Andreas Geisel (SPD) teilte mit, die Musiker bedienten "klassische antisemitische Vorurteile und verwenden eine nicht hinnehmbare Vernichtungsrhetorik". Zuvor hatte unter anderem der israelische Botschafter gegen den Auftritt protestiert.

Anti-israelische Motivation insgesamt rückläufig

Der heute vorgestellte Bericht von RIAS Berlin, der tagesschau.de bereits vorlag, erfasst im ersten Halbjahr 2019 in Berlin insgesamt 404 antisemitische Vorfälle, darunter 13 körperliche Angriffe, 20 Sachbeschädigungen und 20 Bedrohungen. Hinzu kommen zahlreiche Beleidigungen und Beschimpfungen. Insgesamt erfuhr die Organisation nach eigenen Angaben von mehr als zwei antisemitischen Vorfällen pro Tag.

Allerdings kam es zu keinem Anstieg der Taten insgesamt im Vergleich zum Vorjahr. Waren es im ersten Halbjahr 2018 noch 579 Vorfälle, die RIAS Berlin dokumentiert hatte, verringerte sich diese Zahl 2019 auf nun 404. Allerdings sei der Rückgang vor allem auf weniger gemeldete Beleidigungen im Internet zurückzuführen, die Zahl der von antisemitischen Vorfällen unmittelbar Betroffenen hingegen ist laut der Organisation "auf hohem Niveau" konstant geblieben. Demnach waren insgesamt 55 Personen im öffentlichen Raum unmittelbar antisemitischen Konfrontationen ausgesetzt.

Israelbezogener Antisemitismus

Innerhalb der antisemitischen Vorfälle ist der israelbezogene Antisemitismus laut RIAS Berlin deutlich zurückgegangen: Während 2018 noch gut die Hälfte der Vorfälle diesen Bezug gehabt hätte, seien es 2019 knapp 40 Prozent gewesen. Die Organisation vermutet, dass 2018 insbesondere das 70-jährige Jubiläum des Staates Israel sowie die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem für mehr antiisraelische Vorfälle gesorgt hätten.

Anteil rechter Taten steigt

Der Anteil von Vorfällen mit rechtsradikalem Hintergrund sei gestiegen, und zwar von 20,7 auf 29,7 Prozent. Von den 120 Fällen mit rechtem Hintergrund ordnete die Organisation nur acht nichtdeutschen Tätern zu.

Insgesamt hatte die antisemitische Kriminalität 2018 deutlich zugenommen. Die Polizei registrierte nach eigenen Angaben bundesweit 1646 Straftaten - ein Anstieg um knapp zehn Prozent im Vergleich zu 2017. Bei den Gewalttaten gab es demnach einen drastischen Anstieg von 37 auf 62 Gewaltdelikte gegen Juden. Dabei wurden insgesamt 43 Personen verletzt. Die meisten Täter stammten aus rechtsextremen Milieus. Bereits 2017 und 2016 hatte die Polizei Anstiege um 2,5 bzw. 7,5 Prozent gemeldet.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 15. Juni 2019 um 00:45 Uhr.

Darstellung: