Eine stark von der Korallenbleiche beschädigte Porites-Koralle. | Bildquelle: dpa

Korallenbleiche "Herzzerreißender Anblick des Verfalls"

Stand: 07.04.2020 12:53 Uhr

Forscher haben das Great Barrier Reef vor Australien aus der Luft untersucht. Ihr Fazit: Das Riff ist beschädigt wie nie zuvor. Mindestens zehn Jahre Erholung wären nötig.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, so etwas noch einmal zu machen", erzählt Professor Terry Hughes auf Twitter nach seinen Erkundungsflügen zum Great Barrier Reef. Der Riff-Spezialist ist erschöpft, seelisch und körperlich.

Er berichtet auf dem Kanal der australischen Wissenschaftsakademie: "Wir haben mit unseren Studien begonnen, als das Land langsam seine Corona-Einschränkungen begann. Also arbeiteten wir, so schnell wir konnten. Das war sehr intensiv, elf Flüge in neun Tagen."

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Korallenbleiche am Great Barrier Reef

Great Barrier Riff vor Australiens Küste

Die aktuelle Korallenbleiche am Great Barrier Reef in Australien ist laut einer Untersuchung schwerer und größer gewesen als andere Bleichen in der Vergangenheit. | Bildquelle: AFP

Gigantischer Artenreichtum

2300 Kilometer lang erstreckt sich das Great Barrier Reef längs der Ostküste Australiens. Es ist das größte natürlich entstandene Gebilde der Welt, von kleinsten Organismen, den Korallen, geschaffen: Hier leben Seekühe, Meeresschildkröten, Rochen, Feuerfische, Stachelschnecken und Clownfische, der Artenreichtum rund ums Unesco-Welterbe ist immens.

Doch das Riff wird auch von Negativrekorden begleitet: Die Temperaturen an der Wasseroberfläche rund ums Great Barrier Reef waren noch nie so hoch wie im vergangenen Februar. Das Ausmaß der Korallenbleiche ist so groß wie nie zuvor. Innerhalb von fünf Jahren gab es drei schwere Bleichen, die erst den Norden, dann die Mitte und jetzt auch den Süden des Riffs betreffen.

"Zum ersten Mal haben wir Riffe, bei denen 60 Prozent oder mehr der Korallen schwer betroffen sind. Wenn das Ausmaß der Korallenbleiche so schwer ist, dann sehen wir üblicherweise auch ein hohes Maß an Korallensterben", so Hughes.

Herzzerreißend sei der Anblick des Verfalls, so beschreibt Hughes es. Der Wissenschaftler ist einer der führenden Korallenriffspezialisten und arbeitet an der James Cook University in Townsville an der Ostküste Australiens. Von dort aus ist das Riff schnell zu erreichen.

Mindestens zehn Jahre Erholung

Was eine Korallenbleiche bedeutet? Ist das Wasser zu warm, leiden die Algen, die auf den Korallen siedeln, diesen ihre Farbe geben und für ihr Überleben notwendig sind. Um sich zu erholen, bräuchten die Korallen mindestens zehn Jahre. Doch Hughes hat Sorge, dass die Zeit bis zur nächsten Bleiche nicht ausreicht.

"Die Geschwindigkeit dieser Ereignisse ist überraschend, wir werden tragischerweise mehr dieser Bleichen erleben. Die einzige Chance, eine Zukunft für die Korallenriffe dieser Welt zu sichern, ist die Treibhausgas-Emissionen einzudämmen."

Australien spürt den Klimawandel

Und das ist in Australien ein heikles Thema: Das Land gehört zu den größten Kohle-Exporteuren der Welt, die Regierung genehmigt nach wie vor neue Kohleminen oder strengt Fracking von Kohleflözgasen an.

Nach einer jahrelangen schweren Dürre und monatelangen heftigen Waldbränden ist diese Korallenbleiche ein weiteres Zeichen dafür, wie stark Australien die Folgen des Klimawandels innerhalb eines einzigen Sommers zu spüren bekommt.

Korallenbleiche am Great Barrier Reef stärker als bisher
Lena Bodewein, ARD Singapur
07.04.2020 11:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 07. April 2020 um 09:06 Uhr.

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