Teile eines Wohnhauses aus Römerzeiten in Kempten freigelegt | Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ausgrabung in Bayern Römerhaus mit Fußbodenheizung

Stand: 27.10.2022 17:55 Uhr

Wohnhäuser mit Therme und Fußbodenheizung - diesen Luxus gönnten sich schon die alten Römer, wie eine Ausgrabung im bayerischen Kempten zeigt. Das freigelegte Haus gehört zu den ältesten in Deutschland.

Archäologen haben in Kempten im Allgäu Teile eines Wohnhauses aus der Römerzeit freigelegt. Dabei kamen nach Angaben der Stadt Kempten neben intakten Estrichböden und Fußbodenheizungen auch eine kleine private Thermenanlage sowie Wandmalereien zum Vorschein.

Die Stadt berichtete bei der Vorstellung der Grabung, die zutage gekommenen Überreste gehörten zu den ältesten in Deutschland. Kempten ist aufgrund der römischen Vergangenheit bereits mehr als 2000 Jahre alt und damit eine der ältesten Städte Deutschlands.

Die Mauern einer privaten Therme eines römischen Wohn- und Geschäftshauses in Kempten. | Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Zu sehen sind die Überreste der Mauern eines römischen Wohn- und Geschäftshauses mit privater Therme. Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ausgrabungen seit mehr als drei Jahren

In der Allgäuer Stadt werden seit mehr als drei Jahren bei einem Forschungsprojekt mit Wissenschaftlern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) und Experten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege die antiken Siedlungsstrukturen aus der Römerzeit untersucht. Dabei geht es um die Erforschung der Römerstadt Cambodunum, der Vorläuferin von Kempten.

In Cambodunum fanden bereits in den vergangenen beiden Jahrhunderten Grabungen statt. Damals sei man insbesondere den antiken Mauern gefolgt. Die tiefer gelegenen Siedlungsstrukturen seien aber selten erfasst worden, erläutern die Forscher. Gegraben werde jetzt in der letzten heute noch unüberbauten antiken Wohnbebauung - der sogenannten Insula 1.

Parallelen zu heutiger Kultur

Für die Archäologen ist die antike Stadt von besonderer Bedeutung, denn die älteste römische Stadt der Provinz Raetien gilt nach Angaben der LMU-Forscher als Paradebeispiel frühkaiserzeitlicher Stadtplanung. Grabungsleiter und LMU-Professor Salvatore Ortisi erklärte:

Hier lässt sich die Erschließung und Urbanisierung der Gebiete nördlich der Alpen durch Rom in hervorragender Weise nachvollziehen.

Diese keltisch-römischen Anfänge bilden laut Ortisi die Wurzeln vieler unserer heutigen Städte und haben die kulturelle Entwicklung Süddeutschlands ganz entscheidend geprägt.