Feuerwehrleute löschen das Feuer in einem durch russischen Beschuss beschädigten Gebäude in Winnyzja.  | dpa

Krieg gegen die Ukraine "Was ist das, wenn kein offener Terrorakt?"

Stand: 14.07.2022 15:26 Uhr

Nach ukrainischen Angaben sind bei einem russischen Raketenangriff in der Zentralukraine mindestens 21 Menschen getötet worden. Präsident Selenskyj bezeichnete den Angriff als "offenen Terrorakt".

Bei einem russischen Raketenangriff auf die zentralukrainische Stadt Winnyzja sind nach ukrainischen Angaben mindestens 21 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Zuvor hatte bereits der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Schalte bei einer internationalen Konferenz über Kriegsverbrechen in Den Haag über den Angriff gesprochen.

Auch die örtliche Polizei bestätigte zahlreiche Verletzte - der Behörde in Winnyzja zufolge mussten mehr als 100 Verletzte medizinisch behandelt werden, etwa 50 von ihnen befanden sich in einem kritischen Zustand. Unter den Todesopfern sollen auch zwei Kinder sein. Außerdem sollen noch mehr als 40 Menschen vermisst sein. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Selenskyj: "Offener Terrorakt"

Bei dem Angriff mit drei Raketen sei auch ein medizinisches Zentrum getroffen worden. Außerdem seien auch andere Wohn- und Bürogebäude zerstört oder schwer beschädigt worden. Das ukrainische Militär teilte mit, Russland habe von einem U-Boot im Schwarzen Meer aus Kalibr-Raketen auf Winnyzja abgefeuert. Die Stadt liegt rund 200 Kilometer südwestlich von Kiew und fernab der Hauptfronten im Osten und Süden der Ukraine. "Was ist das, wenn kein offener Terrorakt?", schrieb Selenskyj auf Telegram.

Und auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba äußerte sich zu dem Angriff: Er warf Russland auf Twitter vor, ein weiteres Kriegsverbrechen verübt zu haben.

Wir werden russische Kriegsverbrecher für jeden Tropfen ukrainischen Blutes und ukrainischer Tränen vor Gericht stellen.

Moskau meldet hohe Verluste für Kiewer Truppen

Vom russischen Verteidigungsministerium gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Berichten aus Winnyzja. Die russischen Streitkräfte berichteten allerdings von "schweren Artillerie-, Luft- und Raketenangriffen, die dem ukrainischen Militär hohe Verluste" zugefügt haben sollen. Die jüngsten Luftschläge hätten die Ukrainer demnach bis zu 1000 Soldaten und mehr als 100 Militärfahrzeuge und Waffensysteme gekostet, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Unter anderem seien in Tschassiw Jar im ostukrainischen Gebiet Donezk 43 Soldaten getötet und 170 verletzt worden, sagte Konaschenkow.

Der russische Armeesprecher berichtete zudem vom erneuten Einsatz der seegestützten Kalibr-Raketen. Diese Lenkwaffen mit mehreren Hundert Kilometern Reichweite seien auf eine Fabrik für Hochspannungsanlagen in Saporischschja abgefeuert worden und hätten mehrere dort in den Hangars stehende Raketenwerfer vernichtet.

Untypischer Angriff für Russland

Der Angriff auf Winnyzja passt eigentlich nicht ins derzeitige Kriegsgeschehen, da sich die russischen Truppen vor allem auf die Region Donezk im Osten der Ukraine konzentrieren. Nach Luhansk soll auch dieses Gebiet vollständig eingenommen werden. Dann hätte Russland die volle Kontrolle über den Donbass, die industriell geprägte Region, die bereits seit 2014 teilweise von pro-russischen Separatisten kontrolliert wird.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/13.07.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/13.07.2022

Heute griffen russische Truppen erneut die Stadt Kramatorsk in Donezk an. Aber auch im Süden gingen die Angriffe weiter. Die Stadt Mykolajiw lag nach Angaben von Bürgermeister Olexandr Senkewytsch weiter unter russischem Beschuss. Mykolajiw liegt unweit von Odessa, der größten ukrainischen Hafenstadt, die bereits vereinzelt unter Beschuss geraten ist. Die Ukraine fürchtet, dass Russland auch die Hafenstadt einnehmen will, um dann die gesamte Küste des Schwarzen Meeres zu kontrollieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2022 um 15:00 Uhr.