Arbeiter warten in Guangzhou | Bildquelle: ALEX PLAVEVSKI/EPA-EFE/Shutterst

China und die Corona-Krise Das zähe Warten auf den Aufschwung

Stand: 20.05.2020 11:24 Uhr

Die chinesische Wirtschaft erholt sich nur langsam von der Corona-Krise. Viele warten auf Arbeit. In der Hafenstadt Tianjin hoffen Händler auf Impulse beim Volkskongress.

Von Axel Dorloff, ARD-Studio Peking

Die Verkaufsfläche steht voll mit teuren Autos, leise schallt Musik aus den Lautsprechern. Kunden sind aber nicht da an diesem Vormittag. Der Autoladen liegt in der Freihandelszone im Hafengebiet der chinesischen Stadt Tianjin. Manager Xin Wei verkauft hier Luxus-Autos, Direkt-Importe aus dem Ausland. Und das sei weiter schwierig, erzählt er, denn Corona habe den Umsatz stark beeinflusst:

"Davor haben wir monatlich an Kleinkunden 30 bis 50 Autos verkauft, jetzt sind es nur noch zehn bis 20. Deutsche Autos machen dabei einen großen Teil unseres monatlichen Umsatzes aus, rund 70 bis 80 Prozent."

"Wir können nur warten"

Der Hafen von Tianjin ist der drittgrößte in China. Zwischen 60 und 70 Prozent aller Auto-Importe aus dem Ausland werden von hier auf die chinesischen Provinzen verteilt. Auf den ersten Blick herrscht wieder rege Betriebsamkeit, schwere Lkw biegen Richtung Container-Hafen ab. Aber der Umschlag im Hafen von Tianjin ist noch längst nicht wieder auf dem Niveau vor Corona, sagt Autohändler Xin Wei.

"Davor kamen jeden Tag Schiffe für uns an, jeden Tag neue Autos. Die Epidemie hat unser Geschäft stark beeinflusst. Fracht aus dem Ausland wurde teilweise ganz ausgesetzt, gerade aus Nordamerika." Er habe jetzt Autos im Ausland stehen, die nicht geliefert werden könnten: "Wir können einfach nur warten, ändern können wir derzeit nichts."

Hoffen auf den Volkskongress

Wegen der Corona-Pandemie ist Chinas Wirtschaftsleistung erstmals seit Erhebung der Daten geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank im ersten Quartal des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent. Nach dem beinahe Stillstand im Februar und März erholt sich die chinesische Wirtschaft jetzt zwar langsam, aber an vielen Stellen hakt es noch. Der Nationale Volkskongress in Peking soll ab Freitag nun ein Signal sein, dass wieder bessere Zeiten anbrechen.

Der Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking, Jörg Wuttke, ist gespannt auf Chinas erstes Wirtschaftsziel nach Corona. Es werde wahrscheinlich zwischen ein und zwei Prozent liegen, meint Wuttke unter Verweis auf Zahlen der Weltbank.

Um das Wachstum anzukurbeln, brauche es Anreize: "Da wird sicherlich nach viel Geld gefragt werden", vermutet Wuttke. "Aber Vize-Premier Liu He ist natürlich darauf erpicht, diesen riesigen Schuldenberg, den China jetzt schon hat, nicht noch ansteigen zu lassen."

Konjunkturpakete wofür?

Gigantische Konjunkturpakete wie nach der Finanzkrise 2008 sind für China deshalb schwieriger geworden. Auch weil sich die Voraussetzungen geändert haben, sagt der Handelskammer-Präsident der EU.


Die Unterschiede seien gravierend: "Damals hat China noch einen richtigen Infrastrukturbedarf gehabt. Jetzt haben sie die besten Flughäfen der Welt, die besten Eisenbahn-Verbindungen. Da ist nicht mehr viel zu bauen." Als einzige Option blieben jetzt noch Investitionen in das 5G-Netz.

Ob und wann China seine Wirtschaft wieder in Griff bekommt, ist für den Rest der Welt aber von großer Bedeutung, insbesondere auch für Deutschland. Chinas Wirtschaftsleistung macht zwischen 15 und 18 Prozent des Bruttosozialproduktes weltweit aus. Deshalb warten nicht nur die Autohändler im Hafen von Tianjin auf Signale der chinesischen Regierung beim Nationalen Volkskongress.

Vor dem Volkskongress in China: Warten auf den Wirtschaftsaufschwung
Axel Dorloff, ARD Peking
20.05.2020 09:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 20. Mai 2020 um 11:17 Uhr.

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