Novak Djokovic | dpa

Vor den Australian Open Kein Visum für Djokovic

Stand: 14.01.2022 13:12 Uhr

Australien hat dem Tennis-Weltranglistenersten Djokovic das Visum entzogen. Wegen des Gesundheitsschutzes liege dies im öffentlichen Interesse. Djokovic lehnt es ab, sich gegen Corona impfen zu lassen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Er darf, er darf nicht, er darf - und jetzt doch wieder nicht. An einem Freitag kurz vor 18 Uhr Ortszeit hat Australiens Einwanderungsminister Alex Hawke in einer schriftlichen Erklärung bekannt gegeben, dass er dem Weltranglistenersten das Visum entzieht. Wegen des Gesundheitsschutzes liege dies im öffentlichen Interesse. Aber was heißt das jetzt nun konkret für die Australien Open?

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

"Es ist Vorschrift, dass Herr Djokovic jetzt wieder in einer Abschiebeeinrichtung festgehalten wird", erklärt der frühere Einwanderungsminister Abdul Rizwi. "Ich vermute, es wird dasselbe Abschiebehotel sein, in dem er bereits vorher untergebracht war. Seine Anwälte haben ja bereits eine einstweilige Verfügung beantragt, damit Herr Djokovic doch noch bei den Australian Open spielen kann. Ein Richter wird das alles in Betracht ziehen - und eine Entscheidung treffen."

Novak Djokovic | AP

Djokovic will alles versuchen, doch noch bei den Australian Open mitzuspielen. Bild: AP

Djokovic hat Einspruch eingelegt

Djokovics Anwälte forderten ein Gericht auf, eine Ausweisung zu verhindern. Sie streben eine Anhörung für Sonntag an. Völlig ausgeschlossen ist es also noch nicht, dass der beste Tennisspieler der Welt ab Montag bei den Australian Open spielt - aber doch extrem unwahrscheinlich. Beobachter rechnen mit einer Entscheidung über Djokovics Einspruch nicht vor Ende des Grand Slam Turniers.

Einwanderungsminister Alex Hawke ließ sich lange Zeit mit der Annullierung des Visums - das öffentliche Interesse ist riesig. Er habe keine Fehler machen wollen und alle Fakten sorgfältig geprüft, schreibt sein Büro.

Widersprüche bei angeblicher Covid-Erkrankung

Da waren die Widersprüche bei der angeblich durchgestandenen Covid-Erkrankung, die er als Grund für die Einreise ohne Impfung angab, der Verdacht auf Manipulation seines angeblich positiven PCR-Tests. Oder das fehlerhaft ausgefüllte Einreiseformular: Ob er in den vergangenen zwei Wochen gereist sei, wird da gefragt - und Djokovic kreuzte "Nein" an.

Dabei spielte der in Monaco lebende Tennis-Profi in dieser Zeit sowohl in Spanien wie in seiner Heimat Serbien. Das sieht zwar eher nach Flüchtigkeitsfehler als vorsätzlicher Lüge aus - aber die Regeln sagen klipp und klar, dass Falschangaben als schweres Vergehen gelten.

Minister Hawke dürfte lange überlegt haben, sich über ein Gerichtsurteil hinwegzusetzen. Noch am Montag nämlich hatte ein Gericht in Melbourne Djokovics Abschiebung für unrechtmäßig erklärt, weil man den Serben bei der Befragung am Flughafen zu sehr unter Druck gesetzt habe.

Djokovic-Fans protestieren

"Free Nole" hatten in rot-blau-weiße Flaggen gehüllte serbische Fans nach dem Urteil  skandiert - es klang, als würde ein Freiheitskämpfer gefeiert. Es kam zu Tumulten, die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Die Szenen in Melbournes Straßen lassen jetzt nach dem Ministerentscheid ebenso wenig Gutes erwarten wie die Stimmen aus Belgrad. Ein Tennisspieler, der zum Nationalhelden stilisiert wird, Djokovics Vater, der ihn mit Jesus verglich, seine Mutter, die den australischen Behörden Folter ihres Sohnes vorwarf.

Unterstützer des serbischen Tennis-Profis Djokovic versammeln sich vor dem Park Hotel, das als Hotel für die Einwanderungsbehörde genutzt wird. | dpa

Unterstützer des serbischen Tennis-Profis Djokovic versammeln sich vor dem Park Hotel, das als Hotel für die Einwanderungsbehörde genutzt wird. Bild: dpa

Der großen Mehrheit der Australier allerdings dürfte der Einwanderungsmimister mit dem Rauswurf des Serben aus der Seele gesprochen haben.

Ein Passant in Melbourne bringt die Gefühle der meisten auf den Punkt: "Er ist ein selbstsüchtiger nicht-geimpfter Irrlichternder, der vor der Wahrheit wegläuft und keinerlei Respekt zeigt vor dem, was wir hier in Victoria durchgemacht haben. Sie sollten ihn schnellstmöglich ins nächste Flugzeug nach Hause setzen und sein Vater sollte ein ernstes Wort mit seinem Sohn sprechen, statt in Serbien Unsinn zu verbreiten und ein absolutes Schlamassel zu produzieren."

Melbourne hat Rekord-Lockdown durchgestanden

262 Tage Lockdown hat die Australian-Open-Stadt Melbourne hinter sich - das ist Weltrekord. Familien wurden getrennt - viele sahen anderthalb Jahre ihre Liebsten nicht, durften weder zu Hochzeiten noch Beerdigungen. Inzwischen sind mehr als 90 Prozent aller Australier vollständig geimpft, trotzdem steigen die Zahlen gerade wieder rasant, die Neuinfektionen durchbrachen erstmals die Millionengrenze. Die Sympathien für den bekennenden Impfgegner Djokovic sind daher überschaubar in Down Under.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Januar 2022 um 10:00 Uhr.