Eine Schwimmweste treibt auf dem Mittelmeer | Bildquelle: AP

Flucht über das Mittelmeer "Alarmierender Anstieg der Todesfälle"

Stand: 03.07.2018 17:47 Uhr

Während in Deutschland die Asyldebatte geführt wird, ertrinken im Mittelmeer zahlreiche Flüchtlinge: Allein seit dem Wochenende starben mehr als 200 Menschen, seit Jahresanfang wohl mehr als 1400.

Die gefährliche Flucht über das Mittelmeer hat allein in den letzten Wochen Hunderten Menschen das Leben gekostet. Der vergangene Monat sei der tödlichste Juni seit fünf Jahren gewesen, sagte Ruben Neugebauer, Sprecher der Berliner Seenotrettungsorgansiation Sea-Watch.

Die Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass seit Anfang des Jahres mindestens 1405 Menschen auf diese Weise ums Leben gekommen sind. Die Zahl der Toten liege damit um 40 Prozent höher als bislang befürchtet.

Die neuen Zahlen gingen unter anderem auf Unglücke am 19. und 20. Juni zurück, teilte die IOM mit. Allein an diesen beiden Tagen kamen bei drei Havarien zusammen mindestens 215 Menschen ums Leben. "Es gibt einen alarmierenden Anstieg der Todesfälle vor der libyschen Küste", erklärte der Leiter der IOM-Mission in Libyen, Othman Belbeisi.

Gekentertes Flüchtlingsboot im Mittelmeer | Bildquelle: dpa
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Gekentertes Flüchtlingsboot im Mittelmeer

Mehr als 200 Tote seit letztem Freitag

In der neuesten Statistik seien außerdem die möglicherweise 218 Menschen erfasst, die allein seit dem vergangenen Freitag ertranken. Dabei handelt es sich um ein Boot, das am Freitag nördlich der Hauptstadt Tripolis mit 104 Menschen an Bord kenterte. Am Sonntag ging ein weiteres Boot mit Flüchtlingen östlich von Tripolis unter. Dabei ertranken wahrscheinlich 114 Menschen.

In den vergangenen zwei Wochen seien mindestens 34 Leichen an den Küsten Libyens angespült worden. Nothelfer gehen davon aus, dass die Zahlen noch deutlich höher liegen, weil nicht alle Fälle bekannt würden.

Zahlen insgesamt rückläufig

Im Vorjahr war die Zahl der Toten sogar noch deutlich höher. Im ersten Halbjahr 2017 kamen 2268 Menschen im Mittelmeer ums Leben - fast doppelt so viele wie in diesem Jahr.

Auch die Zahl derjenigen, denen die Überfahrt über die verschiedenen Routen im Mittelmeer gelang, ist deutlich gesunken. In diesem Jahr waren es nach IOM-Angaben bis zum 1. Juli 45.808, verglichen mit mehr als doppelt so vielen vor einem Jahr.

Sea-Watch: Flüchtlinge im Mittelmeer | Bildquelle: Johannes Moths /BR
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Gerettet: Private Hilfsorganisationen helfen Flüchtlingen in Seenot

Immer mehr flüchten nach Spanien

In Italien ging die Zahl der ankommenden Flüchtlinge nach dieser Statistik deutlich zurück, in Griechenland und Spanien stieg sie dagegen stark an. In Italien kamen demnach bis zum 1. Juli 16.585 Menschen an, 80 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. In Griechenland stieg die Zahl um 50 Prozent auf 13.507 Menschen und in Spanien um fast 140 Prozent auf 15.426 Menschen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Juli 2018 um 03:00 Uhr.

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